American Jewish Committee in Berlin : Kritische Fragen zum Geburtstag

Vor 20 Jahren kam das American Jewish Committee in die Hauptstadt. Zum Jubiläum wurde im Tagesspiegel-Haus diskutiert.

Allan Reich (M.) moderierte das Gespräch mit Malte Lehming (l.), Mathias Müller von Blumencron (2.v.l.) und Anna Sauerbrey (r.).
Allan Reich (M.) moderierte das Gespräch mit Malte Lehming (l.), Mathias Müller von Blumencron (2.v.l.) und Anna Sauerbrey (r.).Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nicht lange nach Anbruch des neuen jüdischen Jahres 5779 begrüßte eine ungewöhnlich warme Herbstsonne die hochrangige Delegation des American Jewish Committee (AJC) in Berlin. Die Gäste aus den USA waren gekommen, um mit einer Reihe intensiver politischer Gespräche den Geburtstag des AJC Berlin Ramer Institute zu feiern.

Als das Büro vor 20 Jahren eröffnet wurde, war es der erste Schritt einer amerikanisch-jüdischen Organisation nach dem Zweiten Weltkrieg, um Begegnungen von Meinungsführern zu organisieren, den Abbau von Vorurteilen zu fördern und das Schicksal einer Million Juden in Osteuropa zu begleiten. Daraus hat sich eine Erfolgsgeschichte entwickelt, die entsprechend der Vision des Geschäftsführers David Harris zeigt, „was möglich ist, wenn Menschen sich trauen, Träume zu haben“.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Heiko Maas gehörten zu den Spitzenpolitikern, die jetzt die Gäste aus den USA empfingen und sich ausführlich Zeit nahmen, um deren Fragen zu erörtern. Die Besinnung auf gemeinsame Werte ist schließlich wichtig wie nie. „Wir wollen mit dem Besuch auch ein Zeichen für die Bedeutung der transatlantischen Beziehungen setzen, die von beiden Seiten des Atlantiks immer mehr bedroht werden“, sagte die Direktorin des AJC Berlin Ramer Institute, Deidre Berger.

Fragen zur Türkei, Verantwortung und Flüchtlingen

Zum Tagesspiegel gab es in den letzten 20 Jahren immer wieder ergiebige Kontakte. In einer lebhaften Diskussion wurden im Redaktionsgebäude am Anhalter Bahnhof mit den amerikanischen Gästen am Freitag viele Themen behandelt, die derzeit die Gemüter bewegen. Welche Rolle die Angst vor Cyber-Attacken im bayerischen Wahlkampf spielte, wollten sie etwa wissen. Ob Deutschland von der Türkei erpresst werde. Und ob die besondere Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel langsam schwächer werde.

Natürlich gab es Fragen zur Flüchtlingspolitik und zur Integration. Muss die innerhalb einer Generation abgeschlossen sein, wie bei Israelis und Amerikanern mit ausländischen Wurzeln, oder kann man sich mehrere Generationen Zeit lassen? Auch die Frage, ob Angela Merkel ihre volle Amtszeit beendet und wie es um die Politikbegeisterung der jungen Generation steht, bewegte die exzellent informierten Gäste. Manches wurde kontrovers diskutiert, aber es gab auch Übereinstimmungen.

Auf die Frage, ob man heute überhaupt noch Journalist werden könne, kam jedenfalls eine beruhigende Antwort vom Podium: „Hochqualifizierter Journalismus ist für die digitalisierte Gesellschaft lebenswichtig“, sagte Tagesspiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, der zusammen mit Anna Sauerbrey, Mitglied der Chefredaktion, und Autor Malte Lehming auf dem Podium saß. Im Publikum lauschten auch alte Bekannte wie Eugene DuBow, erster Direktor nach Gründung des Instituts.

Am Morgen hatten die Gäste dem Grünen-Politiker Cem Özdemir den „AJC Award for Courage in Defense of Democracy“ verliehen für seinen Einsatz gegen Antisemitismus und für liberale Werte. Gegründet wurde das AJC 1906 in New York von Einwanderern überwiegend deutscher Herkunft.

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar