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Das Haus Grashof der Berliner Hochschule für Technik in Wedding.

© BHT

Tagesspiegel Plus

Nach Hilferuf von Berliner Studierenden: Pause für den Professor, bei dem alle durchfielen

Viel zu hohe Anforderungen und eine Online-Prüfung mit 100 Prozent Durchfallquote. Studierende der Berliner Hochschule für Technik protestierten – mit Erfolg.

Ein Fachhochschulprofessor, der Studierende in einem Kernfach vor viel zu hohe Anforderungen stellt. Der sie in Modulprüfungen mehrfach durchfallen lässt, am Ende sogar 100 Prozent der Kursteilnehmer bei einem Onlinetest. Studierende, die sich bei der Hochschulleitung beklagen, aber nicht ernst genommen fühlen und fürchten, ihren Abschluss nicht zu schaffen. Ein Asta-Protokoll, in dem von „emotionaler Gewalt“ gegenüber Studierenden die Rede ist.

Über diese Vorgänge an der Berliner Hochschule für Technik (BHT, vormals Beuth-Hochschule) hat der Tagesspiegel im Juli vergangenen Jahres berichtet.

Jetzt haben sich die Studierenden wieder gemeldet – diesmal mit einer aus ihrer Sicht guten Nachricht: „Es hat personelle Konsequenzen gegeben. Ersatzlehrkräfte sind für seine Module eingesprungen.“ Das sagt ein Student am Telefon, dessen Name dem Tagesspiegel bekannt ist, der aber darum bittet, anonym zu bleiben. Ebenso soll der Name des kritisierten Professors anonym bleiben, darum bittet auch die Hochschule.

Das Anliegen der BHT-Studierenden, die Leitung möge gegen den Professor vorgehen, ist nicht nur in Protokollen und E-Mail-Wechseln dokumentiert, sondern auch in einer Petition auf change.org zur „Sicherstellung der Lehr- und Prüfungsorganisation im Studiengang W-Ing-Bau“, die im Herbst 2021 gestartet und inzwischen von 80 Personen unterzeichnet wurde.

Die Hauptforderungen der Studierenden des Wirtschaftsingenieurwesens/Bau an das Dekanat und das Präsidium der Berliner Hochschule für Technik lauteten, den verantwortlichen Professor abzuberufen und Ersatzlehrkräfte für die betroffenen Module einzustellen.

Ist die Hochschule diesen Forderungen nun gefolgt? Dieter Pumpe, Vizepräsident für Studium, Lehre und Weiterbildung der BHT, bestätigt auf Anfrage des Tagesspiegels, dass der Professor „dort im Moment nicht lehrt“. Das gelte erst einmal für das aktuelle Sommersemester, so Pumpe am Mittwoch. Zumindest also eine Pause von der Lehre für diesen Professor, vor dem viele Studierende jahrelang Angst hatten.

Bei den Ersatzlehrkräften sind das Lehrpensum und die Prüfungen machbar. Aber ich habe so viel Zeit verloren.

Ein betroffener BHT-Student

Der Vizepräsident bestätigt auch: „Die genannten Module werden von Kollegen/innen gelehrt.“ Hintergrund seien „fachliche und organisatorische Erfordernisse“ am Fachbereich. Auf Nachfrage betont Pumpe aber, die fachlichen Voraussetzungen seien bei dem betreffenden Professor „ausdrücklich gegeben“, ansonsten wäre er gar nicht an die Hochschule berufen worden. Auch hätten „Petitionen keinen Einfluss auf die Einsatzplanung“ an der BHT.

Einen „Erfolg“ der internen und öffentlichen Proteste von Studierenden will der Vizepräsident also nicht bestätigen. Es habe aber „sehr viele Gespräche auf vielen verschiedenen Ebenen gegeben“, erklärt Pumpe auf Nachfrage. „Wir sehen uns hier auf einem guten Weg.“ Schließlich sei „auf Studierendenseite offenbar Zufriedenheit eingekehrt“.

Dazu beigetragen hat wohl auch die Stellungnahme von Pumpes Amtsvorgänger gegenüber dem Tagesspiegel. Thomas Reck, der bis Ende Juli 2021 amtierte, hatte die Beschwerden der Studierenden damals auf Anfrage als „aus meiner Sicht überwiegend berechtigt“ bezeichnet. Von Hochschulseite zu hören war außerdem, der Professor habe über Jahre die höchsten Durchfallquoten produziert. Reck erklärte aber, man habe „rechtlich keine Handhabe gegen die Lehrkraft“.

Die Studierenden sehen unterdessen ihre beiden Hauptforderungen erfüllt. Ihr inoffizieller Sprecher sagt: „Bei den Ersatzlehrkräften sind das Lernpensum und die Prüfungen machbar.“ Die Lernatmosphäre sei jetzt eine völlig andere. Und doch bleibe ein Gefühl der Ohnmacht, sagt der Student, der mittlerweile etliche Semester über der Regelstudienzeit liegt. „Ich habe wegen dieses einen Professors so viel Zeit verloren.“

Es gebe deshalb nicht nur von ihm Forderungen an die Hochschule, die Betroffenen über großzügige Nachprüfungsangebote hinaus auch finanziell zu entschädigen – „durch eine Rückerstattung der Semesterbeiträge“. Bei der Hochschule sind diese Beschwerden offenbar nicht angekommen. „Forderungen nach der Erstattung von Semestergebühren sind der Hochschulleitung nicht bekannt“, sagt Vizepräsident Pumpe.

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