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Berlin-Neukölln : Schwager von Rebecca Reusch schweigt auch in U-Haft

Seit zwei Wochen ist Rebecca Reusch aus Berlin verschwunden. Ihr Schwager sitzt wegen Verdacht auf Totschlag in Untersuchungshaft. Und es gibt neue Indizien.

Die Suche nach Rebecca Reusch geht weiter.
Die Suche nach Rebecca Reusch geht weiter.Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Schwager der vermissten Rebecca Reusch aus Berlin-Neukölln schweigt weiter beharrlich - trotz Untersuchungshaft und neuer Indizien für eine Tötung der 15-Jährigen. Der Beschuldigte mache weiterhin keine Angaben, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Berlin am Dienstag. „Unsere oberste Priorität ist es jetzt, das Mädchen zu finden“, sagte sie.

Rebecca war am Morgen des 18. Februar spurlos verschwunden. Sie hatte das Wochenende bei ihrer ältesten Schwester und deren Mann in Britz verbracht, am Montagmorgen wollte sie das Haus verlassen und zur Schule gehen – dort kam sie aber nie an.

Der 27 Jahre alte Schwager ist am Montag erneut festgenommen worden, am Abend tauchten die Ermittler auf der Arbeitsstelle des Kochs auf und nahmen ihn fest. Zuvor hatte ein Richter am Montag einen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Totschlags erlassen. Die Nacht verbrachte der Schwager im Gewahrsam der Polizei, am Dienstagvormittag um 10 Uhr verkündete der Richter dem Mann den Haftbefehl.

Haare und Faserspuren im Kofferraum

Der erste Antrag auf Untersuchungshaft war am vergangenen Freitag abgelehnt worden, dem Richter war die Beweislage für einen dringenden Tatverdacht nicht ausreichend. Dagegen hat die Staatsanwaltschaft am Montag erfolgreich Beschwerde eingelegt. Laut einem bislang von Staatsanwaltschaft und Polizei nicht offiziell bestätigten „Bild“-Bericht sollen die Ermittler der Mordkommission im Auto des Mannes zudem weitere Spuren gefunden haben.

Im Kofferraum sollen Haare von Rebecca sowie Faserspuren einer Decke entdeckt worden sein, mit der Rebecca am Morgen des 18. Februar aus dem Haus des Schwagers und der ältesten Schwester des 15-jährigen Mädchens verschwunden war. Es geht um eine lilafarbene Decke: Die Familie hatte angegeben, dass auch die Decke aus dem Haus verschwunden sein soll.

Das Verschwinden der Decke und die nun gefundenen Faserspuren dürften von den Ermittlern als klares Indiz beim Haftrichter vorgetragen worden sein, wie es aus Polizeikreisen heißt. Nun müssten die Ermittler den Verdacht weiter erhärten, denn insbesondere DNA- oder Faserspuren im Familienkreis sind durchaus problematisch.

Es muss ausgeschlossen werden, dass die Haare und Faserspuren nicht nur durch normale familiäre Umstände in den Kofferraum gelangt sind, etwa weil Rebecca ohnehin mit ihrer ältesten Schwester mitgefahren und ihre Sachen in den Kofferraum gepackt hat. Als weiteres Indiz gegen den Schwager gelten Widersprüche in den Angaben des Schwagers zu den zeitlichen Abläufen in seinem Haus am Morgen des 18. Februar sowie die Faktenlage zu seiner Handynutzung an diesem Tag. Er soll noch Whatsapp-Nachrichten geschrieben haben zu einer Zeit, in der er nach eigenen Angaben bereits geschlafen haben will.

Die "BZ" will erfahren haben, dass ein "mobiles Kennzeichenerfassungssystem namens KESY" am Morgen von Rebeccas Verschwinden das Nummernschild des pinken Twingo auf der Autobahn Richtung Frankfurt/Oder registriert haben soll. Diese Information bestätigten oder dementierten die Brandenburger Behörden dem Blatt dem Bericht zufolge aber nicht.

Die Polizei hatte den Schwager bereits am vergangenen Donnerstag festgenommen und stundenlang vernommen. Zugleich hatten Kriminaltechniker am Freitag das gemeinsame Haus des Schwagers und der ältesten Schwester durchsucht. Dennoch musste er am Freitag auf Anordnung eines Richters freigelassen werden.

Die Polizei hält ihn wegen Widersprüchen in seinen Aussagen und neuer Erkenntnisse für tatverdächtig. Der Mann war im Haus, als Rebecca, nach einem Wochenende bei ihrer Schwester, am Morgen des 18. Februar das Haus verlassen wollte. Um 9.50 Uhr hätte sie in ihrer Schule in der Fritz-Erler-Allee ankommen sollen – seither wird sie vermisst.

Der Schwager hatte bislang angegeben, nach einer Feier morgens kurz vor 6 Uhr nach Hause gekommen zu sein und um 8.30 Uhr bemerkt zu haben, dass Rebecca nicht mehr da war. Es kursiert auch eine andere Angabe von ihm, wonach er um kurz nach 7 Uhr nach Rebecca geschaut habe, sie jedoch nicht mehr angetroffen habe.

Die Schwester meldet sich

Unbestätigten Berichten zufolge soll Rebeccas Handy aber von 6 bis 8 Uhr im WLAN-Router eingeloggt gewesen sein – über Whatsapp sollen an ihr Handy auch noch Nachrichten geschrieben worden sein.

Am Montagabend meldete sich auch eine ältere Schwester Rebeccas. Die Schwester hatte über Instagram mehrfach zu privaten Suchaktionen aufgerufen, an denen sich Anwohner in Britz beteiligt hatten. Zudem hatte sie um Hinweise zum Verbleib der 15-jährigen Rebecca gebeten. Am Montagabend erklärte sie nach der Festnahme des Schwagers via Instagram: „Becci, Gott beschütze Dich, wo auch immer Du bist. Wir finden Dich und der Schuldige für diese Odyssee wird gefunden. Mein Postfach wird hiermit geschlossen. Alle Hinweise bitte direkt an die 3. Mordkommission.“

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