Medizin : Klinische Studien in Deutschland "nicht konkurrenzfähig“

Deutschland publiziert zu wenig klinische Studien, meinen Wissenschaftsrat und DFG. Das schade der Qualität des Gesundheitswesens.

Qualität am Krankenbett. Eine höhere Zahl von klinischen Studien würde dem Wohl der Patientinnen und Patienten in Deutschland dienen, meint der Wissenschaftsrat.
Qualität am Krankenbett. Eine höhere Zahl von klinischen Studien würde dem Wohl der Patientinnen und Patienten in Deutschland...Foto: imago/UIG

Deutschland schöpft sein Potenzial bei nichtkommerziellen klinischen Studien nicht aus – „mit negativen Folgen für Patientinnen und Patienten und das Gesundheitssystem insgesamt“. Zu diesem Schluss kommt der Wissenschaftsrat in seiner jüngsten Empfehlung, die eng mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft abgestimmt ist. Im Vergleich zu den Spitzenländern Großbritannien, den USA und den Niederlanden sei Deutschland „nicht konkurrenzfähig“, sagte Thomas May, der Generalsekretär des Wissenschaftsrats, am Montag in Berlin.

In den zehn Jahren nach 2007 hätten deutsche Mediziner in den international wichtigsten Journalen nur so viele Studien produziert wie die kleinen Niederlande. Gemessen an seiner Bevölkerungszahl oder seinem BIP belege Deutschland bei den Publikationen den hinteren Platz. Das könne dem Anspruch einer führenden Wissenschaftsnation nicht genügen: „Wir müssen besser werden“, sagte May.

Es geht um die Qualität der Patientenversorgung

Klinische Studien trügen wesentlich dazu bei, neue medizinische Erkenntnisse in die Versorgung der Patienten zu überführen, erklärte der Wissenschaftsrat. Während Deutschland bei den kommerziellen Studien der Pharmaindustrie gut aufgestellt sei, werde die nichtkommerzielle Grundlagenforschung, die oft besonders ressourcen-, zeit- und personalintensiv sei, vernachlässigt. Solche Studien leisteten aber einen wichtigen Beitrag zur Steigerung der Qualität und Effektivität der Versorgung. Die Qualität der Versorgung sei in Deutschland jedoch schlechter, als die hohen finanziellen Aufwendungen für das Gesundheitssystem erwarten ließen.

Der Wissenschaftsrat empfiehlt der Politik, die aus seiner Sicht bestehende Förderlücke bei der nichtkommerziellen Forschung zu schließen. Dazu sollen „neue Förderangebote“ entstehen, die zeitaufwendige teure Studien ermöglichen, nämlich solche mit einem Volumen von fünf bis zehn Millionen Euro im Jahr, die über acht bis zehn Jahre durchgeführt werden.

Außerdem sollen die schon bestehenden Möglichkeiten der Finanzierung klinischer Studien durch die Krankenkassen besser genutzt werden. Mittel- bis langfristig sollen Bund und Länder die rechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Krankenkassen künftig stärker und einfacher als bislang an der Finanzierung von klinischen Studien mitwirken können. Im vergangenen Jahr hatten die Kassen demnach Gesamtausgaben von 230 Milliarden Euro. „Deutlich weniger“ als ein Promille davon in klinische Studien zu investieren, wie der Rat vorschlägt, sei „gänzlich zu rechtfertigen“, schließlich erwachse aus den Studien Einsparpotenzial.

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