Beim normalen Dampfen entstehen keine gefährlichen Formaldehydmengen

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E-Zigarette : Viel Dampf um wenig Risiko

Jüngstes Beispiel war eine im Januar im angesehenen „New England Journal of Medicine“ erschienene Studie. Aus ihr ging hervor, dass beim Dampfen hohe, gesundheitsschädliche Konzentrationen von Formaldehyd entstehen und entsprechend eingeatmet werden können. Das gab weltweit schlechte Presse für die E-Zigarette. Wie sich nun in einer weiteren Studie im Fachblatt „Addiction“ herausgestellt hat, ist das beim Normalbetrieb der E-Zigarette jedoch kein Problem. Dabei sind die Formaldehyd-Konzentrationen im Dampf kaum höher als in der Atemluft. Viel Formaldehyd entsteht nur unter speziellen Bedingungen, in Fachkreisen „Kokeln“ genannt. Sie werden vom Konsumenten wegen des extrem unangenehmen Geschmacks gemieden. Schließlich isst auch niemand ein verkohltes Steak.

Ein Risiko kann "nicht ausgeschlossen" werden - aber was heißt das?

Weil es an stichhaltigen Argumenten gegen die E-Zigarette mangelt, ergehen sich die Gegner in Behauptungen, Mutmaßungen und Spekulationen. Bei „hohem Dauerkonsum“ (was immer damit gemeint ist) könne „eine Krebsgefährdung nicht ausgeschlossen werden“, sagte nun Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg aus Anlass des Weltnichtrauchertags. Pötschke-Langer steht an der Spitze des Kreuzzugs gegen die E-Zigarette. Aber ihr Argument ist keines. Denn dass ein Risiko „nicht ausgeschlossen“ werden kann, heißt überhaupt nichts. Schon morgen kann ein Meteorit die Erde treffen und alles Leben vernichten. Dieses Ereignis ist „nicht ausgeschlossen“, wie jedes andere auch. Die Frage ist, wie wahrscheinlich es ist.

Was das Nikotin als den „Hauptübeltäter“ im Dampf angeht, so hat es die Substanz trotz jahrzehntelanger Erforschung nicht auf die Liste krebserzeugender Stoffe der Weltgesundheitsorganisation geschafft. Weder in Gruppe 1 (krebserregend), in der Alkohol und Tabak beheimatet sind. Und noch nicht einmal in Gruppe 2b (möglicherweise krebserregend), in der Hinz und Kunz zuHause sind: Mobiltelefone, sauer eingelegtes Gemüse, Kaffee, Aloe vera, Ginkgo- und Kava-Extrakt – alles „möglicherweise“ krebserzeugend laut Weltgesundheitsorganisation.

Natürlich ist es sinnvoll, dass E-Zigaretten überwacht und reguliert werden. Es ist vernünftig, dass sie künftig nicht mehr an Jugendliche verkauft werden. Dieses Verbot plant die Familienministerin. Doch besteht die Gefahr, dass Alarmismus und eine aufgeheizte Diskussion um aufgebauschte Risiken die Politiker vor sich hertreiben und künftig zu Überreaktionen verleiten. Gerade wenn so viel heißer Dampf im Spiel ist, ist ein kühler Kopf gefragt.

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