• Berliner Traditionsbetrieb Urbschat: „Wer etwas auf sich hält, lässt sich bei uns fotografieren“

Berliner Traditionsbetrieb Urbschat : „Wer etwas auf sich hält, lässt sich bei uns fotografieren“

Der Fotosalon Urbschat zählt seit 50 Jahren zum Stamminventar der City West. Doch es lief nicht immer rund für das kleine Familienunternehmen.

Christoph M. Kluge
Daniela (li.) und Nicole Urbschat betreiben ein traditionsreiches Fotostudie auf dem Kurfürstendamm
Daniela (li.) und Nicole Urbschat betreiben ein traditionsreiches Fotostudie auf dem KurfürstendammFoto: Urbschat

Wer über den Kurfürstendamm flaniert, kann die breite Schaufensterfront des Fotostudios Urbschat kaum übersehen. In bester Lage zwischen Schaubühne und Adenauerplatz hat hier das Familienunternehmen seinen Sitz, die Firmengeschichte ist allerdings schon einige Jahrzehnte länger eng verbunden mit der Prachtmeile.

Kein Wunder also, dass die Gala zum 50-jährigen Jubiläum des Geschäfts vor zwei Wochen ein Pflichttermin für die Prominenz der City West war. Stilecht wurde der rote Teppich ausgerollt, und stilecht war auch das Catering: Es gab Currywurst.

Genau diese Mischung aus Luxus und Bodenständigkeit ist es, die die Marke Urbschat zu einem West-Berliner Original macht. Wenn die Schwestern Daniela und Nicole Urbschat von ihrem Geschäft erzählen, dann merkt man ihnen die Leidenschaft für ihre Arbeit an.

Auf eines sind sie dabei besonders stolz: Im Fotostudio arbeiten ausschließlich Frauen. Inzwischen leitet Danielas Tochter Yvonne Huber die Geschäfte, in dritter Generation. Aber wichtige Entscheidungen trifft die Familie gemeinsam.

„Wer in Berlin etwas auf sich hält, lässt sich bei uns fotografieren“, sagt Daniela Urbschat selbstbewusst. Das gilt für Urgestein Johannes Heesters genauso wie für Ex-Berlinale-Chef Dieter Kosslick. Die Schauspielerinnen Brigitte Grothum und Katharina Thalbach haben sich hier ablichten lassen, der Entertainer Rolf Zacher, der Playboy-Veteran Rolf Eden, und auch Schlossparktheater-Chef Dieter Hallervorden ist ein enger Freund des Hauses.

Eine mysteriöse Prinzessin

Sogar Donald Trump habe sie einmal fotografiert, erinnert sich Nicole Urbschat. Das war allerdings lange vor seiner Präsidentschaft Anfang der 90er Jahre. „Trump war freundlich und zuvorkommend zu mir“, sagt Nicole, nur ein wenig kurz angebunden sei er gewesen. Wenn sie heute seine Polter-Auftritte im Fernsehen sehe, erkenne sie den Mann nicht wieder.

Doch nicht nur künftige US-Präsidenten, auch amtierende arabische Prinzessinnen ließen sich von den Urbschats fotografieren. Die Adlige aus den Vereinigten Emiraten habe ein Dutzend riesige Überseekoffer mitgebracht und ständig neue Outfits hervorgezaubert. „Wir haben sie sehr modern fotografiert“, erinnert sich Daniela Urbschat. Die ganze Adelsfamilie sei auf einem Trampolin gesprungen.

Doch die Öffentlichkeit wird diese Bilder nie zu Gesicht bekommen. Die Fotosession habe strengster Geheimhaltung unterlegen, betont die Fotografin. Bis heute dürfe sie nicht einmal den Namen dieser ominösen Prinzessin verraten.

Hohe Herren in Lack und Leder

Überhaupt ist das Studio am Kurfürstendamm ein Ort voller Geheimnisse, denn hier werden auch intimere Aufnahmen gemacht. Pornografisches würden sie grundsätzlich zwar nie produzieren, sagt Daniela Urbschat, doch Dessous- und Aktaufnahmen biete man durchaus an. Und es wird von der Kundschaft angenommen: Regelmäßig würden sie Persönlichkeiten aus der gesellschaftlichen Elite in Lack und Leder fotografieren.

Vom hochrangigen Richter bis zum Vorstandschef eines DAX-Unternehmens sei alles dabei, behaupten die Fotografinnen. Und lächeln kokett. Geschickt spielen die Urbschats mit dem Anzüglichen, gerade genug, um im Gespräch zu bleiben auf dem Boulevard.

Gleichzeitig betonen sie aber auch eher konservative Einstellungen. „Die alten Werte kommen wieder“, sagt Daniela Urbschat. Familienporträts seien heute stärker gefragt denn je. Die Urbschats sehen sich in diesem Sinne als Vorbilder, denn insgesamt vier Generationen arbeiten im Traditionsunternehmen zusammen.

„An der Spitze ist der meiste Platz“

Im Schaufenster steht eine Kamera aus dem Jahr 1928. Die habe dasselbe Baujahr wie der Vater und Firmengründer Horst Urbschat, sagen sie. Der wird Anfang Juli seinen 91. Geburtstag feiern, hat sich aber schon vor Jahren aus dem Geschäft zurückgezogen. Der Pressefotograf Urbschat kaufte das erste Studio am Kurfürstendamm im Jahr 1969 eigentlich nur, weil er eine Dunkelkammer brauchte.

1972 ging die älteste Tochter, Daniela, bei ihrem Vater in die Fotografenlehre, danach stieg sie ins Geschäft ein. 1984 entschied sich auch Schwester Nicole für eine Ausbildung beim Vater.

Das Fotostudio hat mittlerweile zahlreiche Umbrüche der Branche durchlebt, zum Beispiel den Wechsel vom Schwarz-Weiß- zum Farbfilm. Und zuletzt die Einführung der Digitalfotografie. Zuerst seien sie skeptisch gewesen, sagt Daniela Urbschat. Aber man müsse mit der Zeit gehen, um zu bestehen, sagt sie. Nicht Nachzügler sein, sondern Vorreiter.

„An der Spitze ist der meiste Platz“, hatte der Vater gesagt. Und diesem Motto folgen die Töchter bis heute.

Glück im Unglück

Doch es gab auch Krisen auf dem Weg nach oben. Etwa im Jahr 2014, als es beinahe vorbei gewesen wäre mit dem Laden. Das Geschäft stand vor dem Aus. Vom Vermieter hatten die Urbschats die Kündigung ihres Mietvertrags am Kurfürstendamm 170 erhalten. Der Eigentümer wollte das Haus abreißen und neu bauen.

Die Urbschats konnten sich nicht vorstellen, woanders als am Kurfürstendamm zu arbeiten - und gingen vor Gericht. Doch es nützte nichts. Den Prozess verloren die Schwestern und blieben auf hohen Kosten sitzen. „Das hätte keine andere Firma überlebt“, glaubt Nicole Urbschat. Nur der Familienzusammenhalt habe sie gerettet. Und der Zufall.

Um die Jahreswende 2013/14 entdeckten sie ein leer stehendes Ladengeschäft am Kurfürstendamm 157. Der Vormieter, ein Brautmodengeschäft, sei praktisch über Nacht geflohen, sagt Nicole Urbschat. Da hätten sie kurzerhand den Vermieter angerufen und einen Deal gemacht. „Wir hatten Glück im Unglück.“ Inzwischen sehen sie auch die positiven Seiten des Schicksalsschlags. Das neue Geschäft habe eine bessere Lage, sagen sie.

Neben der Hauptniederlassung betreibt Nicole Urbschat ein weiteres Studio in Kleinmachnow, ihrem Wohnort. Und auf Mallorca haben die Urbschats eine Finca, die sie für Fotoshootings verwenden. Außerdem bilden sie an ihrer privaten Berufsfachschule „Gestalterei“ in Charlottenburg junge Fotografen, Make-Up-Artists und Mediengestalter aus. Also Leute wie die Urbschats.

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