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Der Berliner Kiosk der Solidarität ist eines der Projekte, die der vhw in seiner „Stadtmachen-Akademie“ bereits gecoacht hat.

© Monika Keiler

Ungenutzte Räume beleben: Diese Akademie coacht Kiez-Initiativen in Berlin

Bei der Zukunftskonferenz „Neustart Berlin“ wurde ein Projekt vorgestellt, das Initiativen bei der Kiezbelebung helfen soll. Ziel ist es, die Stadt grüner, gerechter und produktiver zu machen.

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Lohnt es sich, sich zu engagieren fürs „Stadtmachen“? Ein Kiez-Café aufzubauen, einen Gemeinschaftsgarten, ein leerstehendes Gebäude umzunutzen als Community-Ort? Die „Stadtmachen-Akademie“ des vhw Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung jedenfalls will Menschen ermutigen, sich einzubringen. Und sie geht darüber hinaus: Sie coacht Initiativen von Stadtmachern, wie sie sich selbst besser organisieren und Probleme lösen können, die der Verwirklichung ihrer Projektideen im Weg stehen. Das berichtete Sebastian Beck vom vhw Bundesverband bei der Konferenz „Neustart Berlin“.

50
Initiativen wurden bundesweit schon durch die Akademie gecoacht.

Es gehe darum, „ein Stück Stadt selbst zu machen“, sagte Beck – darum, „für einen konkreten Ort eine Entwicklung voranzutreiben, die nicht nur eine private Nutzung darstellt, sondern eine Nutzung, die für die Öffentlichkeit da ist.“ Im Gespräch mit dem Tagesspiegel ergänzte er: „Wir wollen den Leuten die Stadt zurückgeben.“ Ganz konkret können durchs „Stadtmachen“ Orte in der Nachbarschaft wiederbelebt werden, die in den Kiezen seit Jahren ungenutzt sind.

Bundesweit hat der Verband bereits mehr als 50 Initiativen im Rahmen der „Stadtmachen-Akademie“ unterstützt, in Berlin unter anderem die Radbahn unter der Hochbahntrasse der U1 in der Skalitzer Straße, den interkulturellen Begegnungsort Ulme 35 in Westend, den Kiosk of Solidarity und das Haus der Materialisierung, ein Netzwerk von Initiativen, die sich mit Kreislaufwirtschaft beschäftigen.

Wir wollen aus der Mitte-Blase rauskommen.

Sebastian Beck, vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung

Die bei der Neustart-Konferenz vorgestellte Variante der „Stadtmachen-Akademie“ legt nun einen Fokus auf Berlin: Ganz gezielt sollen Projekte aus möglichst allen zwölf Bezirken erreicht und unterstützt werden. „Wichtig ist uns, dass wir auch über den S-Bahn-Ring hinausgehen“, sagte Beck dem Tagesspiegel. „Wir wollen aus der Mitte-Blase rauskommen.“

Bewerben können sich für die Akademie Social-Start-ups mit Ideen zur Nutzung von öffentlichem oder privatem Raum, die dazu beitragen, die Stadt grüner, gerechter oder produktiver zu machen. Erste Aktionen sollen sie zum Zeitpunkt der Bewerbung bereits umgesetzt haben. Im zweiten Quartal 2026 werden die Teilnehmenden über einen offenen Aufruf ausgewählt. Im Sommer 2026 startet dann das eigentliche Programm.

Kostenlose Teilnahme für Initiativen

Finanziert wird das Ganze über Sponsoren aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Die sucht der vhw aktuell noch, bis Jahresende sollen die Sponsoren gefunden sein. „160.000 Euro sind das Sponsoring-Ziel für die Berlin-Ausgabe unserer Stadtmachen-Akademie“, sagte Beck. „Als Minimum hoffen wir auf 80.000 Euro.“ Für die Initiativen selbst wird die Teilnahme an dem Programm kostenlos sein.

Eineinhalb Jahre lang soll die Begleitung der Projekte im Rahmen der Akademie dauern. Mehrere Veranstaltungen sind Teil des Ganzen, unter anderem ein öffentliches Symposium am Ende der eineinhalb Jahre: „Die kleinen Projekte fördern, die großen Idee dahinter zeigen“ sei das Ziel, sagte Beck.

Bei der öffentlichen Veranstaltung solle deutlich werden, wie wichtig das „Stadtmachen“ durch solche Initiativen ist. „Jeder Euro, den Berlin ins Stadtmachen investiert, zahlt sich vielfach als Stadtrendite aus.“ Und zu erleben, wie sich Orte in der eigenen Nachbarschaft, die vielleicht lange vor sich hin geschlummert haben, beleben, sei eben auch über das konkrete Projekt hinaus eine Quelle der Inspiration.

Wir machen aus einer Blume einen Dampfer.

Sebastian Beck, vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung

Neben den Veranstaltungen gibt es für die teilnehmenden Initiativen auch maßgeschneiderte Beratung: „Aktuell coachen wir in Berlin das Freiraumlabor. Die betreiben in Neukölln einen Kleingarten, den sie in einen grünen Bildungsort verwandelt haben“, sagte Beck auf der Neustart-Konferenz. Allerdings gebe es in der Initiative eine hohe Fluktuation. „Wir beraten sie bei der Frage: Wie geht eigentlich gute Selbstorganisation?“

Weitere Beratungsschwerpunkte können die Konzeptentwicklung im Allgemeinen oder die Finanzierung sein, aber auch die Frage, wie man eine gute Projektidee verstetigt. Und, ganz wichtig: wie man die Projekte so aufstellt, dass sie auch dann weitermachen können, wenn die Förderung aus einem Projekttopf ausläuft. „Wir wollen die Ideen krisensicher und über die Projektförderung hinaus nachhaltig machen“, sagte Beck.

Die Akademie soll also das leisten, was Fördergeldgeber normalerweise nicht tun: „Wenn du als Initiative 10.000 Euro bekommst, hast du noch lange nicht das Know-how, wie du die vernünftig einsetzt“, sagte Beck. Die Hoffnung ist, dass die Projekte durch die Akademie nachhaltiger bestehen bleiben. Beck versprach: „Wir machen aus einer Blume einen Dampfer.“

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