Ausdauersport, Langstreckenlauf : Ein bisschen weniger Wasser statt viele Elektrolyte

Langstreckenläufer planen ihre Versorgung normalerweise genau. Elektrolyt-Präparate sind aber, zusammen mit viel Wasser, offenbar sogar problematisch.

Immer schön isotonisch bleiben? Etwas anderes ist wichtiger.
Immer schön isotonisch bleiben? Etwas anderes ist wichtiger.Foto: picture alliance / NurPhoto

Elektrolytgetränke und -tabletten verhindern nicht unbedingt einen potenziell gefährlichen Natriummangel bei Ausdauersportlern.

Wichtiger ist stattdessen, dass die Sportler nicht zu viel trinken. Zu diesem Ergebnis kommen amerikanische Mediziner nach Untersuchungen an Ultramarathon-Läufern.

Die Studie einer Gruppe um Grant Lipman von der Stanford University School of Medicine in Redwood City (Kalifornien, USA) ist in der Fachzeitschrift «Clinical Journal of Sport Medicine» erschienen.

"Das falsche Paradigma"

«Elektrolytpräparate werden als Vorbeugung gegen Übelkeit und Krämpfe durch niedrigen Salzgehalt beworben, aber dies ist ein falsches Paradigma», wird Lipman in einer Mitteilung seiner Universität zitiert. «Es wurde nicht gezeigt, dass sie gesundheitliche Probleme verhindern können oder die Leistung verbessern - und wenn sie mit zu viel Wasser verdünnt werden, kann das gefährlich sein.»

Ein Natriummangel ist etwa deshalb gefährlich, weil Natrium für die Weiterleitung von Signalen in Nerven und Muskelfasern wichtig ist. Lipman und Kollegen untersuchten die Auswirkungen von Elektrolytpräparaten und Flüssigkeitsaufnahme auf den Natriumspiegel unter extremen Bedingungen: bei 80-Kilometer-Läufen 2017 und 2018 durch Wüsten in Chile, Patagonien, Namibia und der Mongolei.

Einnahme und Ausscheidung

266 Läufer nahmen am Wiegen vor dem Lauf teil. Bei 174 von ihnen konnte nach dem Rennen auch der Natriumgehalt im Blut bestimmt werden und 162 füllten zudem einen Fragebogen zur Einnahme von Elektrolyten und Flüssigkeit aus.

Das Durchschnittsalter der Probanden betrug 42,2 Jahre, 23 Prozent von ihnen waren Frauen. Die Durchschnittstemperaturen bei den Läufen unter heißen Bedingungen betrugen 33,8 Grad Celsius, unter kalten Bedingungen 14,2 Grad Celsius.

Die Einnahmestrategien für Elektrolytpräparate waren unter den Teilnehmern sehr unterschiedlich. Einige nahmen zum Beispiel stündlich eine Tablette, andere tranken nur Wasser mit Elektrolyten oder solches im Wechsel mit reinem Wasser. Aus den Einnahmestrategien konnten die Forscher nicht ableiten, wer nach dem Lauf einen zu hohen (17,2 Prozent der Teilnehmer) oder einen zu niedrigen Natriumgehalt (6,3 Prozent) im Blut haben würden.

Ausgespülte Elektrolyte

Stattdessen spielten andere Faktoren eine Rolle: Probanden mit einem zu niedrigen Natriumgehalt hatten meist zu viel Wasser im Körper. Sie wogen vor Beginn des Rennens durchschnittlich etwa 14 Kilogramm mehr und brauchten fünf bis sechs Stunden länger als die übrigen Teilnehmer.

Bis auf wenige Ausnahmen zeigten sich Abweichungen vom normalen Natriumgehalt nur bei Läufen unter heißen Bedingungen. Lipman gibt Langstreckenläufern bei hohen Temperaturen deshalb den Tipp: «Hören Sie auf Ihren Körper. Hören Sie auf zu trinken, wenn Sie sich aufgebläht oder übel fühlen.»

Den Körper an die Bedingung en anpassen

Wilhelm Bloch von der Deutschen Sporthochschule Köln, der nicht an der Studie beteiligt war, rät außerdem, sich einige Tage vor einem Lauf an die klimatischen Bedingungen vor Ort anzupassen. Für ihn sind solche Studien wichtig auch im Hinblick darauf, dass immer mehr Sportereignisse in tropischen und subtropischen Klimazonen stattfinden.

Im Allgemeinen aber könne der menschliche Körper den Natriumhaushalt auch unter extremen Umgebungsbedingungen gut regulieren, betont Bloch.

Für Paul Schmidt-Hellinger von der Abteilung Sportmedizin der Berliner Charité lässt sich aus der Studie wenig für Freizeitsportler ableiten: «Untersucht wurden die erfahrensten Ultramarathonläufer, also eine sehr spezielle Gruppe». Er kritisiert zudem die Messmethode, bei der beispielsweise die Flüssigkeitsaufnahme und die Schweißrate nicht genau bestimmt worden seien. Für ihn ist die Hauptaussage der Studie: Die Einnahme von Salz (Natriumchlorid) ist bei einem sportlichen Wettkampf nicht entscheidend für den Natriumhaushalt des Körpers. (Stefan Parsch, dpa)

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