"Ewigkeitsprojekte" : Akademien wollen wieder eigene Institute haben

Mit seinem Plan für "Ewigkeitsprojekte" will der Berliner Akademie-Chef Martin Grötschel langfristige Projekte und ihre Mitarbeiter absichern.

Martin Grötschel, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.
Martin Grötschel, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.Foto: BBAW/Judith Affolter

Die Akademien der Wissenschaften wollen „Ewigkeitsprojekte“ küren und damit zumindest ansatzweise zum Prinzip dauerhafter Forschungsinstitute mit festangestellten Mitarbeitern zurückkehren. Die Akademie der Wissenschaften der DDR arbeitete nicht nur wie die Akademien heute in temporären Vorhaben, sondern hatte – nach sowjetischem Vorbild – auch rund 60 Zentralinstitute. Nach der Wiedervereinigung wurden sie 1992 aufgelöst und teilweise in Forschungsorganisationen wie der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Gesellschaft neu gegründet.

Der Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften (BBAW), Martin Grötschel, hat die Idee der „Ewigkeitsprojekte“ wie berichtet Mitte August dem Regierenden Bürgermeister Michael Müller (SPD) vorgestellt. Auf Nachfrage erläuterte Grötschel jetzt die Pläne.

"Hören wir irgendwann auf, diese Steine zu sammeln?"

„Wir müssen in der zeitlichen Befristung flexibler werden“, sagt der BBAW-Präsident. Derzeit können Akademienvorhaben nach einer Vorgabe des Wissenschaftsrats Laufzeiten von zwölf bis 25 Jahren haben und einmalig um elf Jahre verlängert werden. Das sei für „normale“ Editionsvorhaben ausreichend, sagt Grötschel. „Aber es gibt einige wenige, die ,Ewigkeitsprojekte‘ sind und bei denen wir wissen, dass wir sie in diesen Zeiträumen nicht abschließen können.“

In erster Linie denken Grötschel und seine Mitstreiter an die seit 1815 beziehungsweise seit 1852 laufenden Vorhaben zu griechischen und lateinischen Inschriften. Solche epigrafischen Projekte gehören zur geisteswissenschaftlichen Grundlagenforschung. Inschriften auf Mauern, Tafeln oder Obelisken sind die einzigen Quellen, in denen das Leben der alten Griechen authentisch überliefert ist. „Hören wir irgendwann auf, diese Steine zu sammeln?“, fragt Grötschel.

Die Antwort liegt auf der Hand. Nun existieren die teilweise seit 200 Jahren laufenden Epigrafikprojekte, die alle institutionellen Wandlungen von der im Jahr 1700 gegründeten Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften über die DDR-Akademie bis zur heutigen Berlin-Brandenburgischen Akademie überlebt haben, aber ohnehin ewig. Doch Grötschel geht es auch darum, die wenigen Altsprachler, die die Inschriften entziffern und in ihren historischen Kontext einordnen können, sozial abzusichern. „Die müssten wir streng genommen nach 25 Jahren entlassen, aber andere Arbeitsfelder oder Ersatz für sie gibt es kaum.“

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache als Modell

Andere „Ewigkeitsprojekte“, über die jetzt bundesweit in der Union der Akademien diskutiert wird, sind etwa die Papyrologie und die Ägyptenforschung. Dass Verstetigung möglich ist, zeigen die Monumenta Germaniae Historica, die Edition historischer Dokumente zur deutschen Geschichte des Mittelalters, die der Freistaat Bayern auf „ewig“ gestellt hat.

Ein Modell für neuere Vorhaben könnte das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache sein, für das die Akademien beim Bundesforschungsministerium eine institutionelle Förderung beantragt haben. Das Vorhaben könnte zunächst für fünf plus drei Jahre gefördert werden, dann soll ein Verstetigungskonzept vorgelegt und geprüft werden.

Zurück in die DDR-Zeit?

Geht es mit den „Ewigkeitsprojekten“ zurück zu den Akademieinstituten der DDR-Zeit? Nein, sagt Grötschel, die Dauervorhaben sollten nicht als eigenständige Institute, sondern als „verstetigte Akademieabteilungen“ entstehen. „Aber wir könnten es jetzt durchaus wieder wagen, in kleinerem Maße Akademieinstitute zu gründen.“

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