Bahn will Strecke verkaufen : Goerzbahn in Zehlendorf steht vor dem Aus

Der letzte Nutzer APCB transportiert Materialien jetzt per Lastwagen, damit könnte es mit der Bahn bald vorbei sein. Ein Museumsverein will die Strecke übernehmen.

Die Goerzbahn führt vom Bahnhof Lichterfelde West zur Goertzallee
Die Goerzbahn führt vom Bahnhof Lichterfelde West zur GoertzalleeFoto: Thilo Rückeis


Und noch mehr Lastwagen-Verkehr: Der Kunststoffteilehersteller APCB an der Zehlendorfer Goerzallee gibt die Materialtransporte auf der Schiene auf und lässt die Teile jetzt auf der Straße transportieren. Hauptkunde war stets der Autokonzern Ford, dem das Werk einst gehörte.

Mit dem Wegfall des einzigen noch vorhandenen Nutzers APCB steht die sogenannte Goerzbahn vor dem Aus – und damit auch der rührige Museumsverein Märkische Kleinbahn, der am Ende der Strecke im früheren Lokomotivschuppen ein kleines Museum pflegt. Der Verein will zwar die Strecke übernehmen, doch die – finanziellen – Hürden für einen Verkauf sind bei der Deutschen Bahn hoch.

Nach Angaben aus dem Werk lohnt sich nach einem „Volumenrückgang“ der aufwendige Transport mit der Bahn nicht mehr. 1989 war Ford in der Stadt noch groß gefeiert worden, weil der Autokonzern damals bei seinen Berlin-Köln–Transporten auf die Bahn umgestiegen war. 30 bis 40 Lastwagenfahrten täglich konnten so vermieden werden. Inzwischen fülle die tägliche Ladung nicht mal mehr einen Lastwagen, sagte ein Sprecher.

Goerzbahn führt vom Bahnhof Lichterfelde West zur Goerzallee

Viele Anwohner waren vom Umstieg damals aber nicht begeistert. Sie beklagten sich vor allem über laut pfeifende Lokomotiven, die damit an den zahlreichen Bahnübergängen Passanten und Autofahrer vor dem Zug warnten. Erst durch den Einsatz von Blinklichtern auf der Lokomotive wurde es leiser.

Die Goerzbahn, benannt nach einem ehemaligen Präsidenten der Zehlendorfer Eisenbahn, führt vom Bahnhof Lichterfelde West zur Goerzallee. Die Strecke wurde 1995 vom Bahnkonzern übernommen – wie es heißt, zu einem geringen symbolischen Preis.

Welche Summe jetzt der Museumsverein für eine Übernahme berappen müsste, ist nicht bekannt. Die Bahn teilte nur mit, sie wolle die Strecke verkaufen. Bisher gebe es keine Interessenten. Sollte der Verkauf scheitern, wolle man die Anlage stilllegen und die bahneigenen Flächen vermarkten, sagte ein Sprecher. Einen Zeitplan dafür könne man noch nicht nennen. Gekündigt ist der Schienenverkehr ab Juli. Doch bereits seit Mitte Mai fahren keine Züge mehr.

Nur die Märkische Kleinbahn will hier mit ihrem von einer Diesellok gezogenen Museumsbahn weiter zuckeln. Das nächste Mal zu den diesjährigen Tagen der offenen Tür des Museums am 8. und 9. September. Den Verein gibt es seit 1981. Die Zahl der Besucher sei von Jahr zu Jahr gestiegen, heißt es bei dem Verein. Auch Jugendliche engagierten sich hier und gewännen so einen Zugang zur Eisenbahn. Und auch Anwohner mögen inzwischen die kleine Bahn. Rumpelt sie vorbei, winken viele.



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