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Dann schlugen die „Night Stalkers“ zu: Was bisher über die US-Militäroperation gegen Maduro bekannt ist
In der Hauptstadt Venezuelas kam es über Stunden zu starken Explosionen. Augenzeugen berichteten von Hubschraubern und Flugzeugen in der Luft. Venezuelas Armee blieb ohne Chance. Eine erste Rekonstruktion.
Stand:
Es war wahrscheinlich einer der heikelsten Militäreinsätze in der US-Geschichte: In der Nacht zu Samstag haben US-Spezialkräfte den venezolanischen Machthaber Nicolás Maduro verhaftet und außer Landes gebracht. Ihm soll nun in New York der Prozess gemacht werden.
Laut Medienberichten sollen die US-Eliteeinheit Delta Force und eine Spezialeinheit der Luftwaffe, die als „Night Stalkers“ bekannt ist und die auch bei der Tötung Osama Bin Ladens im Einsatz war, Maduro gefangengenommen haben. Was genau bei der Festnahme passiert ist, ist bisher nicht bekannt. Klar ist allerdings, dass die USA eine großangelegte Militäraktion starteten, um die Verhaftung zu ermöglichen.
Gegen 2 Uhr Ortszeit (7 Uhr deutscher Zeit) berichteten Bewohner von Caracas und vor Ort arbeitende Journalisten erstmals von zahlreichen Erschütterungen, vor allem im Süden der Hauptstadt. Über mehrere Stunden soll es dann zu immer neuen Detonationen gekommen sein. Videos, die in den sozialen Netzwerken kursieren, zeigen Feuerbälle an zahlreichen Orten von Caracas. Noch im Morgengrauen waren Flugzeuge über der Stadt zu hören.
Im südlichen Teil von Caracas, unweit einer großen Militärbasis, fiel der Strom aus. Bewohner vor Ort berichteten ebenfalls von großflächigeren Stromausfällen.
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Beobachter äußerten schnell den Verdacht, dass es eine US-Militäroperation sein könnte – schließlich hatte US-Präsident Donald Trump zuletzt mehrmals gedroht, Ziele in Venezuela auch an Land anzugreifen.
Um kurz nach zehn Uhr mitteleuropäischer Zeit war dann klar: Die USA greifen Venezuela an. Trump selbst bestätigte den Einsatz und erklärte, dass Maduro und seine Frau verhaftet wurden. Maduro war in den USA schon 2020 unter anderem wegen Drogenhandels angeklagt worden. Die USA hatten eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) auf ihn ausgesetzt.

© dpa/MATIAS DELACROIX
Laut einem Bericht des Senders CBS hatte Trump die Angriffe gegen Venezuela schon vor Tagen angeordnet. Eigentlich sollte der Angriff in Caracas am Weihnachtstag stattfinden, aber die Bombardierung von Islamisten in Nigeria habe Vorrang gehabt. Danach hätten die Militärs auf für die Angriffe günstiges Wetter gewartet. CBS beruft sich bei seinem Bericht auf zwei Quellen in der US-Regierung.
Die Angriffe galten militärisch wichtigen Zielen im Land, wie der größten Militärbasis des Landes, Fuerte Tiuna, dem Luftwaffenstützpunkt La Carlota und dem Armee-Kommunikationszentrum El Hatillo. Außerdem wurde der größte Seehafen des Landes angegriffen. Die Luftabwehr iranischer und russischer Bauart, die das venezolanische Militär nutzt, blieb dabei auffallend untätig. Kein einziger US-Soldat soll bei dem Einsatz ums Leben gekommen sein.

© dpa/MATIAS DELACROIX
Fuerte Tiuna ist Sitz wichtiger Institutionen, darunter des Verteidigungsministeriums, des Oberkommandos der Armee und deren Verpflegungszentrum. Auch La Viñeta, die offizielle Residenz der Vizepräsidentschaft, sowie Einrichtungen der Militärakademie befinden sich dort.

© AFP/FEDERICO PARRA
Die geringe Gegenwehr könnte laut Experten auch damit zu tun haben, dass Maduros Verhaftung mit Teilen des Regimes abgesprochen gewesen sein könnte. Wo Maduro genau zum Zeitpunkt seiner Festnahme war, ist unbekannt. Laut Medienberichten wusste die CIA genau, wo er sich befindet, um den Zugriff der Spezialeinheiten zu ermöglichen. In der Nacht hatte er aus seinem Auto heraus noch Kontakt mit Medien gehabt.
Zuletzt hatte er aus Sorge vor einem US-Attentat einige seiner Leibwächter ausgetauscht und die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt. Er wechselte etwa häufiger sein Telefon und die Orte, an denen er übernachtete.
Videos zeigen außerdem, dass in der Nacht mehrere US-Armeehubschrauber, wahrscheinlich vom Typ Chinooks, über Caracas flogen. Es ist unter anderem eine Variante dieses Hubschraubers, den auch die US-Spezialeinheit „Night Stalkers“ nutzt. Der Einsatz von Hubschraubern deutet laut Experten auf sehr gezielte Operationen hin. Flugtracker zeigten auch, dass sich zur Zeit der Angriffe US-Tankflugzeuge über der Karibik im Einsatz befanden.
Laut einem Bericht des „Wall Street Journals“ bereiteten sich die „Night Stalkers“ über Monate nahe Venezuela auf ihre Mission vor.
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In den vergangenen Wochen hatte Präsident Donald Trump nach wiederholten US-Einsätzen vor der Küste Venezuelas von der Möglichkeit von Angriffen auf das venezolanische Festland gesprochen. Zudem hatte er gesagt, dass die Tage von Maduro „gezählt“ seien.

© AFP/FEDERICO PARRA
Seit September greifen US-Streitkräfte immer wieder Boote angeblicher Drogenschmuggler im Ostpazifik und in der Karibik an. Dabei wurden mit den neuen Angriffen bislang mehr als 100 Menschen getötet. Kritiker bezeichnen die Angriffe als außergerichtliche Hinrichtungen und völkerrechtswidrig.
Die militärische Drohkulisse war gewaltig: Trump beorderte den größten US-Flugzeugträger „USS Gerald R. Ford“ vor die Küste Lateinamerikas. Darauf sind mehr als 4000 Soldaten stationiert und Dutzende Kampfjets.
Zudem wurden weitere Kriegsschiffe sowie F-35-Kampfjets und Überschallflugzeuge vom Typ B1-B in die Karibik entsandt. US-Bomber fliegen regelmäßig die venezolanische Küste ab.
Am Montag hatte Trump sich über einen Angriff geäußert, bei dem es sich womöglich um den ersten US-Angriff an Land in dem Konflikt auf Venezuela handelte. Demnach wurde eine Anlegestelle für mutmaßliche venezolanische Drogenboote zerstört.
Noch am Freitag hatte sich Venezuelas Machthaber Nicolas Maduro gegenüber den USA gesprächsbereit gezeigt. Genützt hat es ihm offenbar nichts.
Ob sich der US-Angriff zu einem Krieg ausbreiten könnte, ist aus Sicht von Experten noch unklar. „Zu einem Krieg gehören mindestens zwei Parteien, die militärisch gegeneinander vorgehen. Es ist bisher nicht klar, wie die venezolanische Seite reagieren wird – weder auf Regierungsebene noch in der Bevölkerung“, sagte Claudia Zilla von der Stiftung Wissenschaft und Politik dem Tagesspiegel.
Auch Venezuela-Experte Günther Maihold findet die mangelnde Gegenwehr Venezuelas „auffällig“. „Dies lässt sich als Versuch interpretieren, einen offenen Krieg zu vermeiden“, sagte der emeritierte Professor der FU Berlin dem Tagesspiegel.
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