Tiere aus dem All beobachten : Icarus-Projekt startet unter Vorbehalt

Nach Verzögerungen soll die Tierbeobachtung aus dem All mit "Icarus" offiziell starten. Doch bis die Forschung beginnen kann, sind weitere Hürden zu überwinden.

Eine Amsel mit Icarus-Funksender sitzt auf der Hand eines Forschers.
Macht jetzt „Piep“. Amsel mit Icarus-Funksender.Foto: MPI für Ornithologie/MaxCine/dpa

„Icarus“ heißt das seit Jahren geplante weltraumsgestützte Beobachtungssystem für Tierwanderungen. Der Starttermin war bereits zweimal verschoben worden. Am Dienstagnachmittag soll das Kooperationsprojekt der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) nun online gehen. Geleitet wird es von Martin Wikelski, Direktors des Radolfzeller Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie. Zunächst seien Tests geplant. Frühestens im Herbst könne die eigentliche Forschung beginnen.

Ein russisches Bodenkontrollzentrum soll den Bordcomputer und die Icarus-Antenne in Betrieb nehmen. Beides war bereits vor geraumer Zeit auf die Internationale Raumstation ISS installiert worden. Auch in Immenstaad am Bodensee nimmt eine Test-Bodenstation der Firma Space Tech ihren Betrieb auf.

Bis zu vier Monate lang sollen Wissenschaftler die Datenübertragung von den Sendern über die ISS zur Bodenstation testen und dabei durch die Messung im Hintergrundrauschen des Frequenzbereichs herausfinden, wo unter Umständen Störungen auftreten. Im Anschluss daran würden die Ingenieure den Icarus-Sender auf der ISS einschalten. Später sollen über ihn an Tieren – Zugvögeln etwa – angebrachte Sender programmiert werden.

Unklar, ob die Sender der Tiere funktionieren

Was die zu besendernden Tiere betrifft, ist nach Angaben von Icarus-Projektkoordinatorin Uschi Müller bisher noch nicht entschieden, mit welchen Tieren und welchen Projekten nach der Testphase begonnen werden soll. „Auch, ob die bisher in 2018 mit Icarus-Sendern versehenen Amseln in Europa, Flughunde in Sambia oder große Säugetiere in Namibia mit der ISS kommunizieren werden, wissen wir bisher noch nicht“, sagt Müller. All dies müsse getestet „und eventuell nachprogrammiert werden“.

Geplant ist, dass die Miniatursender ihre Daten an die Bodenstationen übermitteln, von wo aus sie zu den jeweiligen Forscherteams weitergeleitet werden. Die Resultate würden in der frei zugänglichen Datenbank „Movebank“ sowie in einem vom russischen Raumfahrtkonzern RKK Energija und dem Institut für Geographie der Russischen Akademie der Wissenschaften entwickeltem Pendant veröffentlicht, so eine Mitteilung des Instituts. Die Icarus-Technologie unterstütze zudem das russische Weltraumforschungsprojekt Uragan (Hurrikan), das unter anderem für die Beobachtung potenziell gefährlicher Phänomene entwickelt wurde. Uragan-Instrumente beobachten umgekehrt die Erdoberfläche, um die Tierwanderungen und Gründe für Veränderungen bei ihnen zu verstehen.

Technologie soll auch anders genutzt werden

Das für den Bau der Tiersender zuständige Unternehmen Icarus Global Observation System (Igos) mit Sitz in Immenstaad soll mit der Ratifizierung des Vertrags mit Roskosmos in das „Business-Incubation-Centre“-Programm der Europäischen Raumfahrtagentur Esa aufgenommen werden. Das kündigte der zuständiger Projektmanager Stefan Engelhard an.

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Die insgesamt 17 solchen Zentren in 15 europäischen Ländern – von Portugal bis Estland – haben die Aufgabe, junge Unternehmen zu fördern. Engelhard sagte, bei ihm seien Interessenbekundungen mehrerer Investoren eingegangen, die die Technologie für andere friedliche Zwecke nutzen wollten.

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