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Ein Teil des Plastikmülls der über viele Jahre im Meer treibt, wird bei auflandigen Winden an Strände gespült. Säuberungsaktionen sind kostspielig, aber nicht so teuer wie die verursachten Schäden.
© Marwan Naamani/dpa

OECD benennt Strategien gegen Plastikmüll: Eine Flut, die nicht abebbt

Plastikverschmutzung belastet Umwelt und Gesundheit. Doch Kunststoffe werden voraussichtlich in noch größeren Mengen produziert, genutzt und weggeworfen werden.

Ehrgeizige globale Politikmaßnahmen könnten die zu erwartenden Folgen von Plastikverschmutzung für Menschen und Ökosysteme vermindern. Das geht aus einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Freitag veröffentlicht wurde.

Der „Global Plastics Outlook: Policy Scenarios to 2060“ zeigt auf, mit welchem Ausmaß an Plastikmüll und Umweltschäden in den nächsten vierzig Jahren zu rechnen ist. Die erste Schlussfolgerung lautet, dass ein „Weiter wie bisher“ nicht nachhaltig ist.

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Menge an Plastik in Flüssen und Ozeanen könnte sich verdreifachen

Die Projektionen bauen auf dem im Februar veröffentlichten „Global Plastics Outlook“ zu ökonomischen Treibern, Umweltauswirkungen und Politikmaßnahmen auf. Seither haben sich die Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen verpflichtet, bis 2024 ein rechtsverbindliches internationales Abkommen auszuhandeln, das die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll verringern soll.

Ohne einschneidende Maßnahmen wird sich der weltweite Kunststoffverbrauch aufgrund des Wirtschafts- und Bevölkerungswachstums voraussichtlich fast verdreifachen, erwartet die OECD. Die Projektionen zeigen eine Zunahme von 460 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf über 1,2 Milliarden Tonnen im Jahr 2060. Zwar wird der Anteil recycelter Kunststoffe etwa verdoppelt werden, aber im Jahr 2060 voraussichtlich nur zwölf Prozent ausmachen.

Die Menge an Plastikmüll würde sich bis 2060 fast verdreifachen und rund die Hälfte davon auf Deponien landen. Nur etwa ein Fünftel des Plastikmülls wird der Wiederverwertung zugeführt. Rund 44 Millionen Tonnen pro Jahr werden in die Umwelt gelangen und die Menge an angesammeltem Plastik in Flüssen und Ozeanen voraussichtlich mehr als verdreifachen, von geschätzten 140 Millionen Tonnen im Jahr 2019 auf fast 500 Millionen Tonnen im Jahr 2060.

Die Freisetzung von Mikroplastik wird den Prognosen zufolge in allen Weltregionen zunehmen und die jährlichen Emissionen von Treibhausgasen bei Herstellung, Verwendung und Entsorgung von Kunststoffen auf eine Menge ansteigen, die in ihrer erwärmenden Wirkung etwa 4,3 Gigatonnen Kohlendioxid entspricht – was in etwa den Treibhausgasemissionen der Europäischen Union im Jahr 2019 gleichkommt.

Sammelaktionen sind kostenaufwändig, aber günstiger als Folgeschäden

Zwar seien die Projektionen bis 2060 mit Unsicherheiten behaftet, heißt es in dem Bericht, doch die Risiken für Ökosysteme und die menschliche Gesundheit würden ohne „wesentlich strengere, ehrgeizigere und koordinierte“ Maßnahmen zunehmen. „Die Weltgemeinschaft ist weit davon entfernt, ihr langfristiges Ziel zu erreichen, der Plastikverschmutzung ein Ende zu setzen.“

Dazu schlägt die OECD den Ländern Maßnahmenpakete vor, die den Bedarf senken, die Wiederverwendung fördern und die Entsorgung verbessern könnten. Es gehe darum, in allen Phasen des Lebenszyklus von Kunststoffen anzusetzen.

Plastiksteuern, vor allem auf die umweltschädlichsten Kunststoffe, könnten Anreize schaffen, die Lebensdauer der Plastikprodukte zu erhöhen und die Kreislaufwirtschaft zu stärken. Recycelte Kunststoffe könnten dadurch preisgünstiger werden. Das Recycling müsse jedoch verbessert werden, um der zunehmenden Nachfrage gerecht zu werden. Die Politik könnte Zielvorgaben für Recyclingquoten geben und die Verantwortung der Hersteller für Verpackungen und Produkte im Bereich Elektronik, Kraftfahrzeuge und Kleidung ausweiten. Im optimistischen Szenario werden eine Recyclingquote von 60 Prozent und ein Marktanteil recycelten Kunststoffs von über 40 Prozent erreicht.

Um der Plastikverschmutzung in der Umwelt zu begegnen, sollte in die Abfallsammlung und in Mülldeponien investiert werden. Würden anfallende Kunststoffabfälle angemessen behandelt, könnte die Menge, die in die Umwelt gelangt, von 22 Millionen Tonnen im Jahr 2019 bis zum Jahr 2060 auf sechs Millionen Tonnen gesenkt werden. Dennoch würde sich weiterhin Plastikmüll in Flüssen und Ozeanen ansammeln, was Säuberungsaktionen erfordere. Die Kosten für die Entfernung von Plastikmüll aus dem Meer würden im Durchschnitt nur ein Drittel der durch die Kunststoffverschmutzung verursachten wirtschaftlichen und ökologischen Kosten betragen.

Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse sind Teil eines umfassenderen Berichts, der in einigen Monaten erscheinen soll, kündigte die OECD an. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit ist ein globales Forum, das mit über 100 Ländern zusammenarbeitet.

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