Teuer, teurer, Davos : Das kostet das Weltwirtschaftsforum

Hotels und Händler profitieren von dem Elite-Treffen. Die Gemeinde hat hohe Ausgaben. Für Davos ist das Weltwirtschaftsforum auch ein Kraftakt.

Hotels profitieren vom Rummel in Davos, die Gemeinde kostet die Veranstaltung eine Menge. Ein Großaufgebot an Polizei und Soldaten schützt die Prominenz.
Hotels profitieren vom Rummel in Davos, die Gemeinde kostet die Veranstaltung eine Menge. Ein Großaufgebot an Polizei und Soldaten...Foto: Fabrice COFFRINI / AFP

Für US-Präsident Donald Trump ist Davos die perfekte Bühne. Seinen Auftritt beim Weltwirtschaftsforum am Dienstag nutzte er unter anderem, um deutlich zu machen welche Erfolge er bisher für die Amerikaner erreichen konnte. Doch die US-Steuerzahler kostet der zweitägige Trip des Präsidenten in die Schweizer Alpen Millionen. Allein für Hotelzimmer und Mietwagen werden da 3,4 Millionen Dollar fällig, berichtet das US-Nachrichtenportal Quartz und beruft sich dabei auf offizielle Dokumente.

Und die Anreise per Air Force One nach Zürich sowie der Anschlussflug per Helikopter nach Davos sind dabei noch gar nicht mit eingerechnet. Sie sollen weitere 2,2 Millionen Dollar kosten. Allein das zeigt, was das Weltwirtschaftsforum eben auch ist: ein enorm großes Geschäft.

Der Ort in den Alpen profitiert davon am meisten. Wer in dieser Woche die Einkaufsstraße – die Promenade – entlang läuft, bekommt etwas ganz anderes zu sehen als die Skifahrer, bei denen Davos sonst beliebt ist. Händler räumen für die Zeit des Weltwirtschaftsforums häufig ihre Geschäfte und vermieten sie an Staaten oder Konzerne, die sich dort vor allem potentiellen Investoren präsentieren. Dabei sind manche Länder gleich mit mehreren Pavillons vertreten. Aus Indien zum Beispiel präsentieren sich der „NZZ“ zufolge gleich vier Gliedstaaten an eigenen Standorten.

Wie viel die Länder und Konzerne den Betreibern der Geschäfte dafür an Miete zahlen, ist nicht bekannt. Berichten zufolge sollen die Beträge aber inzwischen so hoch sein, dass manche Händler ihre Läden den Rest des Jahres leerstehen lassen. Im Ort nimmt man das offenbar hin – auch weil das Weltwirtschaftsforum Davos so bekannt gemacht hat, dass es auch zu anderen Zeiten als beliebtes Urlaubsziel gilt.

30.000 Betten belegt

Trotz allem ist das Treffen der Weltelite ein Kraftakt für den Ort, der 12.600 Einwohner zählt. Zum Wirtschaftsforum selbst kommen zwar „nur“ knapp 3000 Teilnehmer, doch sie bringen etliche Mitarbeiter und Sicherheitskräfte mit. 30.000 Betten sollen dann vor Ort belegt sein.

Davon profitieren auch die Hotels in Davos, die in diesen Tagen das Geschäft des Jahres machen. Zwar sind durchaus noch einzelne Zimmer zu haben, etwa für Ende der Woche, wenn einige Gäste bereits wieder abgereist sind – doch das kostet. Für eine Nacht im Einzelzimmer von Donnerstag auf Freitag im Hotel Edelweiß zahlt man bei Booking.com über 3000 Euro. Immerhin das Frühstück ist da bereits inbegriffen. Für Privatwohnungen sollen zum Teil Zehntausende Euro aufgerufen werden.

Inzwischen haben die Übernachtungspreise damit Dimensionen angenommen, die selbst die Veranstalter des Weltwirtschaftsforums stören. Gründer Klaus Schwab drohte im vergangenen Sommer schon damit, das Forum in eine andere Stadt zu verlegen.

Der Zeitung „Südostschweiz am Sonntag“ sagte er damals: „Wenn eine solche Preistreiberei um sich greift, könnte es sein, dass wir einem solchen Druck unserer Teilnehmer ausgesetzt werden, dass wir trotz eigenem besten Willen Davos als Standort aufgeben müssten.“

Der Hotelverband hat darauf reagiert und die Hoteliers dazu aufgefordert, 80 Prozent ihrer Zimmer für Gäste des Weltwirtschaftsforums zu reservieren und auf den Preis, den sie sonst zu Weihnachten verlangen, lediglich rund zehn Prozent draufzuschlagen.

Das Weltwirtschaftsforum lockt auch Touristen an

Zumal die Hotelbetreiber ein großes Interesse daran haben, das Weltwirtschaftsforum in Davos zu halten. Denn auch zu anderen Zeiten im Jahr kommen dadurch mehr Touristen. Zwar war der Ort schon immer als Luftkurort mit Bergkulisse bekannt. Doch durch das Weltwirtschaftsforum kommen das ganze Jahr über Touristen aus aller Welt. Nachdem 2017 zum Beispiel Chinas Parteichef Xi Jinping an dem Treffen der Elite teilnahm, soll die Zahl der Touristen aus China sprunghaft angestiegen sein.

Zudem profitieren die Hotels auch während des Forums nicht nur von den ausgebuchten Zimmern. Unternehmen und Länderdelegationen richten in ihren Räumen parallel zum Wirtschaftsforum auch etliche eigene Veranstaltungen aus. Allein im Steigenberger Grandhotel Belvédère finden an den vier Tagen des Treffens zum Beispiel 300 Events statt.

Selbst der Wellnessbereich ist deshalb Berichten zufolge zum Tagungsraum umfunktioniert worden. Aus dem Swimmingpool soll sogar das Wasser abgelassen worden sein, um zusätzlichen Raum zu schaffen. In der Küche des Hotels lagern derweil für diese Tage 1000 Flaschen Champagner, 5000 Flaschen Wein und 50.000 Pralinen.

Wie groß der Wirtschaftsfaktor des Treffens ist, zeigen auch die Zahlen aus einer Studie der Hochschule St. Gallen. Allein Hotels, Restaurants und Boutiquen haben während des Jahrestreffens vor zwei Jahren demnach 60 Millionen Schweizer Franken (56 Millionen Euro) eingenommen. Insgesamt brachte das Weltwirtschaftsforum dem Ort sogar 94 Millionen Franken (87 Millionen Euro) ein. Allerdings ist bei den Zahlen Vorsicht geboten: Auftraggeber der Studie ist das Wirtschaftsforum selbst.

Viele Millionen für Sicherheit

Zudem kostet die Veranstaltung die Gemeinde auch eine Menge. So schützen zum Beispiel ein Großaufgebot an Polizei und zusätzlich bis zu 5000 Soldaten die Prominenz. Schätzungen zufolge liegen die Kosten für die Sicherheit bei neun Millionen Franken (acht Millionen Euro) – laut einer Aufstellung der Gemeinde Davos übernehmen die Veranstalter davon jedoch nur 2,25 Millionen Franken.

Das Gros der Kosten bleibt also bei der Gemeinde, dem Kanton Graubünden und der Schweiz hängen – und damit beim Steuerzahler. Allerdings, so heißt es beim Forum selbst, sei die Regierung für die Sicherheit völkerrechtlich geschützter Persönlichkeiten, etwa Bundeskanzlerin Angela Merkel, verantwortlich.

Gestemmt bekommen die Eidgenossen den Andrang der Prominenz nur mit einer genauen Planung. So gibt es zum Beispiel für die Chauffeure ein gesondertes „Merkblatt für Limousinen WEF 2020“.

Darin werden die Fahrer unter anderem dazu aufgefordert, den Motor nicht unnötig laufen zu lassen – „nicht nur aus Gründen des Umweltschutzes und der Lärmbelastung, sondern auch zur Vermeidung von Glatteis“. Wer das ignoriert, zahlt ein Bußgeld von 60 Franken (56 Euro). Das fällt auch an, wenn der Fahrer den Motor zum Vorheizen des Wagens laufen lässt.

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