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Der auf der heutigen Isle of Wight gefundene Spinosauride könnte am Meer gejagt haben.
© Artwork: Anthony Hutchings

Fund auf der Isle of Wight: Forscher identifizieren „größten Raubsaurier Europas“

Die Gesteinsformation auf der Insel vor der britischen Küste gilt als fossilienarm. Doch ein Dinosaurierjäger machte einen großen Fund.

Ein Forschungsteam hat auf der britischen Isle of Wight vor der Südküste Englands versteinerte Überreste gefunden, die von einem der größten jemals auf dem Gebiet des heutigen Europas jagenden Dinosaurier stammen könnten.

Die Knochen von einem Tier aus der Gruppe der Spinosauriden wurden an der Südwestküste der Insel entdeckt, wie das Forschungsteam in der Fachzeitschrift „PeerJ Life & Environment“ berichtet.

„Das war ein riesiges Tier, mehr als zehn Meter lang“, sagt der promovierende Student und federführende Autor des Teams, Chris Barker, von der Universität Southampton.

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Strandräuber mit Krokodilskopf

Die Fossilien – darunter große Becken- und Schwanzwirbel – stammen von einem auf zwei Beinen laufenden Dinosaurier mit einem krokodilähnlichen Kopf, teilte die Universität mit. Er wurde nach der Gesteinsschicht, aus der die Fossilien stammen, vorläufig „White Rock Spinosaurid“ benannt. „Da wir bisher nur Fragmente von ihm gefunden haben, haben wir ihm noch keinen offiziellen wissenschaftlichen Namen gegeben“, so Mitautor Darren Naish. „Wir hoffen, dass mit der Zeit weitere Überreste auftauchen werden.“

Die gefundenen Beckenknochen und Rückenwirbel stammen laut der Universität Southampton von einem „White Rock Spinosaurus“.
Die gefundenen Beckenknochen und Rückenwirbel stammen laut der Universität Southampton von einem „White Rock Spinosaurus“.
© University of Southampton/Chris Barker/Dan Folkes/via AFP

„Ungewöhnlich ist, dass dieses Exemplar aus der Vectis-Formation stammt, die bekanntermaßen arm an Dinosaurierfossilien ist“, sagt Mitautor Neil Gostling, der an der Universität Southampton Evolution und Paläobiologie lehrt. Es handelt sich nach seiner Einschätzung um das jüngste Spinosauriermaterial, das bisher aus dem Vereinigten Königreich bekannt ist. Die 125 Millionen Jahre alte geologische Vectis-Formation entstand in einer Zeit steigenden Meeresspiegels.

Der White Rock Spinosaurid könnte Lagunen und Sandbänke nach Beute abgesucht haben. An den Überresten sei zu erkennen, dass nach seinem Tod wahrscheinlich Aasfresser am Körper des Spinosauriers gefressen haben.

„Die meisten dieser erstaunlichen Fossilien wurden von Nick Chase gefunden, einem der fähigsten Dinosaurierjäger Großbritanniens, der leider kurz vor der Covid-19-Pandemie verstarb“, sagt Co-Autor Jeremy Lockwood, Doktorand an der Universität Portsmouth.

Den größten Teil der Knochen hatte der bekannte britische Fossiliensammler Nick Chase auf der Isle of Wight gefunden.
Den größten Teil der Knochen hatte der bekannte britische Fossiliensammler Nick Chase auf der Isle of Wight gefunden.
© University of Southampton/AFP

Jeremy Lockwood berichtet: „Ich suchte zusammen mit Nick nach Überresten dieses Dinosauriers und fand ein Stück Beckenknochen, in das Tunnel gebohrt worden waren, jeder etwa so groß wie mein Zeigefinger“. Die Forschenden vermuten, dass sie von knochenfressenden Larven einer Käferart verursacht wurden. „Es ist ein interessanter Gedanke, dass dieser riesige Killer zur Mahlzeit für viele Rieseninsekten wurde“, sagt Lockwood.

Im vergangenen Jahr hatten die Forscher aus Southampton bereits Erkenntnisse über die Erforschung zweier ähnlicher Arten veröffentlicht. Der neue Fund stütze die Annahme, dass der Spinosaurier ursprünglich aus Westeuropa stamme und sich dort in mehrere Arten aufgespalten habe, die sich dann weiter verbreiteten, schreiben die Forscher. Sie wollen nun dünne Schichten der gefundenen Knochen mikroskopieren, um ein mögliches Lebensalter des Tieres zu bestimmen und mehr über sein Wachstum herauszufinden. (mit dpa)

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