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Berlin-Reinickendorf : Frank Steffel gibt CDU-Kreisvorsitz ab

Frank Steffel mag nicht mehr: Er tritt für den CDU-Kreisvorsitz nicht mehr an. Auch ein Nachfolger wird schon gehandelt.

Einer der bekanntesten Politiker der Stadt: Frank Steffel, CDU.
Einer der bekanntesten Politiker der Stadt: Frank Steffel, CDU.Foto: dpa

Die CDU in Reinickendorf bekommt einen neuen Vorsitzenden. 18 Jahre nach Amtsantritt hat Frank Steffel angekündigt, beim Kreisparteitag am 22. Februar nicht erneut zu kandidieren. Per Rundschreiben teilte er seine Entscheidung den rund 1300 Mitgliedern des CDU-Kreisverbandes mit. Für seine Nachfolge stehe – „in Abstimmung mit vielen Ortsvorsitzenden und Parteifreunden“ – Bezirksbürgermeister Frank Balzer bereit.

Balzer ist seit 2009 im Amt. Er gilt als ausgewiesener Kenner der Verwaltung und gibt sich in der Öffentlichkeit deutlich zurückhaltender als Steffel. Der war in der Vergangenheit häufiger in die Schlagzeilen geraten, zuletzt wegen der noch nicht vollzogenen Aberkennung seines Doktortitels durch die Freie Universität Berlin wegen „Fehlern in der Zitiertechnik“. Steffel hatte angekündigt, gegen eine Aberkennung zu klagen.

Steffel hatte den Posten des Kreis-Chefs 2001 übernommen. Im selben Jahr wurde er durch einen völlig verpatzten Wahlkampfauftritt bundesweit bekannt: Er suchte hinter dem Rücken Edmund Stoibers Schutz vor fliegenden Eiern. Seine jetzige Entscheidung begründete Steffel mit der hohen Arbeitsbelastung als Bundestagsabgeordneter. Steffel ist Mitglied des Auswärtigen Ausschusses und in seiner Funktion als Berichterstatter aktuell in Südafrika unterwegs. Außerdem ist er Obmann der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Sport und Ehrenamt sowie stellvertretendes Mitglied im Finanzausschuss.

Überraschender Abschied

Seine Ankündigung kommt überraschend, selbst sein Bruder Dirk Steffel, CDU-Ortsvereinsvorsitzender in Tegel, hatte erst drei Tage vor dem Bekanntwerden von den Plänen gehört. Er zeigte sich besorgt darüber, dass die unter Frank Steffel garantierte Geschlossenheit des Reinickendorfer Kreisverbandes Risse bekommen könnte. Tatsächlich hatten mehrere Vorfälle das Standing des intern für seinen straffen Führungsstil bekannten Steffel beschädigt – neben dem möglichen Verlust des Doktortitels auch ein unabgestimmt unter dem Namen Angela Merkels verschickter Wahlkampfbrief. Ernsthaft gefährdet hätten sie eine Wiederwahl aber wohl nicht.

Die Kandidatur Balzers wiederum – so er sie denn selbst erklärt hat – scheint nicht in allen Ortsverbänden unumstritten. Zwischen den Zeilen lässt auch Frank Steffel erkennen, dass nicht alle Ortsverbände die Kandidatur stützen. Die Art und Weise, mit der Steffel seine Nachfolge quasi vorgibt, dürfte einigen Christdemokraten bitter aufstoßen, steht sie doch für eine CDU vergangener Jahrzehnte. Die Junge Union Reinickendorf wiederum, deren Vorsitzender Steffel von 1985 bis 1991 war, signalisierte bereits ihre Unterstützung für Balzer, der am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war. Derweil schloss mit Burkard Dregger ein anderer möglicher Anwärter auf die Nachfolge Steffels seine Kandidatur aus. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus und Chef des Ortsvereins Am Schäfersee nannte Balzer einen „guten Mann“. Er selbst dürfte durch die Dreifachbelastung aus Mandat, Fraktions- und Ortsvereinsvorsitz ausgelastet sein. Seit Amtsübernahme im Juni 2018 absolvierte Dregger 70 Kontakttermine.

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