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Warnstreik TV-L Zweitägiger Warnstreik der ErzieherInnen und angestellten Lehrkräfte im Rahmen der Verhandlungen mit der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL).

© IMAGO/CHRISTIAN MANG

Tarifrunde der Länder: „Astronomisch ist nicht unsere Forderung, sondern der Aufholbedarf“

In der aktuellen Tarifrunde der Länder weist die Arbeitgeberseite die Forderungen der Arbeitnehmerschaft zurück. Das ist geschichtsvergessen, meint unsere Autorin von der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

Andrea Kühnemann
Eine Kolumne von Andrea Kühnemann

Stand:

Die aktuelle Tarifrunde der Länder wird gern auf zwei Zahlen verkürzt: sieben Prozent, mindestens 300 Euro. Die öffentlichen Arbeitgeber sprechen von einer astronomischen Forderung. Tatsächlich macht die Forderung von ver.di lediglich den enormen Aufholbedarf deutlich.

Denn wer heute über Lohnforderungen spricht, darf die vergangenen Jahre nicht ausblenden. Die hohe Inflation hat die Einkommen im öffentlichen Dienst real geschrumpft – spürbar und dauerhaft. Während Preise für Energie, Miete und Lebensmittel davongelaufen sind, blieb die Lohnentwicklung hinterher. Der Reallohnverlust ist kein abstrakter Begriff, er zeigt sich beim Wocheneinkauf, bei der Nebenkostenabrechnung, bei der Frage, ob Rücklagen möglich sind oder nicht.

Die Forderung nach sieben Prozent soll diesen Reallohnverlust ausgleichen. Und der Mindestbetrag von 300 Euro ist eine soziale Notwendigkeit. Gerade die unteren und mittleren Entgeltgruppen haben die Preissteigerungen besonders hart getroffen. Sogenannte Festbeträge gleichen dies zumindest teilweise aus.

Der öffentliche Dienst der Länder konkurriert längst nicht mehr nur mit anderen Behörden, sondern mit einem Arbeitsmarkt, in dem Fachkräfte überall gesucht werden. Wer Lehrkräfte, Pflegekräfte oder Verwaltungsbeschäftigte halten will, muss mehr bieten als warme Worte über Systemrelevanz.

Tarifpolitik ist keine Wohltätigkeit. Sie ist die Anerkennung von Arbeit – und in Zeiten anhaltend hoher Lebenshaltungskosten vor allem eines: die Korrektur eines anhaltenden Verlusts.

In unserer wöchentlichen Kolumne „In der Lobby“ kommentieren führende Köpfe der Berliner Wirtschaft die aktuelle politische Lage.

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