• Prävention gegen Antisemitismus: Zentralrat und Kultusminister: Mehr Wissen über das Judentum vermitteln

Prävention gegen Antisemitismus : Zentralrat und Kultusminister: Mehr Wissen über das Judentum vermitteln

Der Zentralrat der Juden und die Kultusministerkonferenz stellen Lehrmaterial zum Judentum und zu Israel bereit. Eine Reaktion auch auf Antisemitismus in den Schulen.

Symbolbild zum jüdischen Leben: Betender in einer Synagoge in Frankfurt am Main.
Jüdisches Leben. In den Schulen soll ein vielfältigeres Bild des Judentums als bisher vermittelt werden. Dazu gibt es jetzt eine...Foto: picture alliance / Boris Roessle

„Der Antisemitismus ist unter uns und auch unter jungen Menschen verbreitet“, sagte Helmut Holter, Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK) und Bildungsminister von Thüringen, am Mittwoch in Berlin. Das zeige aktuell wieder der Übergriff auf einen jungen Israeli in Prenzlauer Berg. Die Schulen in Deutschland müssten „mit aller Konsequenz aufklären und Wissen vermitteln“, aber auch zeigen, dass gegenüber Antisemitismus „eine Nulltoleranzgrenze“ gilt, die nicht überschritten werden dürfe, sagte Holter.

Gemeinsam mit Joseph Schuster, dem Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, stellte der KMK-Präsident am Mittwoch im Rahmen einer Fachtagung eine Materialsammlung vor, die Lehrkräfte bei der Vermittlung des Judentums unterstützen soll. Joseph Schuster betonte, wie wichtig die Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen sei: „Alleine kann niemand von uns nur im Ansatz die Situation verbessern. Wir als jüdische Gemeinschaft brauchen im Kampf gegen den Antisemitismus ebenso wie die Schulen die Unterstützung der gesamten Gesellschaft und der Politik.“

Die Materialsammlung für Lehrkräfte von der Grundschule bis zur Oberstufe soll nun ein erster Schritt auf diesem Weg sein. Bereits im Dezember 2016 hatten Zentralrat und KMK wie berichtet vereinbart, ein vielfältigeres und lebendigeres Bild des Judentums in Deutschland und die Bedeutung des Judentums für die deutsche und europäische Geschichte und Kultur im Unterricht zu vermitteln. Eine gemeinsame Arbeitsgruppe der Kultusministerkonferenz und des Zentralrats hat daraufhin in den vergangenen Monaten bereits vorhandenes Unterrichtsmaterial zusammengetragen und überprüft, inwiefern es sich für die Schule eignet. Neben der fachlichen Richtigkeit und der thematischen Fokussierung war den Experten dabei besonders wichtig, dass die Materialien didaktisch so aufbereitet sind, dass Lehrkräfte sie direkt im Unterricht nutzen können.

Auf der Webseite www.zentralrat-kmk.de sind nun zu Themenbereichen wie „Jüdische Geschichte“, „Nationalsozialismus und Schoah“ sowie „Jüdisches Leben heute“ empfohlene Bücher, Artikel, Filme und Unterrichtsmaterialien zusammengestellt. Zu jedem Eintrag gibt es einen kleinen Steckbrief mit Informationen zum Inhalt. Erklärt wird auch, für welche Jahrgangsstufen sich das Werk eignet und wo es erhältlich ist. Weitere Themen der Materialsammlung sind „Jüdische Religion“, „Antisemitismus“ und „Israel“. Die Sammlung ist noch nicht abgeschlossen, heißt es. Lehrkräfte sind aufgerufen, der KMK und dem Zentralrat der Juden jederzeit weitere Unterrichtsmaterialien vorzuschlagen, die aufgenommen werden könnten.

Wissen über das Judentum könne am besten über Biografien vermittelt werden, erklärte der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik in einem Impulsvortrag für die Berliner Fachtagung zu „Jüdischer Geschichte, Religion und Kultur in der Schule“. Anhand von Lebensgeschichten etwa von Künstlerinnen oder Wissenschaftlern lasse sich die lange Geschichte und Vielfalt jüdischen Lebens in Deutschland zeigen – jenseits der den Juden zu häufig zugeschriebenen Opferrolle.

Prävention gegen Antisemitismus in der Schule ist ausdrücklich ein Ziel der Initiative von Zentralrat und Kultusministern. Die Materialsammlung solle die Lehrkräfte auch dabei unterstützen, sagte Holter. „Wir wollen die Lehrer fitter machen, ihnen den Rücken stärken, damit sie auf der einen Seite das Wissen haben, auf der anderen Seite Haltung zeigen können und sich dadurch auch sehr offensiv mit Auffassungen, Überzeugungen von Jugendlichen auseinandersetzen können.“ Miriam Lenz

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