Berliner Bezirke : Konkurrenz um knappe Immobilien

Erst ließ Steglitz-Zehlendorf seine Schulcontainer verfallen, jetzt kommt der Ersatz zu spät. Hortkinder sind die Leidtragenden.

Weg damit! Auch dieser Schulcontainer an der Steglitzer Käthe-Kruse-Schule ist seit Herbst 2018 gesperrt und soll jetzt abgerissen werden. Der Ersatz lässt aber auf sich warten .
Weg damit! Auch dieser Schulcontainer an der Steglitzer Käthe-Kruse-Schule ist seit Herbst 2018 gesperrt und soll jetzt abgerissen...Foto: privat

Unter ein sehr spezielles Kapitel Berliner Schulbaugeschichte soll an diesem Mittwoch ein Schlussstrich gezogen werden: Der Hauptausschuss will mehr als sieben Millionen Euro freigeben, damit Steglitz-Zehlendorf Ersatz für vier verrottete 70er-Jahre-Container beschaffen kann. Alle vier „Mobilen Unterrichtsräume“ (MUR) müssen wegen Statikproblemen abgerissen werden, einer von ihnen erreichte eine gewisse Berühmtheit durch den Knöterich, der durch seine Ritzen wächst. Aber jetzt gibt es neue Probleme – und die betreffen auch andere Bezirke. Denn überall konkurrieren die Stadträte um knappe öffentliche Immobilien.

Alle Probleme auf einmal lassen sich am Beispiel der Steglitzer Käthe-Kruse-Grundschule zeigen. Sie gehört zu den vier Schulen, die jahrzehntelang gezwungen waren, sich mit einem unansehnlichen MUR zu arrangieren: Ihr Hort war dort untergebracht. Als die Container im Herbst wegen statischer Probleme spontan außer Betrieb genommen wurden, mussten die Hortkinder auf drei Gebäude verteilt werde: Einige Klassen kamen in das Kinder- und Jugendhaus „Albrecht Dürer“ an der Memlingstraße, andere in die Kronach-Schule, der Rest wurde im Käthe-Kruse-Haupthaus untergebracht.

Zum Sommer entfällt diese Behelfslösung: Die Kronach-Schule hat keinen Platz mehr, und das Albrecht-Dürer-Haus soll wieder für die Jugendarbeit zur Verfügung stehen. Das hat Jugendstadträtin Carolina Böhm (SPD) Bildungsstadtrat Frank Mückisch (CDU) vor etwa drei Wochen mitgeteilt.

Die Lücke klafft von August bis Dezember

In der Region Drakestraße gebe es kein anderes öffentliches Angebot für Jugendliche, stattdessen aber Beschwerden über Jugendliche, die sich auf dem Ludwig-Beck-Platz sammelten, berichtet Böhm. Dass sie eingesprungen sei, als im Herbst 2018 der Container gesperrt werden musste, könne nicht bedeuten, dass das Jugendhaus jetzt noch ein weiteres halbes Jahr als Hort diene, betont Böhm: Der neue Container frühestens zum Jahresende nutzbar sein, geht aus einer Antwort Mückischs an den Tagesspiegel hervor.

Symbol für den Verfall der Steglitz-Zehlendorfer Schulcontainer: Efeu und Knöterich am Mobilen Unterrichtsraum der Alt-Lankwitzer Grundschule. Er bahnte sich auch den Weg nach innen.
Symbol für den Verfall der Steglitz-Zehlendorfer Schulcontainer: Efeu und Knöterich am Mobilen Unterrichtsraum der Alt-Lankwitzer...Foto: Mike Wolff

Der Bildungsstadtrat setzt jetzt auf ein Gespräch mit Böhm am 28. Mai. Auf den Hinweis, dass die jetzige Notlage nur deshalb entstanden ist, weil der Bezirk die Container verrotten ließ, sagte Mückisch, er könne „die Vergangenheit nicht ändern“.

Die Eltern erwarteten, dass das Schulamt „mit Hochdruck“ an einer Lösung arbeite, betonte Gesamtelternsprecherin Christine Vondenhoff am Dienstag. „Die Stadträte müssen den Kindern zuliebe einen Konsens finden“, meint Ulrike Kipf vom Bezirkselternausschuss.

Die Raumnot führt in weiteren Bezirken zu Interessenskonflikten. Prominentes Beispiel in bester Lage ist der Streit um die ehemalige Rosegger-Schule in Kreuzberg, die zum Vermögen des Kulturamtes gehört und seit langem großteils leer steht: Bildungsstadtrat Andy Hehmke (SPD) braucht das Gebäude im attraktiven Bergmannkiez als Ausweichstandort für Schulsanierungen, Gesundheits- und Kulturamt haben ebenfalls seitenweise Bedarf angemeldet.

"133. und 149. Gemeinde-Schule" steht noch heute an der Rückfront der ehemaligen Rosegger-Schule.
"133. und 149. Gemeinde-Schule" steht noch heute an der Rückfront der ehemaligen Rosegger-Schule.Foto: Susanne Vieth-Entus

"Den von mir formulierten Bedarf einer Teilnutzung durch das Leibniz-Gymnasium erhalte ich aufrecht", teilte Hehmke am Dienstag auf Anfrage mit. Das Thema komme demnächst in mehrere Ausschüsse der BVV,  die sich dann positionieren müsse. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Plätzen und des Wunsches des Leibniz-Gymnasiums, fünfzügig zu werden, sei die Forderung des Schulamtes "aus schulfachlicher Sicht angemessen und stellt einen Kompromiss dar", so Hehmke weiter.

Alle Wünsche des Bezirksamtes zur weiteren Nutzung der Rosegger-Schule finden sich in dieser Drucksache der BVV Friedrichshain-Kreuzberg.

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