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Lernen für die Welt von morgen : Große Vorbehalte gegen digitale Bildung

Den besten Ruf hat noch immer der Frontalunterricht. Nur wenige Deutsche wünschen sich einen digitalisierten Unterricht in der Schule, zeigt eine neue Umfrage.

Annika Reiß
Eine Schülerin arbeitet im Unterricht mit einem Tablet-Computer.
Tablets für alle Schüler und für alle Fächer? Die Mehrheit der Befragten in einer Vodafone-Umfrage ist skeptisch.Foto: Uli Deck/dpa

Nur knapp ein Viertel (23 Prozent) der Deutschen hält die digitale Bildung in den Schulen für gut oder sehr gut. Trotzdem sprechen sich lediglich 31 Prozent dafür aus, dass digitale Lernwerkzeuge integraler Bestandteil des Unterrichts werden sollten. Das sind zentrale Ergebnisse einer Umfrage im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland, die am Donnerstag in Berlin bei der „Konferenz Bildung Digitalisierung“ präsentiert wurde.

Unter dem Motto „Next Practice – Bildungsinnovationen für den digitalen Wandel“ werden im Café Moskau rund 700 Bildungsexperten und -expertinnen zwei Tage lang über neue Ansätze für Schule und Unterricht diskutieren. Es soll um die Frage gehen, wie sich die Schule in der Zeit nach dem Digitalpakt konkret ändern kann. Unter anderem gibt ein gläsernes Klassenzimmer Einblicke in den Unterricht von morgen. Der Umfrage zufolge wünschen sich die Befragten für die digitale Bildung vor allem mehr Qualität und mehr staatliche Unterstützung.

44 Prozent wünschen sich mehr Investitionen

Im internationalen Vergleich sehen die Deutschen die digitale Bildung mit Abstand am negativsten. Weltweit wurden rund 9000 Erwachsene befragt, in Deutschland waren es 1000. In Indien etwa ist die Hälfte (49 Prozent) der Befragten von der guten bis sehr guten Qualität der digitalen Bildung in ihren Schulen überzeugt. In den USA sind es 44 Prozent, in China 34 Prozent. Ein Großteil der italienischen, spanischen und bulgarischen Befragten hingegen bewertet die Situation im eigenen Land ebenfalls als schlecht bis sehr schlecht. In Deutschland ist es rund ein Drittel.

Als Ursache dafür sieht Olaf Köster-Ehling, Vorstand der Montag-Stiftung „Jugend und Gesellschaft“, besonders strukturelle Probleme. „Schulen müssen eigenständiger handeln und entscheiden können, ohne sich immer an Kommune und Land wenden zu müssen, sonst kommt die Digitalisierung nicht voran.“

Um die Gesellschaft auf die zunehmende Digitalisierung vorzubereiten, wünschen sich 44 Prozent der Befragten in Deutschland umfangreiche staatliche Investitionen etwa in digitale Bildung. Gleichwohl zieht die Hälfte der Befragten den klassischen Frontalunterricht für Bildungseinrichtungen immer noch vielen digitalen Lernmöglichkeiten vor. Gerade einmal zehn Prozent sind dafür, dass Kinder den Lernstoff überwiegend online vermittelt bekommen.

"Laptopklassen sind nicht die ganze Lösung"

 „Klassen mit Laptops und Tablets auszustatten, ist noch nicht die ganze Lösung“, meint auch Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. Ohne genauere Erklärungen, wie und warum die Kinder mit den Geräten lernen sollen, könnten sie  zu der Technik keinen Zugang zu finden.

Etwas besser bewertet werden die digitalen Lehrangebote an den Universitäten – 35 Prozent halten sie für gut oder sehr gut. Knapp ein Drittel (29 Prozent) sieht die digitale Weiterbildung in Unternehmen positiv.

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