PHILANTHROPIE : Unsichtbare Tinte, Pharmareferenten und Milliarden für die Forschung

1936 wurde der Wellcome Trust gegründet. Jetzt eröffnet die Stiftung erstmals ein Büro außerhalb Londons: in Berlin.

Richard Friebe

Die Anfänge klingen nicht Vertrauen erweckend: Henry Wellcomes erste unternehmerische Tätigkeit war im Alter von 16 Jahren der Verkauf einer unsichtbaren Tinte, die er in der Apotheke des Vaters zusammengerührt hatte. In seiner Heimatzeitung pries er sie als „größtes Wunder der Gegenwart“ an.

Ein paar Jahre später war der Sohn eines Wanderpredigers erfolgreicher Pharmaunternehmer in London. Zusammen mit seinem Partner Silas Burroughs gehörte er in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts zu den ersten, die Medizin statt in Pulver- oder Tropfenform als Tabletten anboten. Zudem erfand er das Direktmarketing an Ärzte und damit den Beruf des Pharmavertreters. Sein Unternehmen gilt auch als das erste, das selbst Labore aufbaute, um neue Wirkstoffe zu entwickeln.

Als er 1936 im Alter von 82 Jahren schwerreich in London starb, gingen seine Unternehmensanteile im Wellcome Trust auf. Die Stiftung soll laut Satzung helfen, die Gesundheit von Tier und Mensch massiv zu verbessern, indem die besten Köpfe gefördert werden. Erst 1995 trennte sie sich von den letzen Firmenanteilen. Als das Nachfolgeunternehmen GlaxoWellcome im Jahr 2000 mit einem anderen Pharmariesen verschmolz, verschwand der Name Wellcome aus der Branche. Präsent ist er nur noch durch die Stiftung. Diese ist allerdings mit einem Vermögen von 26 Milliarden Euro nach der Gates-Foundation die zweitgrößte weltweit.

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