Berlin-Wilmersdorf : Streit um „Rheingauer Weinbrunnen“ geht weiter

Obwohl es bei dem Winzerfest am Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf eine Ausschankpause gab, sind Anwohner verärgert. Eine Lärmschutzklage war zuvor gescheitert.

Das Winzerfest „Rheingauer Weinbrunnen“ auf dem Rüdesheimer Platz.
Das Winzerfest „Rheingauer Weinbrunnen“ auf dem Rüdesheimer Platz.Foto: imago/PEMAX

Erstmals hat es beim Winzerfest „Rheingauer Weinbrunnen“ auf dem Rüdesheimer Platz eine einwöchige Pause gegeben. Das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf sieht darin ein „wohlwollendes Angebot“ an einige Anwohner, die sich über Lärm beschweren. Seit Freitag läuft der Ausschank wieder. Zuvor waren manche Leute, die nichts von der Unterbrechung wussten, enttäuscht umgekehrt. Es gab aber auch Paare und kleine Gruppen, die es sich mit mitgebrachtem Wein auf der Wiese unter den Holzhütten der Winzer gemütlich machten.

Die Lärmschutzklage eines Anwohners war 2017 gescheitert. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) urteilte, es gebe keine „schädlichen Umwelteinwirkungen“. Lärmgrenzwerte seien nicht überschritten worden. Außerdem hätten „nicht zuletzt die Herkömmlichkeit und die soziale Akzeptanz des ,Weinbrunnens' für die Zumutbarkeit der damit verbundenen Immissionen gesprochen“.

Vergleiche mit Admiralbrücke und RAW-Gelände

Trotzdem geht der Streit weiter. Zwei Anwohner, die nach eigenen Angaben für Hausgemeinschaften sprechen, wandten sich an den Tagesspiegel. Eine Frau zieht Vergleiche mit lauten Sommerpartys auf der Admiralbrücke in Kreuzberg, mit dem RAW-Gelände in Friedrichshain und mit der oft überfüllten Liegewiese am Schlachtensee in Steglitz-Zehlendorf. Ihre Namen wollen die Beschwerdeführer nicht in der Zeitung genannt sehen. Es habe schon „versuchte Übergriffe“ auf Hausbewohner gegeben.

Die Ausschankpause ändert aus Sicht der entnervten Anwohner wenig. Der Bezirk habe den Weinbrunnen nämlich um eine Woche verlängert, damit die Wirte „keine wirtschaftlichen Einbußen“ haben. Tatsächlich startete das Fest am 18. Mai und dauert bis zum 9. September. Im vorigen Jahr begann es am 19. Mai und lief bis zum 3. September.

Die Kritiker fordern, die Gesamtdauer zu verkürzen und jede Woche einen Pausentag einzulegen. Sie beklagen besonders die „Überflutung“ der Grünanlage durch Besucher, die auf dem Plateau keinen Platz gefunden haben oder nach dem Veranstaltungsende um 21.30 Uhr unten weiterfeiern.

Neue Schallmessungen von Anwohnern belegen angeblich zu starken Lärm. „Die letzte Woche ohne das Spektakel war die reinste Erholung“, sagt ein Bürger, der in einem Haus neben dem Park lebt. „Man sah auch wieder Kinder mit ihren Eltern, die den Platz einfach zum Spiel und Spaß genutzt haben.“ Der Mann schrieb an Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann (SPD) und schlug ein Treffen vor. Ob es dazu kommen wird, lässt sich derzeit nicht klären, weil Naumann verreist ist.

Weingüter aus dem Charlottenburg-Wilmersdorfer Partnerlandkreis Rheingau-Taunus gastieren seit 1967 auf dem Rüdesheimer Platz, der im sogenannten Rheingauviertel liegt. Ursprünglich dauerte die Veranstaltung nur zwei Wochen lang. Offiziell gibt es 350 Plätze. Viele Besucher bringen jedoch Gartenstühle mit oder setzen sich auf eine Mauer. Nach Schätzungen des Bezirks sind an manchen Tagen bis zu 600 Gäste gleichzeitig bei dem Fest.

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