Theater an der UdK : „Dieses Fach schafft besondere Momente und Erinnerungen“

Angehende Lehrer können künftig an der UdK Berlin Theater studieren. Das Lehramtsstudium wird dadurch wesentlich attraktiver.

Claudia Assmann
Erwartungsfroh. Ulrike Hentschel ist Erste Vizepräsidentin der UdK Berlin und leitet den Studiengang Theaterpädagogik.
Erwartungsfroh. Ulrike Hentschel ist Erste Vizepräsidentin der UdK Berlin und leitet den Studiengang Theaterpädagogik.Foto: Johannes Bock

Frau Hentschel, die UdK ist kurz davor, einen neuen Studiengang ins Leben zu rufen, der wahrscheinlich das künstlerische Lehramtsstudium auf einen Schlag wesentlich attraktiver machen wird, als es bisher der Fall ist: den Studiengang Theater.

Das ist jedenfalls eine Erwartung, die wir damit verbinden. Auf jeden Fall bietet der neue Studiengang Theater endlich die Möglichkeit eines grundständigen Studiums für Lehrerinnen und Lehrer im Fach Theater in Schulen. Das Schulfach Theater gibt es ja unter dem Namen Darstellendes Spiel bereits seit den 80er Jahren in den Berliner Schulen, bislang gab es allerdings in ganz Deutschland nur eine einzige Hochschule, an der dieses Fach grundständig studiert werden konnte.

Das heißt, alle Lehrerinnen und Lehrer, die bereits jetzt an den Berliner Schulen das Fach Theater unterrichten …

… haben entweder an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert oder aber ein Aufbau-, beziehungsweise Weiterbildungsstudium, oder einen Weiterbildungskurs absolviert. Oder, das gibt es natürlich auch, gar nichts von alledem.

Wie wirkt sich das auf den Unterricht aus?

Das ist ganz unterschiedlich. Sehr deutlich wird das immer bei Schultheatertreffen oder Festivals. Bei solchen Gelegenheiten sieht man einerseits, was Theaterunterricht an den Schulen vermag, welche Potenziale er hat, aber man sieht auch, welche künstlerischen und pädagogischen Herausforderungen diese Arbeit beinhaltet. Fachfremde Lehrkräfte können an diesen Anforderungen durchaus scheitern.

Viele Erwachsene kennen das Fach aus ihrer eigenen Schulzeit nur als AG-Angebot, nicht aber als wirkliches Schulfach.

Das Fach Theater wird in vielen Bundesländern an Oberschulen und in Hamburg sogar in der Grundschule angeboten. In Berlin ist es an fast allen Integrierten Sekundarschulen und auch an vielen Gymnasien als Fach fest etabliert. An manchen Schulen kann man es bis zum Abitur belegen. Bislang gibt es Theater nicht als Leistungskurs, aber das könnte sich mit unserem neuen Studiengang bald ändern.

Nun hat der Lehrerberuf, wenn wir mal ehrlich sind, ja nicht gerade den besten Ruf. Und wenn man Abiturienten nach ihrem Berufswunsch fragt, dann steht Lehrer meist nicht an erster Stelle. Das gilt auch für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die künstlerisch interessiert sind. Wie soll sich das denn mit dem neuen Lehramtsstudiengang Theater ändern?

Bisher ist es so, dass man, um Kunst- oder Musiklehrer für die Integrierte Sekundarstufe oder für das Gymnasium zu werden, mindestens ein weiteres, nicht-künstlerisches Fach studieren muss. Also zum Beispiel in der Kombination „Musik und eine Fremdsprache“ oder „Kunst und Geographie“. Das ist aus verschiedenen Gründen extrem anspruchsvoll und organisatorisch kaum zu schaffen. Künftig wird das anders sein, dann kann man im Lehramtsstudium Theater mit Musik oder Kunst kombinieren. Unabhängig davon, dass sich diese Fächer inhaltlich sehr nahe sind, und künstlerisch interessierte junge Menschen hier auf vielfache Weise ihre eigenen Möglichkeiten ausprobieren können, wird es auch logistisch wesentlich einfacher sein, weil man nicht mehr so stark wie bisher zwischen verschiedenen Universitäten hin und her pendeln muss.

Aber an der Schule landet man am Ende doch.

Ja, aber das Fach Theater bietet ganz andere Möglichkeiten als die meisten anderen Fächer. Denn hier ergibt es sich aus der Kunst des Theaters heraus, in Projekten zu arbeiten. Das verändert den Schulalltag und auch die Zusammenarbeit innerhalb des Kollegiums. So sind zum Beispiel fachübergreifende Projekte denkbar, wie ortsspezifische Arbeiten im Stadtteil der Schule, vielleicht verbunden mit Installationen aus der Bildenden Kunst. Das verändert schon das, was Schule kann, und motiviert auch ganz anders, Schüler wie Lehrer.

Würden Sie sagen, dass die Schülerinnen und Schüler, die in der Oberschule das Fach Theater belegt haben, etwas für das Leben mitnehmen, ein Rüstzeug oder eine Lernerfahrung, die sie anders befähigt, in die Welt zu gehen als Schüler, die in anderen Fächern unterwegs waren?

Das ist eine steile These. Ich bin immer ein bisschen skeptisch gegenüber einer zu großen Aufladung von künstlerischer Arbeit und deren Wirkung auf die einzelne Person. Es wirkt so vieles auf die Persönlichkeitsbildung eines Menschen ein, warum sollte da ausgerechnet das Theaterspielen so viel wichtiger sein als vieles andere? Aber es ist natürlich ein besonderes Fach, das innerhalb der Schule künstlerische Räume eröffnen kann, für Lehrer wie für Schüler. Man braucht viel Engagement, viel Leidenschaft dafür. Lehrer, die Theater unterrichten, hängen meistens zusätzliche Wochenenden mit Proben dran, oftmals noch eine Kursfahrt, sodass man zwei bis drei Tage intensiv proben kann. Diese Dinge lassen sich mit den herkömmlichen Stundenverpflichtungen nicht so unbedingt vereinbaren. Aber das Fach hat das Potenzial, besondere Momente und Erinnerungen zu kreieren, wie wenig andere.

Das Gespräch führte Claudia Assmann.

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