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Ein Mann geht durch eine menschleere Fußgängerzone mit Straßenbahngleisen.
© imago images/blickwinkel

Bedenken gegen Lockerungen für Corona-Genesene: WHO warnt – ob Patienten nach überwundener Infektion immun sind, ist ungewiss

Sollen Menschen, die Corona durchgemacht haben, bei der Lockerung von Restriktionen bevorzugt werden? Die WHO warnt, weil Immunität bislang nicht bewiesen ist.

Weltweit werden Lockerungen der Corona-Auflagen diskutiert. Und viele Menschen hoffen, die Infektion schon hinter sich zu haben - sei es mit oder ohne Symptome - und nun immun gegen Covid-19 zu sein.

Doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht eine Immunität nach einer überwundenen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus als nicht erwiesen an.

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Es gebe "aktuell keinen Beweis, dass Menschen, die sich von Covid-19 erholt haben und die Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind", erklärte die WHO am Samstag in Genf. Die Ausgabe von "Immunitäts-Bescheinigungen" könne sogar eine weitere Ausbreitung der Pandemie begünstigen, warnte die Organisation.

Bislang habe keine Studie festgestellt, "ob die Anwesenheit von Antikörpern gegen Sars-CoV-2 bei Menschen eine Immunität gegen eine künftige Infektion mit diesem Virus verleiht", hieß es in einer Mitteilung.

In Test reichen Antikörper nicht für lang anhaltendes Immungedächtnis

Tatsächlich reagiert das Immunsystem wie berichtet so auf Sars-CoV-2, dass bestimmte Antikörper nicht oder nicht in ausreichender Menge gebildet werden, damit sich ein lang anhaltendes Immungedächtnis ausbilden könnte.

Darauf deutet eine Studie des britischen „National Covid-Testing Scientific Advisory Panel“ hin, die beim Preprint-Server „Medrxiv“ einzusehen ist. Die Forschenden testeten Blut von zuvor an Covid-19 Erkrankten auf die Antikörper IgM und IgG. Bei den 40 Untersuchten stellten die Forscher unter anderem einen Rückgang der IgG-Antikörper bereits zwei Monate nach Auftreten von Covid-19-Symptomen fest. Und IgM-Antikörper wurden von vielen, etwa der Hälfte, kaum gebildet.

Hintergrund der WHO-Warnung ist, dass die Regierungen einiger Länder erwägen, auf Grundlage von Tests und beim Nachweis von Antikörpern im Blut Immunitätsbescheinigungen auszugeben. Auf diese Weise sollen Ausgangssperren gelockert und eine schrittweise Rückkehr zur Arbeit ermöglicht werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln.

Hintergründe zum Coronavirus:

Es fehlen bislang auch spezifische Tests

Allerdings gibt es gegenwärtig noch keinen Test, der individuell belegen kann, dass eine Person immun gegen Sars-CoV-2 ist. Die Tests weisen Antikörper gegen das Coronavirus aus. Unklar ist dabei aber, ob es sich um Reaktionen auf das neuartige Covid-19-Virus oder auf frühere Infektionen durch saisonale (und vergleichsweise harmlose) Coronaviren handelt.

Dazu erklärte die WHO, dass die aktuell verwendeten serologischen Tests "eine zusätzliche Freigabe durchlaufen (müssten), um ihre Genauigkeit und ihre Zuverlässigkeit zu bestimmen".

Sie müssten es vor allem ermöglichen, die Immunantwort auf das neuartige Coronavirus von den Antikörpern zu unterscheiden, die bei einer Infektion mit einem anderen der bislang sechs Coronaviren gebildet würden. Vier davon seien stark verbreitet und verursachten leichten Husten. Die beiden anderen lösen die Atemweginfektionen Sars und Mers aus.

Auf Twitter schob die WHO am Samstag eine Erläuterung zu ihrer Warnung nach. Weil diese zu besorgten Nachfragen geführt habe, wolle man folgendes klarstellen: Die WHO erwarte durchaus, dass die meisten mit Covid-19 Infizierten Antikörper entwickeln werden und dass dies einen gewissen Schutz (gegen eine erneute Infektion) zur Folge haben werde.

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Kanadas Premierminister Justin Trudeau gab am Samstag bekannt, dass er die Lockerung der verhängten Maßnahmen nicht von einer in der Bevölkerung verbreiteten Immunität abhängig machen werde. In Bezug auf die Erkenntnisse der WHO sagte er, Immunität sei "etwas, auf das wir klarere Antworten brauchen". Bis bis dahin müsse sich "auf die Seite der Vorsicht" begeben werden, fügte er hinzu. (Tsp/AFP)

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