Das Lob des dualen Ausbildungssystems ist richtig : Die OECD lernt dazu

Die OECD hat regelmäßig vergessen, dass Deutschland die duale Ausbildung hat. Gut, dass sie diese Stärke endlich anerkennt, meint unser Kolumnist.

Ein Schnuppertraining für die Duale Ausbildung (Archivbild).
Ein Schnuppertraining für die Duale Ausbildung (Archivbild).Foto: imago/Lars Berg

Bisher gab es oft genug Veranlassung, die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu kritisieren. Diese bemängelte regelmäßig an Deutschland , dass es zu wenig Studierende hätte. Dabei galt als Maßstab das Ausland.

Verbunden wurde das mit der Forderung, den Anteil der Studierenden am jeweiligen Jahrgang auf 50 Prozent und mehr zu steigern. Von Politikern, die einen weiteren Zugang zu den Hochschulen wünschen, wurde dies gern aufgegriffen und vehement als Forderung nach „mehr Bildung“ vorgetragen.

Die OECD nimmt die Realität zur Kenntnis

Die OECD vergaß dabei regelmäßig, dass das deutsche Bildungssystem eine duale Ausbildung kennt, die in dem als Vergleich beigezogenen Ausland nicht existiert. Wenn nunmehr die Realität zur Kenntnis genommen wird, ist das zu begrüßen. Wenn dann noch ein Umdenken erfolgt und daraus der Schluss gezogen wird, dass dies auch beim Vergleich der Anteile der Studierenden zu berücksichtigen ist, könnte das der OECD zu zollende Lob uneingeschränkt gelten.

Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten einen von vielen nicht für möglich gehaltenen Ausbau der Schulen und Hochschulen erfahren. Während noch vor 50 Jahren lediglich fünf Prozent eines Jahrgangs die Hochschulberechtigung erwarben, sind es derzeitig rund zehn Mal so viele. Das ist gut so, wird damit doch die Grundlage dafür geschaffen, dass der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs bedient werden kann.

Wer mit dem Autor George Turner diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.de
Wer mit dem Autor George Turner diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: george.turner@t-online.deFoto: Tsp

Es ist aber auch im Interesse der einzelnen Jugendlichen zu begrüßen, weil damit die Gewähr gegeben scheint, dass Talente entdeckt und möglichst allen eine Chance gegeben wird. Früher übliche Barrieren durch das Elternhaus und rigide Aussiebungen in den Gymnasien haben einer breiten Förderung und einer großzügigeren Versetzungsstrategie Platz gemacht.

Klage über "nicht studierfähige" Abiturienten

Die Folge ist zwar die Klage der Universitäten über „nicht studierfähige“ Abiturienten, aber auch eine große Zahl von Kandidaten für anspruchsvolle Aufgaben. Diese sind nicht zuletzt im dualen Ausbildungssystem und den anschließenden praktischen Berufen zu finden. Es ist deshalb richtig, darauf hinzuweisen, dass auch nach einer beruflichen Ausbildung noch ein Studium erfolgen kann. Doch das war nicht das entscheidende Motiv für den Ausbau des Bildungssystems. Eine weiterführende Schulausbildung für mehr Jugendliche sollte auch die Basis für Berufe sein, für die fundierte Kenntnisse von der Schule Voraussetzung sind.

Wenn die OECD diesen Zusammenhang erkennt und in Zukunft davon absieht, unangebrachte Vergleiche von Ausbildungssystem vorzunehmen, wird das Lob uneingeschränkt sein. Warten wir es ab.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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