Acht Projekte in Berlin-Brandenburg : Wo die Bahn dieses Jahr (weiter)buddelt

Die Bahn investiert 2018 550 Millionen Euro in das Netz der Region. Fällig sind unter anderem das Karower Kreuz und die Warschauer Straße. Dadurch kommt es zu Einschränkungen.

Eine S-Bahn passiert eine Brückenbaustelle am Karower Kreuz.
Eine S-Bahn passiert eine Brückenbaustelle am Karower Kreuz.Foto: Bernd Settnik/dpa

Einige große und viele kleinere Baustellen werden Fahrgästen der Bahn auch in diesem Jahr das Fahren schwer machen. Bis zu hundert Baustellen gibt es täglich in der Region. Dafür investiert die Bahn nach eigenen Angaben rund 550 Millionen Euro, wovon ein Großteil vom Bund stammt. Allein 33 Brücken sind in diesem Jahr zu erneuern.

Nach Angaben des Berliner Bahnchefs Alexander Kaczmarek will die Bahn 210 Fachleute neu einstellen, so dass es dann 2165 „Bau“-Mitarbeiter gibt. Die Neuen müssen aber noch gefunden werden.

Karower Kreuz

Die Baustelle, die auch die Planer am meisten schmerzt, bleibt der Umbau am Karower Kreuz, wo ein zweites Gleis gelegt und gleich mehrere Brücken sowie Lärmschutzwände neu gebaut werden. Betroffen sind hier der Fern-, Regional- und S-Bahn-Verkehr. Noch bis zum 15. März und dann wieder vom 29. Juli bis 29. August ist die Verbindungskurve von der Stettiner Bahn zum Außenring gesperrt.

Damit ist jeweils die Direktfahrt aus Berlin Richtung Rostock unterbrochen; die Züge fahren nur von und bis Oranienburg. Richtung Berlin geht es mit der S-Bahn-Linie S 1 weiter. Die Linien S 2 und S 8 werden vom 26. Juni bis 17. August gesperrt – aufgeteilt in verschiedene Abschnitte. Bei vorangegangenen Unterbrechungen waren die Ersatzbusse häufig im Stau stecken geblieben.

S-Bahn

Bei der S-Bahn konzentriert man sich auf den Ausbau des neuen Signalsystems ZBS, das – theoretisch – auch den Einsatz von fahrerlosen Zügen ermöglicht. Längere Sperrungen (siehe Karte) gibt es deshalb im Südabschnitt der Linie S 2, ebenfalls bei der S 2, bei der S 5 auf dem Spandauer Ast sowie bei der S 7 Richtung Potsdam.

Ein Auswechseln der Schienen auf der Stadtbahn führt im Sommer zu einem knapp zweiwöchigen Busersatzverkehr zwischen Tiergarten und Charlottenburg. Rund einen Monat lang fahren auch auf der S 3 zwischen Rummelsburg und Wuhlheide keine S-Bahnen, weil in Rummelsburg eine neuer Bahnsteig entsteht.

Ostkreuz

Am Ostkreuz, das seit mehr als zehn Jahren umgebaut wird, sollen die Arbeiten in diesem Jahr weitgehend beendet werden. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember soll es zwischen Ostkreuz und Ostbahnhof durchgehend vier Gleise für die S-Bahn geben. Dann können hier mehr Züge als heute fahren, die zudem auch pünktlicher sein werden, hofft Kaczmarek.

Im Dezember sollen auch die neuen Regionalbahnsteige für Züge aus Richtung Lichtenberg betriebsbereit sein. Bis Anfang Mai soll der Deckel über dem Vorratsbau für die geplante Verlängerung der Stadtautobahn A 100 unter dem Ostkreuz fertig sein. Auf ihm steht die Stütze der Fußgängerbrücke über den Bahnsteigen, die am Nordende Richtung Sonntagstraße verlängert wird. Bis Herbst 2019 soll das Empfangsgebäude nach historischem Vorbild auf dem nord-westlichen Vorplatz fertig sein.

Warschauer Straße

Im neuen Bahnhof Warschauer Straße halten die S-Bahnen ab Dezember auch am zweiten Bahnsteig, der derzeit neu gebaut wird. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Geschäfte öffnen. Einziehen werden zunächst die Wurstexperten von Curry 36, ein Rewe To Go sowie ein Starbucks-Café.

Schöneweide

In drei Jahren soll auch der Umbau des Bahnhofs Schöneweide abgeschlossen sein, wo seit 2011 gebaut wird. Hier können auch Autofahrer aufatmen. Der seit Jahren wegen des Neubaus der Bahnbrücken ganz oder teilweise gesperrte Sterndamm kann im Juni freigegeben werden.

Die Bahn setzt die Arbeiten mit der Grunderneuerung des Bahnhofsgebäudes, des Tunnelzugangs zu den Bahnsteigen und mit dem Bau eines Tunnels für die Straßenbahn unter den Bahngleisen fort. Investiert werden nach Angaben der Bahn allein hier rund 45 Millionen Euro.

Das benachbarte Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs wird zu einem Gewerbegebiet.

Die Umsiedlung der bei der Bahn allgegenwärtigen Zauneidechsen hat vier bis fünf Millionen Euro gekostet.

Dresdner Bahn

Für den Ausbau der Dresdner Bahn mit zwei weiteren Gleisen wird im März der Bahnübergang Säntisstraße geschlossen; Autofahrer müssen auf die Buckower Chaussee ausweichen, und für Fußgänger gibt es eine Extra-Brücke. Der S-Bahn-Betrieb soll zunächst weitgehend aufrecht gehalten werden. Später wird es aber auch Vollsperrungen geben. Die ersten Fern- und Regional-Züge sollen 2025 oberirdisch fahren – dann auch als Airport-Express zum BER. Ein Tunnelbau war verworfen worden.

S21

Der Neubau der S-Bahn-Verbindung vom Nordring zum Hauptbahnhof soll nach dem Willen der Bahn nicht mehr als S 21 bezeichnet werden. Der Begriff erinnere zu sehr an das Desaster mit dem S 21 genannten Neubau der Bahnanlagen in Stuttgart, heißt es. Nun soll die Verbindung „City-S-Bahn“ heißen.

Unerwartete Schwierigkeiten haben das Projekt um Jahre verzögert. Unter anderem ist dem Tunnelbau am Hauptbahnhof ein Bauwerk im Weg, das nicht wie geplant gebaut worden ist. Bei einer gitterförmigen Abstützung aus Beton, durch deren Löcher die Erde abgetragen und der Beton für den Tunnelbau strömen sollte, sind zu klein geraten.

Die Arbeiten zum Beseitigen des Hindernisses sollen in diesem Jahr beginnen. Im Tunnelbauwerk unter der Invalidenstraße, in das Grundwasser eingedrungen ist, setzt die Bahn, wie berichtet, sogar Taucher und Tauchbagger ein, um die Erde abzutragen. Im zweiten Halbjahr 2020 will die Bahn die ersten Züge an einem Interimsbahnsteig unter der Invalidenstraße halten lassen – für Züge mit maximal vier Wagen, die aus Gesundbrunnen kommen. Später soll die City-S-Bahn bis zum Potsdamer Platz und dann weiter über das Gleisdreieck mit einem Umsteigebahnhof zur U-Bahn-Linie U 1 verlängert werden.

Werk Rummelsburg

Weiter geht ferner der Umbau des Werkes Rummelsburg, in dem auch der neue ICE 4 der Bahn gewartet wird. Die Bahn gibt dafür mehr als 80 Millionen Euro aus.

Fazit

Mehr zu bauen, sei nicht möglich, sagte Kaczmarek. „Wir wollen schließlich auch noch fahren.“

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