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Ein Lebemann: Rolf Eden im Jahr 2012.
© dpa/Florian Kleinschmidt
Update

„Deutschlands letzter Playboy“: Berliner Original Rolf Eden ist tot

Er verkörperte das hedonistische West-Berlin der Nachkriegszeit und galt als „Deutschlands letzter Playboy“. Nun ist Rolf Eden im Alter von 92 Jahren gestorben.

Er verkörperte das hedonistische West-Berlin der Nachkriegszeit: Rolf Eden galt als „Deutschlands letzter Playboy“. Am Donnerstag ist das Berliner Original im Alter von 92 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Zuvor hatte die "Bild" berchtet.

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Der Kurfürstendamm war sein Revier. 1957 gründete der Lebemann an der Nestorstraße, Ecke Ku'damm seinen ersten Club, den „Eden Saloon“ – da war er gerade 27 Jahre alt. Im Laufe der Jahre sammelte er Diskotheken und Nachtclubs genauso wie schöne Frauen an seiner Seite. Auch der erste deutsche Playboy-Club gehörte zu seinem Imperium. Sein letztes Lokal, das „Big Eden“ verkaufte er im Jahr 2002.

Bis dahin hatte Eden auch ein beträchtliches Immobilienvermögen angehäuft. Und den Reichtum stellte er auch gern zur Schau – der Auftritt im Rolls-Royce, gern als Cabrio mit offenem Verdeck – gehörte für ihn zum guten Ton.

Rolf Eden kämpfte an der Seite von Yitzchak Rabin

Doch dem großem Glamour ging eine bewegte, auch bedrohte Jugend voran: Er kam als Rolf Sigmund Sostheim am 6. Februar 1930 in Tempelhof zur Welt, ältester von zwei Söhnen, den Namen Eden gab er sich mit 17 Jahren. Seine Eltern waren Juden, sie verließen Deutschland schon im Jahr der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933. Alle Mitglieder seiner Familie gingen frühzeitig, weshalb die Familie vollständig dem Holocaust entkam.

Die Familie wanderte nach Tel Aviv aus. Mit 18 Jahren kämpfte Eden als Soldat einer Spezialeinheit im ersten arabisch-israelischen Krieg an der Seite des späteren Ministerpräsidenten Yitzchak Rabin.

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Diese Jugend fiel anscheinend so spurlos von ihm ab wie die erste kurzlebige Ehe, als er nach Paris zog, dort kellnerte, Klavier spielte und schließlich aus Berlin hörte, dass Rückkehrer mit 6000 Mark rechnen dürfen, bar auf die Hand. Gut zehn Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte Eden nach Berlin zurück.

Er liebte den großen Auftritt: Rolf Eden im Rolls-Royce-Cabrio bei der Eröffnung des Gourmet-Zelt-Restaurants "Pomp, Duck and Circumstance" 2003 am Gleisdreieck in Berlin.
Er liebte den großen Auftritt: Rolf Eden im Rolls-Royce-Cabrio bei der Eröffnung des Gourmet-Zelt-Restaurants "Pomp, Duck and Circumstance" 2003 am Gleisdreieck in Berlin.
© imago/Tinkeres

Das Geld wurde zu Edens Startkapital, mit dem er zum großen Nachtclubbesitzer aufstieg. Eden machte die Clubs zur Marke und die Clubs ihn. Der "Eden Playboy Club" oder das "Big Eden" wurden Tempel für die in der Wirtschaftswunderzeit nach Unterhaltung und Leichtigkeit gierenden Berliner. Eden galt als Erfinder der Diskotheken in Westdeutschland, betrieb auch Nachtclubs und machte den Ku'damm zum Vergnügungsboulevard.

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Er feierte mit den Rolling Stones und Ella Fitzgerald

Mit seinen Clubs beeinflusste er das West-Berliner Nachtleben, er soll mit den Rolling Stones gefeiert und mit Ella Fitzgerald getanzt haben. Wer in den 1980ern auf Klassenfahrt in West-Berlin war, musste ins „Big Eden“ am Kurfürstendamm.

Gern zeigte Eden sich umringt von schönen Tänzerinnen und jungen Frauen, die seine Lokale besuchten. Die Damen hätten ihm in den 50er-Jahren den Titel Playboy gegeben, das habe sich dann bis zur Presse herumgesprochen, sagte er einmal. So machte das PR-Genie aus seiner Leidenschaft ein Geschäftsmodell: Je mehr Frauengeschichten es waren, umso besser, um im Gespräch zu bleiben. Außerdem spielte er in etwa 30 Filmen mit.

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Schon vor Jahren bezifferte Eden die Zahl seiner Geliebten auf mehr als tausend. Für seine monatlichen Unterhaltszahlungen nannte er einmal 30.000 Euro für sieben Kinder von sieben Frauen.

Filmemacher Peter Dörfler dokumentierte das bewegte Leben Edens in seinem Film „The Big Eden“. Der Film lief bei der Berlinale. Eden sagte darin über sich selbst, er sei beides - Playboy und Geschäftsmann.

Bekannt war er etwa für seine weißen Jacketts und seine blonden Haare. Ein Stadtmagazin kürte ihn mal zum „peinlichsten Berliner“ - das sei doch eine Riesenehre, er finde das sehr gut, sagte Eden im Trailer zum Film. Im Alter von 82 Jahren hatte er seine Biografie vorgelegt. Ihr Titel lautete „Immer nur Glück gehabt. Wie ich Deutschlands bekanntester Playboy wurde“. (Tsp, dpa, AFP)

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