Agile Gefahr : Die Superzecke ist im Anmarsch

Blutsauger piesacken Wasserbüffel in Brandenburg. Die Biester können gefährliche Krankheiten auslösen. Sie sind „schnell wie Speedy Gonzalez“.

Sarah Stoffers
Achtung Blutsauger: Keine Panik, aber Vorsicht ist angebracht.
Achtung Blutsauger: Keine Panik, aber Vorsicht ist angebracht.Foto: picture alliance/dpa

Mit den warmen Temperaturen lauern in Wald, Gebüschen und auf Wiesen wieder die Zecken. Doch in diesem Jahr geht nicht nur von der einheimischen Zecke, dem Holzbock, Gefahr aus. Experten der Universität Hohenheim in Stuttgart und das Münchner Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr wiesen erstmals nach, das die sogenannten Hyalomma-Zecken aus Afrika und Südeuropa in Deutschland überwintert haben. Wie der Potsdamer Naturschützer und Biologe Kai Heinemann vom Landschaftspflegeverein Potsdamer Kulturlandschaft berichtete, hat er nun die Riesenzecke auch auf Wasserbüffeln bei Töplitz in Werder (Havel) gefunden.

Die Zeckengattung Hyalomma stamme aus den Trocken- und Halbtrockengebieten Afrikas, Asiens und Südeuropas, so Heinemann. Sie könne Hitze und Trockenheit sehr gut vertragen. Wegen der kalten Winter kommt die Gattung ursprünglich in Deutschland nicht vor. „Der lange und heiße Sommer 2018 hat scheinbar die Ausbreitung der Art in ganz Deutschland und auch Brandenburg begünstigt“, sagt Heinemann. Durch die Zecke werden in ihrer Heimat gefährliche Krankheiten wie das Krim-Kongo-Fieber oder das Arabisch Hämorrhagische Fieber übertragen. Beides sind infektiöse Fiebererkrankungen, die mit Blutungen einhergehen können.

Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts in Berlin konnte die Hyalomma-Zecke seit 2017 auch in Deutschland nachgewiesen werden. 19 Exemplare wurden 2018 in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Berlin und Schleswig-Holstein entdeckt. Keine habe Infektionserreger in sich getragen.

In diesem Jahr seien sechs Riesenzecken entdeckt worden, fünf auf einem Pferdehof am Niederrhein, eine an einem Pferd in Niedersachsen, wie die Universität Hohenheim und das Bundeswehr-Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr mitteilten. Laut Robert-Koch-Institut gibt es mindestens 27 Arten der Gattung Hyalomma. Die in Deutschland entdeckten Zecken wurden als Hyalomma rufipes und Hyalomma marginatum bestimmt. Die Experten nehmen an, dass die Arten durch Zugvögel nach Deutschland gekommen sind.

Riesenzecke mit gestreiften Beinen

Die Hyalomma sei sehr leicht zu erkennen, berichtet Heinemann. Sie sei mit bis zu zwei Zentimetern Länge nahezu dreimal so groß wie der europäische Holzbock. Auch sonst sei die Zecke wegen ihrer braun-gelb gestreiften Beine auffällig. Anders als der heimische Holzbock ist die Hyalomma ein echter Jäger, der nicht auf den Wirt wartet, sondern ihn gezielt verfolgt. Sie nimmt ihre möglichen Wirte wie Tiere und Menschen über ihre Augen und chemische Prozesse wahr und läuft dann agil auf sie zu. Sie erkennt Warmblütler auf Distanzen von bis zu zehn Metern und kann sie über mehrere Hundert Meter verfolgen“, sagt Heinemann. Hat die Zecke sich satt gesogen, könne sie so groß wie ein Fünf-Cent-Stück werden. Dabei verbringe sie bis zu 28 Tage auf ihrem Wirt, sagt Heinemann.

Die jüngeren Zecken würden besonders am Boden lebende kleinere Säugetiere und Vogelarten bevorzugen, die erwachsenen Zecken große Säugetiere, vor allem Huftiere, wie Rinder und Pferde. Besonders Pferdebesitzer, Reiter und Viehhalter sollten laut Heinemann daher besondere Vorsicht walten lassen. Denn auch Menschen würden verhältnismäßig oft gestochen werden, sagt Heinemann.

Leicht erkennbar

Panikmache sei laut Heinemann jedoch nicht angebracht. Wegen ihrer Größe und Färbung sei die Zecke leicht zu entdecken. „Schnell wie Speedy Gonzales flitzt sie auch“, sagt Heinemann. Doch der Mensch sei schneller. Angst müsse man daher keine haben.

Heinemann geht davon aus, dass sich Deutschland aufgrund des Klimawandels und steigender Sommertemperaturen und milderer Winter auf die Einwanderung von nicht einheimischen Tier- und Pflanzenarten gefasst machen müsse. Er verweist auf die eigentlich nicht heimische südosteuropäische Bunt- oder Auwaldzecke, die er 2007 ebenfalls in der Region nachgewiesen hatte und die sich mittlerweile erfolgreich etabliert hat.

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