Berlin-Charlottenburg : Wieder Werbung an der Gedächtniskirche

Riesenposter mit Smartphone-Reklame umhüllen den Glockenturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche – die Einnahmen sind für dessen Sanierung gedacht.

Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche auf dem Breitscheidplatz in Berlin, von unten steil nach oben gesehen.
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Schon seit rund fünf Jahren ist der sechseckige Glockenturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche auf dem Charlottenburger Breitscheidplatz eingerüstet, um Passanten vor herabfallenden Betonbrocken zu schützen. Seit Mittwoch hängt zusätzlich ein Riesenposter am Gerüst, das für Smartphones des Herstellers Huawei wirbt. Weitere Motive dürften folgen. Insgesamt könnte der marode Turm laut Pfarrer Martin Germer bis zu sechs Monate lang als Werbefläche vermietet werden, um Geld für eine Sanierung einzunehmen.

Erstmals war der vom Architekten Egon Eiermann gestaltete Glockenturm im Jahr 1999 mit Reklame verhüllt worden, was viele Bürgerproteste auslöste. Seinerzeit war unter anderem eine Kosmetikwerbung mit dem Model Claudia Schiffer zu sehen. Der Erlös ermöglichte eine Renovierung des Turms. Doch die Fassade aus filigranen Betonwaben blieb stark anfällig für Witterungsschäden. Deshalb ist nun die nächste Sanierung nötig.

Auch das neuere Hauptgebäude der Kirche war im Jahr 2005 außen mit Planen versehen worden, auf denen der Schriftzug eines Mobilfunkanbieters prangte. Der Erlös floss in die Instandsetzung dortiger Betonwaben.

Für die erneuten Reparaturen am Glockenturm, die im kommenden Jahr beginnen sollen, werden die Kosten auf mehr als vier Millionen Euro geschätzt. Davon will die Wüstenrot-Stiftung eine Million Euro übernehmen. Neben den 204 Waben-Elementen müssen diesmal auch die 5152 blauen Betonglasfelder ausgebaut und in einer Werkstatt instandgesetzt werden.

Pfarrer Germer: Fassadenwerbung nur ein Notbehelf

Um auf weitere Zuschüsse hoffen zu können, müsse man einen Eigenmittelanteil nachweisen, erklärt Pfarrer Germer. Und Werbung "ist unsere einzige Chance, an Eigenmittel zu kommen". Anders als bei der Renovierung der berühmten alten Kirchturmruine vor zwölf Jahren scheine es beim Glockenturm kaum möglich, Spenden in Millionenhöhe zu sammeln.

Die finanziellen Rücklagen der Gemeinde und der Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche seien durch die vielen bisherigen Sanierungen "aufgebraucht". Derzeit laufen Bauarbeiten am sogenannten Podium, auf dem die Kirchengebäude stehen.

Fassadenwerbung sei "immer nur ein Notbehelf", betont Germer. "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht." Man habe auch die aktuellen Kontroversen um Huawei besprochen. Vor allem die US-Regierung verdächtigt den chinesischen Konzern, seine Netzwerkgeräte könnten technische "Hintertüren" enthalten.

Aber der Gemeindekirchenrat und das Kuratorium der eigenen Stiftung entschieden sich dafür, den bereits im November 2018 geschlossenen Vertrag mit Huawei einzuhalten. Dies begründet Germer mit dem "vagen Charakter" der Vorwürfe und der Tatsache, dass "für Smartphones und nicht für Netzwerktechnik geworben wird".

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