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120-Meter-Baustelle in Berlin-Steglitz : Warum geht's am Kreisel nicht weiter?

Der Turm ist ein Wahrzeichen im Berliner Südwesten. Doch viele wundern sich: Da geht nichts voran. Hier das Update der Investoren.

Illustration des geplanten neuen Steglitzer Kreisels, erleuchtet bei Nacht.
Wie der neue Kreisel aussehen soll.Foto: Fuchshuber Architekten GmbH

Den Kreisel von Berlin-Steglitz sieht man immer. Wenn die S-Bahn in Friedenau über die Bezirksgrenze rollt, wenn Sie im M48er die Drakestraße passieren oder am Steglitzer Damm auf das Grün der Ampel warten - der 120-Meter-Turm am Rathaus Steglitz ist überall zu sehen.

Der ist schon lange eine bekannte Berliner Baustelle, und immer wieder fragen Leserinnen und Leser des Tagesspiegel-Newsletters für Steglitz-Zehlendorf, ob sich auf der Baustelle noch etwas tue, es sei kein Baufortschritt zu beobachten. Also fragte ich bei Matteo Twerenbold, dem Kommunikationsdirektor der consus real estate ag (die im letzten Sommer von ADO Properties erworben wurde), nach.

Das Wichtigste vorab: „Den Befürchtungen, der Steglitzer Kreisel würde im Stadium einer ‚halbfertigen Bauruine‘ verharren, fehlt jede Grundlage“, teilte er dem Tagesspiegel-Newsletter für den Berliner Südwesten mit. Der Bau geht weiter – und zwar ab März.

Hier die Details „für die Bauverzögerungen auf wahrscheinlich Berlins prominentester Baustelle, die man schwerlich verbergen kann“:

  • Es sei eine statische Ertüchtigung der gesamten Trägerstruktur erforderlich gewesen, Stahlstützen seien verstärkt, Schadstoffe beseitigt und Korrosionsschutz aufgetragen worden.
  • Weil sich beim Bau „Umstände“ ergeben hätten, hätten Pläne angepasst und einzelne Kaufverträge nachverhandelt werden müssen.
  • Der harte Lockdown wirke sich auf den Einsatz von Arbeitskräften und auf die Anlieferung von Baustoffen aus.
  • Und: Es sei Winter. Die witterungsbedingte Pause werde „branchenüblich von Dezember bis März gemacht“.

Im Frühjahr 2021 wird es wieder lebhafter auf der Baustelle. „Wir gehen aufgrund der konkreten Witterungsverhältnisse sicher davon aus, im März mit den Arbeiten fortschreiten zu können“, erklärt Unternehmenssprecher Twerenbold. Auch die Arbeiten am Sockel würden ab März weitergeführt.

Vorne der Sockel mit dem Busbahnhof, dahinter der Turm.
Vorne der Sockel mit dem Busbahnhof, dahinter der Turm.Foto: "Fuchshuber Architekten GmbH"

Matteo Twerenbold beendet seine Stellungnahme voller Optimismus, den ich gerne an Sie weitergebe: „Das Projekt ist und bleibt eines der Vorzeige-Projekte für diese Stadt, das vollständig umgesetzt eine Erfolgsgeschichte für Berlin im Allgemeinen und den Bezirk im Besonderen schreiben wird.“

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Das senkrecht aufragende Fischgerippe ist ein unschöner Anblick und keine angemessene 120-Meter-Visitenkarte für den Bezirk. Die Alles-wird-gut-Nachricht mitten im Lockdown, hört sich gut an – Hauptsache, sie erweist sich als wahr. Bislang war seitens des Bauherrn geplant, dass 2022 die ersten Mieter in die Wohnungen einziehen können. Noch zieht es im zukünftigen Wohnturm sehr.

2021 sollen die Fassadenteile eingehängt werden am Turm. Das hatten die Investoren letztes Jahr bereits angekündigt. Und dann geht es an den Sockel. Deshalb hier noch schnell ein Blick zurück auf den Südwest-Newsletter im Frühsommer 2020, als die Planer die nächsten Schritte im Rathaus vorgestellt hatten, bitteschön:

Eine sechsgeschossige Fassade aus Glas und Naturstein soll sich gegenüber vom Hermann-Ehlers-Platz erheben. Sie orientiere sich an den „großen Berliner Warenhäusern der 1920-er Jahre“, erklärte Architekt Gregor Fuchshuber damals im Stadtplanungsausschuss. Es werde sich ein „Spiel aus Loggen und Glas“ sowie der vorgeblendeten Naturstein-Konstruktion ergeben.

Hier noch eine Perspektive an andere Ende.
Hier noch eine Perspektive an andere Ende.Foto: "Fuchshuber Architekten GmbH"

Im Erdgeschoss sei eine an der Schloßstraße beginnende „großzügige“ Arkade mit Geschäften geplant, die sich an der Albrechtstraße entlang und bis in die Kuhligkshofstraße hineinziehen solle. So entstünde für die Fußgänger und die Fahrgäste der BVG, die heute an der Bushaltestelle vor dem Drogeriemarkt zu Spitzenzeiten auf dem Gehweg oft kaum Platz finden, mehr Platz. Die Ecke von Albrecht- und Kuhligkshofstraße – heute werden dort bei „Curtman“ Haare geschnitten – soll abgerundet und ebenfalls auf sechs Geschosse „aufgefüllt“ werden.

Und hier noch eine Simulation vorne an der Straße.
Und hier noch eine Simulation vorne an der Straße.Foto: "Fuchshuber Architekten GmbH"

Das gilt auch für das Kreisel-Parkhaus, offiziell sind es die Bauteile C+E: Wo bisher Autos stehen oder stehen sollten (die oberen Etagen seien schon lange nicht mehr nutzbar und gesperrt, hieß es), werden zukünftig auf sechs Etagen Schreib- und Ladentische stehen. Das gesamte Parkhaus werde entkernt und dann oberirdisch zu Büros und Gewerbeflächen umgebaut, erläuterte der Architekt. Geparkt könne weiterhin im Untergrund werden: Bisherige Anlieferungsflächen würden umgewandelt. Als der Kreisel gebaut wurde, waren im Parkhaus um die 700 Parkplätze vorgesehen. Aufgrund größerer Autos und baulicher Gegebenheiten, würden heute maximal zwischen 400 bis 500 Autos am Kreisel Platz finden, so Gregor Fuchshuber. Sollte der Umbau so wie geplant stattfinden, wären später unter der Erde Stellplätze für etwa 360 Bewohner, Gäste und Kunden vorhanden.

Der Steglitzer Kreisel
Eigentlich sollten die Schadstoffe in dem 118 Meter hohen Gebäude am südlichen Ende der Schloßstraße bis Januar 2015 beseitigt sein. Aber jetzt wurde aus vergaberechtlichen Gründen die Sanierung der Geschosse ab der vierten Etage neu ausgeschrieben. Sie sollen laut Ausschreibung bis zum 22. April 2016 beendet sein.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Kai-Uwe Heinrich
29.07.2014 16:33Eigentlich sollten die Schadstoffe in dem 118 Meter hohen Gebäude am südlichen Ende der Schloßstraße bis Januar 2015 beseitigt...

Büros sowie Arztpraxen sollen auch im Gebäudeteil B an der Kuhligkshofstraße einziehen, das Hotel an der Albrechtstraße wird zu Gunsten weiterer Gewerbe- und Büroflächen verkleinert (Bauteil A). Gewohnt wird zukünftig nur im Turm und in den Sockelgeschossen darunter – also zur Schloßstraße hin (Bauteil D). In den Sockelgebäuden sind grüne Innenhöfe geplant. Weil der Busbahnhof der BVG größer werden soll, wird die bisher vom Outdoor-Laden Globetrotter genutzte Gewerbefläche kleiner werden (Globetrotter zieht demnächst in das Gebäude von Sport Scheck in der Schloßstraße um). Ein großes Plus der räumlichen Umverteilung: Zukünftig soll man durch zwei zusätzliche Wege quer durch das Gebäude vom S-Bahnhof über den Busbahnhof zum Hermann-Ehlers-Platz gelangen können.

Bauherr Jürgen Kutz war begeistert von den Plänen. Er sprach damals nach der Präsentation im Ausschuss von einer „freundlichen“, „hellen“ und „repräsentativen“ baulichen Lösung. „Es ist ja das Eingangstor zu einer der wichtigsten Einkaufsstraßen Berlins“, sagte er, hier kaufe der Berliner. Einen „deutlichen dreistelligen Millionenbetrag“ werde Consus in den nächsten Jahren in den Neubau der Sockelgebäude investieren. „Es muss ja jetzt 50 bis 100 Jahre toll sein“, erklärte er. 2025 solle das gesamte Ensemble fertig sein. Mehr lesen Sie hier im Newsletter im Frühsommer 2020.

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