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Die Freie Universität.
© imago images/Stefan Zeitz

Nach der Wahlaffäre an der Freien Universität: Abzug von FU-Kanzlerin Bör ausgesetzt

Die umstrittene FU-Kanzlerin Bör soll die Uni verlassen: Das hatte noch Michael Müller angeordnet. Doch die Abordnung ist zunächst ausgesetzt, teilt die FU mit.

Die umstrittene Kanzlerin der Freien Universität, Andrea Bör, wird doch nicht sofort aus der Uni abgezogen. Die Anweisung des damaligen Wissenschaftssenators und Regierenden Bürgermeisters Michael Müller, dass Bör wegen der zahlreichen internen Konflikte und Misstrauensvoten gegen sie die FU verlassen müsse, ist "ausgesetzt" worden. Das steht in einer Mail der FU an die Mitglieder der Universität, deren Wortlaut die FU am Donnerstag auch online veröffentlichte.

Es sei "korrekt, dass es eine Entscheidung zur befristeten Abordnung von Frau Dr. Andrea Bör zur Senatskanzlei - Wissenschaft und Forschung des Landes Berlin gibt", heißt es dort. Darüber sei die FU schriftlich informiert worden. Ebenso sei die FU später gesondert durch die Senatskanzlei informiert worden, "dass die Abordnung derzeit ausgesetzt ist". Der Tagesspiegel hatte kurz vor Weihnachten den Abzug Börs öffentlich gemacht. Die Senatskanzlei hat auch ein Disziplinarverfahren gegen Bör eingeleitet.

Die geplante Abordnung Börs in die Senatskanzlei Wissenschaft war mit dem nachhaltig gestörten Verhältnisses der Kanzlerin gegenüber den Gremien der Universität begründet worden. Im Akademischen Senat hat ihr wie berichtet die Mehrheit der Mitglieder das Vertrauen entzogen, auch der Gesamtpersonalrat hat ihr das Misstrauen ausgesprochen.

Bör habe gegen die Abordnung Widerspruch eingelegt, heißt es weiter. "Auf Grundlage des aktuellen Sachstands" sei Bör weiterhin als Kanzlerin tätig. Zugleich sehe das Präsidium einige dringende offene Fragen zu diesem Vorgang, "die für die Universität und ihre Leitung von hoher Bedeutung sind". Sie würden mit der zuständigen Senatsverwaltung geklärt.

Zahlreiche Misstrauensvoten gegen Bör

Bör selber hatte in einer internen Mail zu Jahresbeginn verschwiegen, dass ihr Abzug nur ausgesetzt ist. "Es freut mich, mit Ihnen gemeinsam im nun beginnenden Jahr 2022 – entgegen Verlautbarungen der Presse – weiterhin meiner Aufgabe als Kanzlerin der Freien Universität Berlin nachzukommen und in kollegialer Abstimmung mit dem Präsidium wichtige Impulse für die Zukunft unserer Universität zu setzen", heißt in der Mail, die dem Tagesspiegel ebenfalls vorliegt. Dass sie gegen den Schritt Müllers rechtliche Schritte einlegen würde, hatte sie bereits im Dezember angekündigt.

Ein Hauptkonfliktpunkt ist, dass Bör hinter dem Rücken der Unigremien eine Personalagentur beauftragte, die für die anstehende Präsidentenwahl Gegenkandidierende zu Amtsinhaber Günter M. Ziegler finden sollte. Börs Verhältnis zu Ziegler gilt als zerrüttet, auch wenn sie das bestreitet. An die Headhunter ist bereits ein fünfstelliger Betrag geflossen, obwohl der Auftrag letztlich zurückgezogen wurde.

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Warum der Abzug Börs ausgesetzt wurde, ist der FU-Mitteilung nicht zu entnehmen. Hintergrund dürfte sein, dass mit dem Neuzuschnitt der Senatsressorts die Senatskanzlei gar nicht mehr für Wissenschaft zuständig ist, da die Wissenschafts- und Forschungsabteilungen ins Gesundheitsressort gewandert sind. Für Bör dürfte es also damit gar keinen Platz in der Senatskanzlei geben. Damit wäre der Ball bei der neuen Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne), wie sie mit der Personalie verfährt.

Adrian Grasse, Wissenschaftsexperte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, hat unterdessen eine Anfrage an die Verwaltung der neuen Wissenschaftssenatorin Ulrike Gote (Grüne) zu dem Thema gestellt. Darin will er unter anderem wissen, welches Ergebnis die rechtliche Prüfung einer gegen Bör vorliegenden Dienstaufsichtsbehörde hatte und welche Konsequenzen die Einleitung des Disziplinarverfahrens hat.

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