Bewerbungsphase für Berliner Stiftungswoche : Was bedeutet eigentlich Glück?

Ab sofort können sich Berliner Stiftungen für die Aktionswoche mit eigenen Themen bewerben. Der Schwerpunkt in diesem Jahr lautet „Glück heute?“.

Das Schwerpunktthema der Stiftungswoche im April 2020 lautet „Glück heute?“.
Das Schwerpunktthema der Stiftungswoche im April 2020 lautet „Glück heute?“.Foto: Sven Hoppe/dpa

Das Glück ist ein weites Feld. Den einen macht es froh, auf einem Surfbrett über die Wellen zu reiten, den anderen, mit der Familie „Mensch ärgere Dich nicht“ zu spielen. Auch wenn man einem Kind, dem man vorliest, den Horizont weitet, kann das glücklich machen.

Viel Raum für Interpretationen also bietet das Thema der nächsten Berliner Stiftungswoche, die vom 14. bis zum 24. April stattfindet. Ihr Schwerpunktthema lautet „Glück heute?“. Stiftungen können sich jetzt mit eigenen Themen bewerben. Anmeldeschluss ist der 14. Januar 2020.

Die Organisatoren um Geschäftsführer Stefan Engelniederhammer haben das Thema zunächst mit Anregungen politisch eingefasst. Was es eigentlich bedeute, ein glückliches Leben zu führen, während die Welt aus den Fugen gerät, während das Klima sich drastisch verändert und die westlichen Demokratien plötzlich gefährdet scheinen, können sie sich unter anderem als Diskussionsthemen vorstellen.

Dazu gehören auch Fragen wie die, was sinnstiftend sein kann in der heutigen Welt. Und natürlich der Klassiker: „Wo endet das Private und wo beginnt das Politische?“

Seit 2010 findet im Frühjahr die Berliner Stiftungswoche statt. Sie soll eine unabhängige Plattform sein, die zeigen will, was Stiftungen bewegen können, wie sie zivilgesellschaftlich Verantwortung übernehmen.

Erfahrungsgemäß kommt dabei ein überaus facettenreiches Programm heraus. An elf Tagen präsentieren sich mehr als 100 Stiftungen in etwa 150 Veranstaltungen erwartungsgemäß rund 18 000 Besuchern. Sie mischen sich in aktuelle Debatten ein und machen sich stark für ein respektvolles Miteinander und eine offene Gesellschaft.

„Partikularinteressen können und sollen auch gefördert werden“

Zu den 30 Mitgliedern der Berliner Stiftungsrunde gehören die Allianz Kulturstiftung, die BMW Foundation Herbert Quandt, das Deutsche Zentralinstitut für Soziale Fragen, das Evangelische Johannesstift Berlin, die Robert Bosch Stiftung und die Stiftung Zukunft Berlin. Schirmherrin ist Daniela Schadt, die Partnerin des früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck.

Stifter müssten nicht zwingend allein das Große und Ganze im Blick haben, sagte dieser in seiner Stiftungsrede im letzten April. „Partikularinteressen können und sollen auch gefördert werden.“ Von Jahr zu Jahr hat der kreative Umgang der Stiftungen mit dem jeweiligen Thema zur Anziehungskraft der Stiftungswoche beigetragen.

Jede Stiftung, die in Berlin aktiv ist, kann sich beteiligen. Die meisten Veranstaltungen werden von den Stiftungen selbst konzipiert. Der Rahmen bietet aber exzellente Möglichkeiten zum Netzwerken. Außerdem werden Impulse geschaffen für die Gründung neuer Stiftungen. Es geht auch darum, Menschen, die etwa ein Erbe sinnvoll einsetzen wollen, auf gute Ideen zu bringen.

Als die erste Stiftungswoche über die Bühne ging, gab es rund 700 Stiftungen in Berlin. Zehn Jahre später sind es fast 1000. Seit 2005 sitzt die Geschäftsstelle des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen direkt am Checkpoint Charlie. Der Standort ist bewusst gewählt, um integrative Zeichen auszusenden. Das kann auch im Jahr 30 nach dem Mauerfall, dem Glücksfall der deutschen Geschichte, nicht schaden.

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