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Wer häufig zum Zahnarzt muss, braucht als Kassenpatient ein gut gefülltes Portemonnaie.

© dapd

Zahnersatz: Zähne teuer wie ein Auto

Zusatzversicherungen für Implantate machen Sinn. Die Stiftung Warentest hat 147 Tarife getestet, 33 davon schneiden sehr gut ab.

Falsche Zähne werden immer teurer. Zahnarztpatienten werden dieses Jahr 345 Millionen Euro mehr als vergangenes Jahr für ihre Behandlung zahlen müssen. Grund hierfür ist die neue private Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), die seit Anfang 2012 gilt und vor allem Zahnersatz teurer macht. Die Honorare der Zahnärzte steigen damit um sechs Prozent, schätzt die Bundesregierung. Grund für viele, eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen.

Fast 13 Millionen Verträge gibt es nach Angaben der Stiftung Warentest bereits. Eine solche Zahn-Police kann sich lohnen – besonders für Menschen, die hochwertigen Zahnersatz möchten und sich die Kosten dafür nicht leisten können. „Wer mehrere Implantate braucht, dessen neues Gebiss kostet schnell mehr als ein Kleinwagen“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur der Zeitschrift „Finanztest“.

Die gesetzlichen Kassen zahlen dabei nur einen festen Standardzuschuss. So übernehmen sie bei einem Zahnersatz mit Implantat für 3000 Euro nur 387 Euro. Zahnzusatzversicherer ersetzen dagegen teilweise mehr als 2300 Euro der Kosten.

„Finanztest“ beurteilt in der aktuellen Ausgabe 147 Zahnzusatzversicherungen, und zwar die Zusatzzahlungen der Versicherungen für Zahnersatz, also für Füllungen, Kronen oder Implantate. „Im Idealfall muss der Versicherte privat gar nichts mehr bezahlen“, sagt Holger Rohde, der wissenschaftliche Leiter des Testteams.

33 Tarife bieten nach Angaben der Stiftung Warentest sehr gute, 23 gerade noch ausreichende Leistungen. Im Schnitt muss ein 43-jähriger männlicher Neukunde zwischen 18 und 41 Euro im Monat für eine Versicherung mit dem Urteil „sehr gut“ zahlen, ebenso alte Frauen zwischen 19 und 49 Euro.

"Eine Zahnzusatzversicherung ist Luxus"

Ein teurer Schutz, findet Bianca Boss vom Bund der Versicherten. „Eine Zahnzusatzversicherung ist Luxus, der sich nur lohnt, wenn man alle existenzbedrohenden Risiken abgesichert hat.“ So könne etwa eine fehlende Haftpflichtversicherung für Verbraucher im Ernstfall teuer werden. „Wenn eine Person durch meine Schuld zu Schaden kommt, muss ich im Zweifel eine lebenslange Rente bezahlen.“ Für eine hohe Zahnarztrechnung könne man hingegen auch selber regelmäßig Geld beiseitelegen.

Reiner Kern, Sprecher der kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, findet die Versicherung dagegen „ein sinnvolles Instrument der Absicherung“. Auch die erhöhten Zahnarztgebühren hält er für plausibel: „Zahnärzte hatten seit 1988 keinen Inflationsausgleich mehr.“ Damals wurde die GOZ das letzte Mal geändert.

Wer sich für eine Versicherung entscheidet, sollte sich vor lautstarken Versprechungen und dem Kleingedruckten hüten. Manche Anbieter werben mit einer „Erstattung von 100 Prozent vom Kassenzuschuss der Regelversorgung“. Im Klartext: Die Zusatzversicherung bezahlt genauso wenig wie die Kasse. Zudem beschränken manche Anbieter ihre Leistung auf eine bestimmte Anzahl von Implantaten oder bestimmen Höchstbeiträge für Behandlungen, die in der Praxis dann aber oft teurer sind.

Ebenso ist es wichtig, sich frühzeitig zu versichern: Denn wenn der Zahnarzt bereits eine Zahnerkrankung festgestellt hat, ist die folgende Behandlung vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Zu Beginn der Vertragslaufzeit gilt laut Stiftung Warentest außerdem eine Wartezeit von acht Monaten.

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