Wegen Diesel-Affäre : Daimler schraubt Gewinnziele nach unten

Daimler rechnet mit hohen Kosten für behördliche Verfahren und Nachrüstungen. Der Konzern erhöht die Rückstellungen um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Daimler rechnet 2019 mit erheblichen Einbußen.
Daimler rechnet 2019 mit erheblichen Einbußen.Foto: REUTERS/Regis Duvignau

Daimler senkt wegen steigender Kosten zur Bewältigung der Diesel-Affäre seine Gewinnprognose. Der Stuttgarter Autobauer teilte am Sonntagabend in einer Pflichtveröffentlichung mit, die Rückstellungen für verschiedene laufende behördliche Verfahren und Maßnahmen bei Mercedes-Benz Dieselfahrzeugen um einen hohen dreistelligen Millionenbetrag erhöhen zu müssen. Dies werde das Ergebnis von Daimler im zweiten Quartal belasten.

Außerdem werde der Ausblick auf das Konzern-Ebit 2019 jetzt nur noch in der Größenordnung des Vorjahres prognostiziert, teilte Daimler weiter mit. Zuvor war der Dax-Konzern von einem leichten Anstieg des Ergebnisses ausgegangen. Die Umsatzrenditeprognose von Mercedes-Benz Vans für 2019 werde nun mit minus zwei Prozent bis minus vier Prozent prognostiziert. Hier hatte Daimler zuvor mit null bis zwei Prozent kalkuliert.

Das Bundesverkehrsministerium hatte am Samstag mitgeteilt, dass das Kraftfahrtbundesamt (KBA) im Rahmen der Untersuchungen zu Schadstoff- und Abgasstrategien bei verschiedenen Herstellern bei Daimler eine unzulässige Abschalteinrichtung bei Modellen des Typs mit dem Motor OM 651 der Schadstoffkategorie Euro 5 festgestellt habe. Daimler muss 60.000 Dieselfahrzeuge vom Typ Mercedes Benz GLK 220 in die Werkstätten zurückrufen. Es sei mit Bescheid vom Freitag ein verpflichtender Rückruf mit Sofortvollzug angeordnet worden.

Da auch andere Modelle betroffen sein könnten, habe das KBA die Untersuchungen bereits auf die Modelle mit den Motoren OM 651 sowie OM 642 ausgeweitet. Daimler ist bereits seit längerem im Visier der Behörde. Im Frühjahr hatte das KBA ein Anhörungsverfahren gegen den Autobauer wegen des Verdachts auf eine "unzulässige Abschaltvorrichtung" eingeleitet. Das Amt war bereits im Herbst 2018 auf die umstrittene Software-Funktion bei dem Motor OM 651 gestoßen.

Daimlers Bilanz für das erste Quartal war bereits trüb ausgefallen. Der operative Gewinn schrumpfte von Januar bis März um weitere 16 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,8 Milliarden Euro. Die schwächere Autokonjunktur weltweit, aber auch interne Probleme in der Produktion ließen den Pkw-Absatz in der Hauptsparte Mercedes-Benz absacken. Auch steigende Investitionen drückten das Ergebnis. Daimler hatte bereits im Juni und Oktober vergangenen Jahres seine Ergebnisziele für 2018 kassiert. Am Montagabend findet ein Auto-Gipfel im Kanzleramt in Berlin statt. Regierung, Branche und Wissenschaftler wollen über die Zukunft der Autoindustrie beraten. (Reuters)

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