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Zwei solcher Implantate wurden dem Patienten in seinen motorischen Cortex eingesetzt.
© Wyss Center, Genf

Kommunikation, wo sie unmöglich war: Implantat für Patienten mit „Locked-in“

Der über Minimalbewegungen im Gesicht gesteuerte Sprachcomputer von Stephen Hawking ist bekannt. Jetzt könnte der technologisch nächste große Schritt folgen.

Von Richard Friebe

Als „Locked-In“ bezeichnen Mediziner Zustände, in denen Menschen wach und wahrnehmungsfähig sind, sich aber nicht äußern können. Technologische Lösungen funktionieren bislang nur, wenn noch einige Muskeln kontrolliert werden können, etwa in der Wange oder die des Auges oder Augenlid. Ein Beispiel ist der von Julian Schnabel 2007 unter dem Titel "Schmetterling und Taucherglocke" verfilmte Fall des französischen Journalisten Jean-Dominique Bauby, der auf diese Weise unter anderem noch einen Roman schrieb. Auch der 2018 verstorbene, an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankte Physiker Stephen Hawking nutzte eine Variante dieser Technik.

Neuroimlantat

Personen allerdings, die auch die letzten Möglichkeiten der Muskelkontrolle verloren haben, sind tatsächlich fast vollkommen "eingeschlossen" und kaum oder gar nicht fähig, auch nur grundlegende Bedürfnisse zu äußern. Ein Team aus Mitarbeitern einer Spezialfirma in Mössingen und Neurologen und Neuroingenieuren aus Deutschland und der Schweiz - unter ihnen Niels Birbaumer aus Tübingen - hat jetzt ein Neuroimplantat vorgestellt, das das Problem lösen soll.

Im Magazin „Nature Communications“ berichtet es von einem 34-jährigen, schwer an ALS leidenden Patienten.

Mehr Studien nötig

Dieser lernte demnach, Nervensignale so zu steuern, dass diese über das Implantat als jeweils "Ja" oder "Nein" ausgelesen werden konnten. Er sei so - und nach demselben Prinzip, das auch bisherige Apparate nutzen - in der Lage gewesen, mit der Geschwindigkeit von etwa einem Buchstaben pro Minute Wörter zu formulieren und damit Bedürfnisse zu kommunizieren.

Birbaumer hatte gemeinsam mit anderen schon vor Jahren über entsprechende Ergebnisse berichtet. Ihm wurde aber vorgeworfen, dass die Daten den Rückschluss auf funktionierende Kommunikation nicht zuließen.

Die jetzige Publikation könnte hier Klarheit schaffen.

Vor einer breiteren Anwendung seien, so die Forschenden, aber weitere Studien an Patienten nötig, um unter anderem die Sicherheit des Implantats zu prüfen.

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