VW Truck & Bus : VW-Nutzfahrzeuge wollen an die Weltspitze

Die VW-Marken MAN und Scania sollen globale Marktführer im Nutzfahrzeuggeschäft werden. Auf den Sparten-Chef Andreas Renschler kommt noch viel Arbeit zu.

Gut zu tun. Ein Schnittmodell eines Dieselmotors von MAN ist im MAN-Forum ausgestellt. Volkswagen will die Lastwagenbauer von MAN und Scania gemeinsam für einen Börsengang vorbereiten.
Gut zu tun. Ein Schnittmodell eines Dieselmotors von MAN ist im MAN-Forum ausgestellt. Volkswagen will die Lastwagenbauer von MAN...Foto: Sven Hoppe/dpa

Die Turbulenzen an der Spitze von Volkswagen haben Andreas Renschler nicht aus der Ruhe gebracht. Sein Ressort, die VW-Nutzfahrzeuge, war nur am Rande von Interesse, als in der vergangenen Woche Herbert Diess überraschend Matthias Müller vom Chefsessel des Zwölf-Marken-Konzerns verdrängte. In der neuen Konzernstruktur ist die Sparte „Truck & Bus“ eine von sechs Divisionen, die im kommenden Jahr teilweise an die Börse gebracht werden soll.

Während die Wogen hochschlugen in Wolfsburg, hielt sich Renschler in Japan auf. Dort, wo der ehemalige Daimler- Mann (bis 2015) einmal für Mitsubishi tätig war, schloss Renschler eine Kooperationsvereinbarung mit dem japanischen Hersteller Hino Motors, einer Toyota- Tochter. Mit der neuen Partnerschaft unterstreicht die VW-Sparte mit den Lkw- und Busmarken MAN, Scania und dem Nutzfahrzeuggeschäft in Brasilien ihren Anspruch, ein globaler Champion im Nutzfahrzeuggeschäft zu werden und dem Marktführer Daimler Kunden abzujagen. „Wir sind mit hohem Tempo unterwegs und die Nutzfahrzeugkonjunktur in unseren Kernmärkten hilft uns dabei“, teilte Renschler am Montag mit.

"Das ist ein Riesending"

Das für die Expansion notwendige Kapital könnte ein Börsengang im kommenden Jahr bringen. Volkswagen will zwar weiterhin das Sagen haben, wie Herbert Diess in der vergangenen Woche betonte, etwa ein Viertel des Geschäfts könnten aber an den Markt gehen. Mögliche Einnahmen: rund sieben Millionen Euro. „Kapitalmarktfähig“, so Renschler, solle die VW-Sparte in den kommenden zwölf Monaten gemacht werden. „Das heißt nicht automatisch, dass ein Börsengang folgt. Der Eigentümer muss entscheiden.“ Einen Zeitpunkt nannte er nicht. „Viel Arbeit“ sei noch nötig. „Das ist ein Riesending, das wir uns da vorgenommen haben“, sagte Renschler. So denkt der Konzern auch über eine Komplettübernahme des US-Herstellers Navistar nach, die drei bis vier Milliarden Euro kosten würde. Derzeit hält VW Truck 16,9 Prozent an Navistar.

MAN soll geteilt werden

Vergangene Woche hatte der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns einen ersten wichtigen Schritt für den Weg an die Börse beschlossen: die Umwandlung der VW Truck & Bus GmbH in eine Aktiengesellschaft. Wie Renschler ausführte, arbeiten derzeit rund 150 Menschen daran, die Kapitalmarktfähigkeit der Sparte herzustellen. Dazu gehöre etwa ein entsprechend aufbereitetes Zahlenwerk. Klar ist nach Renschlers Angaben bereits, welche Teile bei einem Börsengang nicht dabei sein werden: die MAN-Sparte Diesel & Turbo und der Getriebehersteller Renk. Diese passten nicht zu der kapitalmarktfähigen Firma. Man müsse „gemeinsam mit Volkswagen“ eine Lösung finden. Auch die MAN SE, die einstige Dachgesellschaft der Geschäftsfelder Nutzfahrzeuge und Diesel & Turbo, soll demnach zurück an VW gehen. Der Sitz des Truckkonzerns werde innerhalb eines Jahres von Braunschweig nach München verlegt.

Höhere Marge als Daimler

Mit Hilfe einer breiteren internationalen Aufstellung und mehr Einspareffekten innerhalb des Truck-Konzerns soll die Rendite gesteigert werden. 2017 erzielte die VW-Tochter eine Marge von 6,9 Prozent, mehr als Daimlers Trucksparte mit 6,7 Prozent. Spartenfinanzchef Matthias Gründler sagte, das Ziel von neun Prozent solle bis Mitte der nächsten Dekade erreicht werden. Für 2019 wünsche er sich einen Wert über acht Prozent.

Mit Blick auf einen Börsengang sagte Renschler weiter: „Volkswagen will nicht die Mehrheit loswerden – das ist ok.“ Auf die Frage nach Details zu Anteilsverkäufen antwortete er: „Da ist nichts vorbereitet. Andernfalls könnte ich morgen gehen.“ Die Frage nach seinen persönlichen Zukunftsplänen ließ der Manager, der Ende März 60 Jahre alt geworden ist, offen – und zeigte stattdessen ein Handyfoto seiner kleinen Tochter. mit rtr

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