Blackout in Köpenick : Der größte und längste Stromausfall in Berlin seit Jahrzehnten

Nach einem Kabelschaden durchlebte Köpenick den Ausnahmezustand. Erst am Mittwochabend gingen die Lichter dort wieder an.

Ein Polizeibeamter regelt den Verkehr nach dem Stromausfall in Köpenick.
Ein Polizeibeamter regelt den Verkehr nach dem Stromausfall in Köpenick.Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Der Stromausfall in Treptow-Köpenick ist nicht nur der großflächigste, sondern auch der weitaus längste, den Berlin in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat. Mehrfach musste Vattenfall seine Prognosen zur Wiederherstellung der Stromversorgung korrigieren: Zunächst war von 3 Uhr in der Nacht zu Mittwoch die Rede, später von 15 Uhr nachmittags und dann schließlich von einer ab 18.30 Uhr anlaufenden Teilversorgung. Und tatsächlich floss der Strom am frühen Abend wieder: Laut Vattenfall wurde die Köpenicker Altstadt seit 19 Uhr wieder mit Strom versorgt. Um 21 Uhr waren die Reparaturarbeiten dann abgeschlossen, sagten Arbeiter dem Tagesspiegel. Gegen 21.30 hingen dann, nach 31 Stunden, sämtlich verbliebenen Kieze wieder am Netz.

Dunkel wurde es am Mittwoch dann auch noch andernorts: In Rudow waren am Abend 3000 Haushalte sowie 58 Gewerbetriebe ohne Strom, wie ein Sprecher der Berliner Feuerwehr dem Tagesspiegel sagte. Einen Zusammenhang mit der Störung in Köpenick sei aber nicht gegeben: „Es handelt sich um einen gewöhnlichen Stromausfall, denn es immer wieder mal in der Stadt gibt“, sagte der Sprecher.

Betroffen waren in Rudow die Straßenzüge rund um die Waßmannsdorfer Chaussee. Hier war es aber nur für 40 Minuten dunkel, bevor das Problem behoben werden konnte. Ursache sei ein Kabelfehler gewesen, sagte Olaf Weidner, Sprecher der Vattenfall-Tochter Stromnetz Berlin.

Keine Auskunft zum Kabelverlauf eingeholt

Der Strom in Köpenick war am Dienstag um 14.10 Uhr ausgefallen, nachdem bei Bauarbeiten an der Salvador-Allende-Brücke eine Baufirma nacheinander zwei 110-Kilovolt-Leitungen mit je drei einzelnen armdicken Kabeln komplett durchbohrt hatte. „So eine Situation hatten wir noch nie“, hieß es bei der Vattenfall-Tochter Stromnetz, deren Reparaturtrupps seit Dienstagabend ununterbrochen an der schlecht zugänglichen Schadensstelle an der nördlichen Brückenrampe arbeiteten.

Laut Verkehrsverwaltung sollte mit der fatalen Bohrung eine Spundwand befestigt werden. „Die ausführenden Firmen sind in Baubesprechungen auf die Leitungen hingewiesen worden“, sagte ein Sprecher. Ein Planungs- oder Ausführungsfehler sei ebenso denkbar wie eine falsche Information zur Lage der Kabel.

Nach Angaben von Vattenfall hat die ausführende Baufirma vorab keine „Trassenauskunft“ zum Verlauf der Kabel eingeholt, was grob regelwidrig sei. Brücken gelten wegen der dort nötigen Bündelung von Versorgungsleitungen als neuralgische Punkte.

Für die Bewohner der betroffenen Ortsteile Bohnsdorf, Grünau, Köpenick, Müggelheim und Schmöckwitz hatte der Blackout massive Auswirkungen: Vier Straßenbahnlinien wurden teilweise eingestellt, S-Bahnen fuhren nach ausgedünntem Fahrplan und hielten in der Dunkelheit nicht an unbeleuchteten Bahnhöfen.

Praktisch alle Geschäfte und Restaurants der Gegend schlossen – und dürften zusätzlich wegen verdorbener Kühlware massive Verluste erleiden. Auch mehrere Schulen und Kitas blieben am Mittwoch geschlossen. Die Betroffenen erfuhren das oft erst bei der morgendlichen Ankunft, da kurz nach dem Stromausfall auch das Handynetz in dem Gebiet ausgefallen war, sodass batteriebetriebene Radios als einzige Informationsquelle blieben.

Als weiteres großes Problem erwies sich der Ausfall von Heizungen und Warmwasserversorgung – zunächst weil zwei Heizkraftwerke vom Netz gegangen waren und später wegen nicht funktionierender Pumpen und Regler.

Katastrophenschutz vor Ort

Die Polizei hat ihre Präsenz in Köpenick erhöht. An großen Kreuzungen regelten Beamte wegen ausgefallener Ampeln den Verkehr, außerdem wurden laut Präsidium drei mobile Wachen und Bereitschaftspolizisten zum Streifendienst in den Berliner Südosten verlegt. Außergewöhnliche Vorkommnisse oder Plünderungen habe es in der ersten Nacht des Stromausfalls – manche Läden entlang der dunklen Straßen waren nur notdürftig verbarrikadiert worden – nicht gegeben.

Das Krankenhaus Köpenick war von dem Ausfall dank Notstromversorgung zwar nicht direkt betroffen, verlegte aber vorsorglich 23 Intensivpatienten. Ein Krisenstab des Bezirksamtes tagte im Rathaus Treptow. Am Archenhold-Gymnasium wurde eine warme Notunterkunft eingerichtet. Vor dem dunklen Rathaus Köpenick parkte ein Lkw des Katastrophenschutzes, in dem Bürger sich informieren und ihre Handys laden konnten.

Die BVG hatte auf Vorschlag der Feuerwehr ihr Fahrpersonal zum Ansprechpartner für Notfälle erklärt: „Das bietet sich an, weil Busse und Bahnen ein eigenes Funknetz haben und die Leitstelle rund um die Uhr besetzt ist“, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken.

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