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Bereits vor vier Jahren hatten 510 Beschäftigte von Siemens Energy ihren Arbeitsplatz verloren.
© Reuters/Fabrizio Bensch

Schaltwerk Berlin-Spandau: 400 Jobs bei Siemens Energy in Gefahr

Stellenabbau kennen die Berliner Siemens-Energy-Beschäftigten schon. Jetzt will das Management im Spandauer Schaltwerk wieder Arbeitsplätze abbauen.

Das Management von Siemens Energy plant offenbar im Berliner Schaltwerk in Spandau abermals Stellen abzubauen. Wie die IG Metall Berlin mitteilte, seien 400 Jobs in Gefahr.

Bereits vor vier Jahren hatten 510 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz verloren. Das Management begründet laut Gewerkschaft den Stellenabbau mit Verlagerung ins Ausland.

Im Berlin-Spandauer Werk werden unter anderem die weltweit ersten „Blue-Air-Schaltanlagen“ hergestellt. Diese sind frei von Schwefelhexafluorid und klima- und umweltfreundlich, aber auch teurer als die bisherigen Schaltanlagen.

„Es kann nicht sein, dass das Management erst einen ökologisch sinnvollen Produktwechsel beschließt, um damit dann die Arbeitsplätze abzubauen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Rüdiger Groß. „Die Transformation wird nur funktionieren, wenn die Beschäftigten nicht den Nachteil tragen müssen. Statt Arbeitsplätze zu vernichten, sollte das Management zusammen mit allen gute Lösungen suchen: für Klima und Beschäftigung“, sagte er.

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Die Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Berlin, Regina Katerndahl, ergänzte: „Dass Siemens Energy weltweit die ersten klimaneutralen Schaltanlagen produzieren kann, verdankt es seinen exzellenten und motivierten Beschäftigten. Siemens Energy könnte ein technologischer Vorreiter für ökologisch sinnvolle Produkte sein." Siemens Energy sei ein wirtschaftlich starkes Unternehmen und sollte gerade jetzt die Verantwortung für seine qualifizierten Fachkräfte übernehmen.

Laut IG Metall steht für Siemens Energy die Gewinnmarge im Mittelpunkt

Eine Produktverlagerung ins Ausland zum gegenwärtigen Zeitpunkt zeige, dass Siemens die Marge in den Mittelpunkt seines Handels stelle.

„Die IG Metall Berlin fordert in der jetzigen Situation, die Lieferketten zu verkürzen und die Wertschöpfungsketten zu erweitern“, teilte Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin mit. „Kritische und komplexe Produkte sollten besser in Deutschland hergestellt werden, um Umweltschutz und Qualität zu gewährleisten.“

Bei Siemens Energy bestätigte den Abbau, am Donnerstag hieß es in einer Mitteilung dazu: „Siemens Energy konzentriert sich im Schaltwerk Berlin künftig auf die Produktion klimaneutraler Schaltgeräte.

Dieser Bereich soll ausgebaut werden. Aufgrund einer geplanten EU-Verordnung gehen wir jedoch davon aus, dass konventionelle SF6-Schaltgeräte, wie sie im Schaltwerk Berlin derzeit produziert werden, in Europa bald nicht mehr zugelassen sind. Zudem sieht sich das Werk einem immer größeren Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Daher haben wir heute angekündigt, dass wir zeitnah mit dem Betriebsrat über den sozialverträglichen Abbau von bis zu 400 Arbeitsplätzen in Berlin verhandeln werden.“

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