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Im Simulator der Lufthansa in Schönefeld üben die Piloten der Deutschen Marine die Steuerung der P-8A Poseidon, des größten Kampfflugzeugs der Bundeswehr.

© Peter Himsel

Update

Ausbildung im Simulator bei Berlin: Marineflieger trainieren für den Schattenkrieg gegen russische U-Boote

In Schönefeld übt die Crew des größten Kampfflugzeugs der Deutschen Marine. Dessen Auftrag ist es, Unterseeboote zu finden und im Ernstfall zu bekämpfen.

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Im Cockpit ist es eng, die Piloten sitzen fast Schulter an Schulter. Vor ihnen breiten sich Anzeigen und Instrumente aus. Das Flugzeug hält seinen Kurs, die Besatzung jagt russische Atom-U-Boote, die sich tief unter den Wellen des Atlantiks verbergen. Doch es handelt sich nur um ein Szenario, einen Simulator im Lufthansa Aviation Training Center (LAT) an der Grenze zwischen Schönefeld und Treptow-Köpenick. Hier lernen Marineflieger, das größte Kampfflugzeug der Bundeswehr zu steuern: die neue P-8A Poseidon.

Am Dienstag ist offiziell das Ausbildungsprogramm für die Piloten der Deutschen Marine gestartet. Der Simulator, eigentlich für Verkehrsflugzeuge gedacht, wurde an die militärischen Anforderungen angepasst. „Lufthansa Aviation Training wird die Besatzungen bestmöglich auf ihre Einsätze vorbereiten“, verspricht LAT-Chef Matthias Spohr.

Die Boeing P8-A Poseidon überwacht strategisch wichtige Seegebiete im Nordatlantik. Mit ihren Waffensystemen kann sie im Ernstfall U-Boote bekämpfen.

© SOPA Images/LightRocket via Getty Images

Zum Auftakt betonte Berlins Finanzsenator Stefan Evers (CDU) die Bedeutung der Hauptstadt für die Verteidigung: „Berlin hat ein einmaliges unternehmerisches Ökosystem.“ Wissenschaft, Unternehmen und Start-ups arbeiteten immer enger zusammen, wovon auch die Verteidigungsindustrie profitieren könne. Berlin als „Stadt der Freiheit und der Innovation“ werde bald konkrete Schritte unternehmen, um den Sektor Verteidigungstechnologie zu stärken. Details nannte er nicht.

Ein fliegender Gefechtsstand

In Schönefeld werden ausschließlich die Piloten ausgebildet. Betrieben wird die P-8A jedoch von einer elfköpfigen Crew. Im hinteren Teil des Flugzeugs steuern Operateure die Sensor- und Waffensysteme. Die Ausbildung dafür findet am Marinefliegerstützpunkt Nordholz in Niedersachsen statt, wo das Geschwader 3 „Graf Zeppelin“ stationiert ist. Es bildet das Kernstück der Seeluftstreitkräfte und ist Teil des Marinefliegerkommandos, dem etwa 2500 Soldaten unterstehen.

Die Poseidon, etwa 40 Meter lang und mit fast 40 Meter Spannweite, fungiert als fliegender Gefechtsstand. Sie überwacht Seegebiete, lokalisiert U-Boote und kann diese im Ernstfall auch bekämpfen – mit Torpedos, Wasserbomben und künftig Seezielflugkörpern. Mit Radar-, Video- und Akustiksystemen verfolgt sie Schiffsbewegungen, ein verdächtiges Gebiet kann mit abgeworfenen Sonarbojen genauer untersucht werden.

40
Meter beträgt die Spannweite der P8-A Poseidon.

„Wir sind U-Boot-Jäger“, sagt Broder Nielsen, Kommandeur des Marinefliegergeschwaders 3. Eine zentrale Aufgabe sei es, herauszufinden, wo sich russische Atom-U-Boote befinden.

Broder Nielsen ist der Kommandeur des Marinefliegergeschwaders, das die P-8A Poseidon einsetzen wird.

© dpa/Carsten Koall

Die Meere seien allerdings nicht überall gleich beschaffen; Unterschiede in Temperatur, Dichte oder Salzgehalt beeinflussten die Ortung erheblich. Die U-Boote nutzten zum Beispiel Schichten mit höherem Salzgehalt, um sich vor Sensoren zu verbergen.

Die Besatzungen verdienen das beste Equipment und die beste Ausbildung, denn sie müssen im Gefecht bestehen können.

Broder Nielsen, Kommandeur

Die Bundeswehr hat insgesamt acht Poseidon-Maschinen bestellt. Die erste wurde Anfang November geliefert. Im Dezember soll laut Nielsen die zweite Maschine eintreffen. Die Beschaffung der P-8A erfolgte vergleichsweise schnell über Foreign Military Sales (FMS), ein US-Programm, mit dem Partnerstaaten beschleunigten und abgesicherten Zugang zu amerikanischen Rüstungsgütern erhalten.

Für Nielsen ist Berlin nicht nur Ausbildungsort, sondern ein Stück persönlicher Geschichte. Vor über 30 Jahren habe er „als junger Oberleutnant“ einen Tornado-Kampfjet während der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung gesteuert, erzählt er mit sichtbarer Begeisterung in den Augen.

Heute aber steht für ihn die sicherheitspolitische Lage im Vordergrund. „Die Besatzungen verdienen das beste Equipment und die beste Ausbildung, denn sie müssen im Gefecht bestehen können“, sagt er. Ihr zentrales Einsatzgebiet, der Nordatlantik, sei strategisch entscheidend. Russland rüste auf und stelle eine wachsende Gefahr dar. Gegen diese Bedrohung helfe letztlich nur eines: Abschreckung. „Wenn der Angriff ausbleibt, dann haben wir unseren Auftrag erfüllt.“

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