• Aufkauf gegen steigende Wohnkosten: Der Verein "Erste Sahne" will Berliner Mieter vor Spekulation retten

Aufkauf gegen steigende Wohnkosten : Der Verein "Erste Sahne" will Berliner Mieter vor Spekulation retten

Der Unternehmer Hamid Djadda will Mietenspekulation verhindern. Eine Stiftung soll dabei konkrete Lösungen umsetzen und Häuser aufkaufen.

Hamid Djadda (rechts) übergibt den ersten Mietvertrag an Glaser Hans-Jürgen Arnsmann.
Hamid Djadda (rechts) übergibt den ersten Mietvertrag an Glaser Hans-Jürgen Arnsmann.Foto: Promo

Die Häuser Berlins zurückerobern – das ist das Ziel des Vereins „Erste Sahne“, der sich der Sicherung bezahlbarer Mieten verschrieben hat. „Wir wollen keine Initiative sein, sondern eine konkrete Lösung“, sagt Initiator Hamid Djadda. Am Montag stellte er die Kampagne vor, die im Mai offiziell starten soll.

Die Idee: Eine gemeinnützige Stiftung soll Häuser kaufen, deren Mieter von Verdrängung bedroht sind. „Dadurch, dass eine Stiftung keine Gewinne machen muss, müssen wir die Mieten auch nicht erhöhen – sondern können sie teilweise sogar senken“, sagt Djadda. Als erster Fall dient der Glaser Hans-Jürgen Arnsmann, dessen Werkstatt nach mehr als 100 Jahren geschlossen werden sollte. Dem Glaser garantiert die Stiftung stabile, günstige Mieten bis an sein Lebensende. Außerdem schließt der Mietvertrag eine Kündigung durch den Vermieter aus.

Djadda ist ein bekannter Unternehmer - er baut auch die Avus-Tribünen um

Der Unternehmer Djadda ist unter anderem für den Umbau der Avus-Tribünen verantwortlich. Mit der Firma „Ohde Marzipan“ unterstützt er Problemschüler in Neukölln.

Das Beispiel Arnsmann soll nur der Anfang sein. Finanziert werden soll die Stiftung einerseits durch zinslose Darlehen: Investoren verleihen das Geld an die Stiftung, die damit Häuser kauft. Über die Mieten werden diese Darlehen zinslos zurückgezahlt – allerdings nicht innerhalb von Jahren, sondern eher Jahrzehnten. Nur über die lange Zeitdauer sind günstige Mieten möglich. Er arbeite bereits mit mehreren Personen zusammen, die genügend Geld übrig hätten, um die Idee zu unterstützen, sagt Djadda.  

Parallel soll die Stiftung über Mitgliedsbeiträge im Erste Sahne-Verein und Merchandise finanziert werden. Über Ohde Marzipan will Djadda etwa Pralinen verkaufen, deren Erlöse an die Stiftung gehen.

"Ich habe über Jahre beobachtet, wie die Leute sich engagieren - doch die Mieten steigen einfach weiter

Die Idee zu dem Verein sei ihm gekommen, als eine alteingesessene Bäckerei in Kreuzberg gekündigt wurde, sagt Djadda. „Ich habe über Jahre beobachtet, dass viele Initiativen und auch Politiker in Berlin sich gegen steigende Mieten engagieren – doch die Mieten steigen einfach weiter."

Seine Kernthese ist, dass die Politik allein nichts gegen die kontinuierlichen Mietsteigerungen unternehmen könne, sagt Djadda – sonst hätte sie dies bereits getan. Viele Maßnahmen würden nur Symptome bekämpfen, aber keine Ursachen. Berlin solle vom Problemfall zur Lösung werden und zeigen, wie die Gentrifizierung umgedreht werden kann. Begleitend zu der Kampagne bringt Djadda Anfang Mai auch das Buch „Teure Mieten abschaffen“ heraus. Darin beschreibt er, wie aus seiner Sicht eine nachhaltige Veränderung des derzeitigen Wohnungsmarktes erreicht werden kann.

Der Verein schlägt drei Lösungen vor

Dafür schlägt der Verein drei Lösungen vor: Die Änderung der Gesetze, den massiven Bau bezahlbarer Wohnungen und eben den Kauf von Immobilien durch die gemeinnützige Stiftung. Auch auf Landesebene leitet Djadda zwei konkrete Forderungen von seiner Untersuchung ab. Er spricht sich für eine fünfjährige Mietenpause aus, während derer die Mieten maximal an die Inflation angepasst werden dürften. Außerdem sei eine massive Verwaltungsreform nötig, um den massiven Bau bezahlbarer Wohnungen zu ermöglichen.

Weitere Informationen gibt es unter: www.erste-sahne.berlin

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