Forschung zur ewigen Jugend : Salamander kennen kein Seniorenalter

Das Älterwerden gilt als unaufhaltbarer Teil des Lebens. Doch offenbar bleiben Salamander nahezu dauerhaft jung. Davon könnten auch Menschen profitieren.

Eine niedrige Stoffwechselrate und hohe Regenerationsfähigkeit lassen die Tiere ungewöhnlich lange leben.
Eine niedrige Stoffwechselrate und hohe Regenerationsfähigkeit lassen die Tiere ungewöhnlich lange leben.Foto: Frank Pasmans/Science/dpa

Ein Leben auf der Überholspur kann man Salamandern nicht nachsagen: Ihr Wachstum und ihr Stoffwechsel laufen sehr langsam ab. Dadurch altern sie quasi nicht und haben eine Lebenserwartung, von der andere kleine Tiere nur träumen können, wie Forscher im Fachjournal "Proceedings B" der britischen Royal Society berichten. Alterungsprozesse seien offenbar weniger zwangsläufig als bisher angenommen.

Große Lebewesen leben länger als kleine - das trifft für die meisten Tierarten zu. Eine der wenigen Ausnahmen sind Salamander: In freier Wildbahn können sie bis zu 30 Jahre alt werden und erreichen damit die Lebenszeit großer Säugetiere wie wildlebender Bären. Typisch für die Amphibien ist zudem eine geringe Vermehrungsrate, lebenslanges Wachstum sowie die Fähigkeit, Gliedmaßen und Organe zu ersetzen.

Um der ungewöhnlich hohen Lebenserwartung auf den Grund zu gehen, analysierten die Forscher um Hugo Cayuela von der Laval-Universität in Quebec (Kanada) nun Daten dreier Arten aus der Gruppe der Echten Salamander. Vom Brillensalamander (Salamandrina perspicillata/Italien) und vom Feuersalamander (Salamandra salamandra/Frankreich und Nordrhein-Westfalen) lagen bereits Messwerte vor. Vom Lykischen Salamander (Lyciasalamandra fazilae) fing das Team in der Türkei über mehrere Jahre hinweg einzelne Exemplare, untersuchte und markierte sie, ließ sie wieder frei - und versuchte sie im Folgejahr erneut zu fangen.

Alterung ist kein universelles Phänomen

Bei den drei Salamanderarten ließ sich den analysierten Daten zufolge kein Zusammenhang zwischen Lebensjahr und Sterblichkeitsrate erkennen. Die Tiere sterben also offenbar nicht an Altersfolgen. Die Forscher gehen davon aus, dass der Alterungsprozess bei Salamandern so langsam abläuft, dass er zu vernachlässigen ist. Dies liege unter anderem an den niedrigen Stoffwechselraten und der hohen Regenerationsfähigkeit der Tiere, nehmen sie an.

Eine solche zu vernachlässigende Alterung sei bisher erst bei wenigen Lebewesen beobachtet worden. Sie gelte als Hinweis darauf, dass Alterung nicht so unumgänglich ist wie lange angenommen. Aus früheren Studien ist zum Beispiel bekannt, dass Süßwasserpolypen (Hydra) nicht altern. Studien zu Alterungsprozessen hätten sich zu lange auf Säugetiere konzentriert, sind die Wissenschaftler um Cayuela überzeugt. So sei die Annahme entstanden, dass Alterung ein universelles Phänomen sei - was die Ergebnisse bei Salamandern widerlegten.

Suche nach einem Jungbrunnen

Typisch für das Altern ist unter anderem, dass die Anzahl sogenannter seneszenter Zellen im Körper zunimmt. Als Seneszenz wird bezeichnet, wenn Zellen in einen dauerhaften Stillstand übergehen und dabei bestimmte Eigenschaften verlieren. Oft passiert das in Reaktion auf DNA-Schäden, der Körper wird so vor der Entstehung von Tumoren geschützt. Der Prozess trägt allerdings auch zu vielen altersbedingten Krankheiten bei.

Forscher weltweit arbeiten intensiv daran, die Seneszenz beim Menschen gezielt zu unterbinden, bisher weitgehend erfolglos. Die Prozesse bei quasi alterslosen Tieren wie Hydra und Feuersalamander im Detail zu verstehen, könnte bei der Entwicklung eines Jungbrunnen-Elixiers helfen, so die Hoffnung. (dpa)

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