Versicherer zieht Bilanz für 2019 : Naturkatastrophen kosten 150 Milliarden Dollar

2019 sind weniger Menschen durch Erdbeben, Überschwemmungen und Waldbrände gestorben. Die Auswirkungen des Klimawandels werden aber sichtbarer.

Jonas Schulze Pals
Zerstörung nach Hurrikan „Dorian“ auf den Bahamas
Zerstörung nach Hurrikan „Dorian“ auf den BahamasFoto: Reuters/Dante Carrer

Die Bilder der australischen Buschfeuer bewegen Menschen auf der ganzen Welt. Doch auch andere Teile des Globus sind von Naturkatastrophen betroffen. Das verdeutlicht die Jahresbilanz des Versicherungskonzerns Munich Re. Für das Jahr 2019 registrierte das Unternehmen 820 Erdbeben, Überschwemmungen, Stürme und Waldbrände. Die Zahl liegt deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Die Naturkatastrophen verursachten 2019 einen Gesamtschaden von 150 Milliarden Dollar. Nur 35 Prozent der entstandenen Schäden sei versichert gewesen, berichtet die Munich Re.

Weniger Tote

Wissenschaftler warnen seit Jahren davor, dass die weltweite Erwärmung Naturkatastrophen wahrscheinlicher mache. Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Munich Re sagt, die Wetterkatastrophen würden in erster Linie durch natürliche Klimaschwankungen beeinflusst, „Auswirkungen des Klimawandels sind aber auch spürbar.“

Positiv stimmt, dass die Zahl der Todesopfer im Trend rückläufig ist. 2019 zählte die Munich Re 9000 Menschen, die durch Naturkatastrophen ums Leben gekommen sind. Grund für den Rückgang seien bessere Vorbeugungsmaßnahmen.

Besonders schwer hat es im vergangen Jahr Japan getroffen. Im September und Oktober fegten die Wirbelstürme Faxai und Hagibis mit Windgeschwindigkeiten von 170 Kilometer pro Stunde über die Inselgruppe hinweg. Der Zyklon Hagibis führte außerdem zu heftigen Niederschlägen. Mancherorts fielen innerhalb von zwei Tagen 1000 Liter Regen pro Quadratmeter. Die Folge waren gebrochene Dämme, beschädigte Häuser und überschwemmte Industrieanlagen. Eine natürliche Klimaschwankung mit dem Namen „El Nino Modoki“ prägte in diesem Jahr wiederholt die asiatische Taifunsaison. Wechselnde Wassertemperaturen ließen die Wirbelstürme verstärkt in Richtung Japan ziehen. Zusammengenommen waren die Wirbelstürme Faxai und Hagibis die teuersten Naturkatstrophen des Jahres. Sie verursachten einen Gesamtschaden von 26 Milliarden Dollar.

In armen Ländern wird wenig versichert

Der Zyklon Idai, der im März 2019 in Mosambik und den Nachbarländern wütete, kostete mehr als 1000 Menschen das Leben. Hunderttausende verloren ihr Hab und Gut. „Die folgenschwerste humanitäre Katastrophe des Jahres“, berichtet die Munich Re. Der Gesamtschaden lag bei rund 2,3 Milliarden Dollar, das entspräche etwa einem Zehntel der Wirtschaftsleistung des Landes, heißt es. Versichert war nur ein kleiner Teil des Schadens. Nicht unüblich für ein Land wie Mosambik. Die extremen Folgen würden eindringlich zeigen, dass gerade in ärmeren Ländern Menschenleben und Wohlstandswachstum besser geschützt werden müssen, betont die Munich Re.

Riesige Hagelkörner haben bei Gewittern in München und an der Adria schwere Schäden angerichtet. Foto: Martin Gerten/dpa
Riesige Hagelkörner haben bei Gewittern in München und an der Adria schwere Schäden angerichtet. Foto: Martin Gerten/dpaFoto: picture alliance/dpa

In Europa machten den Versicherungsunternehmen vor allem Hitzewellen und schwere Unwetter zu schaffen. Die lange Trockenheit führte in vielen Ländern zu Ernteausfällen. In Deutschland blieb vor allem ein heftiges Gewitter im Großraum München im Gedächtnis. Hagelkörner in Golfballgröße fielen dort vom Himmel und verursachten einen Schaden von fast einer Milliarde Euro. Drei Viertel davon sei versichert gewesen. An der Adria sollen die Hagelkörner sogar die Größe einer Orange erreicht haben. Sie zerstörten Autos und Dächer, viele Menschen wurden verletzt. Hagelschläge wie in München könnten in Zukunft häufiger auftreten, sagt Ernst Rauch, Geophysiker bei der Munich Re. „Neuere wissenschaftliche Untersuchungen lassen erwarten, dass Hagelgewitter durch den Klimawandel zunehmen“, erklärt er.

Waldbrände werden andauern

In Australien kämpfen die Menschen seit Monaten mit dem Feuer. Hohe Temperaturen, trockene Luft und ausbleibender Regen ließen die ersten Brände schon im September ausbrechen – früher als in vergangenen Jahren. Wie hoch der Schaden ausfallen wird, kann die Munich Re noch nicht beziffern. Sie vermutet, dass die Waldbrände über die Sommermonate Januar und Februar andauern werden – nach Ansicht vieler Wissenschaftler, begünstigt durch den menschengemachten Klimawandel. Der Premierminister Australiens, Scott Morrison will das offensichtlich nicht wahrhaben.

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