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Heerstraße Nord, tief im Westen Berlins.
© Kai-Uwe Heinrich

Mindestens 82 Taten: Brandstiftungs-Serie in Berlin-Spandau hält schon ein Jahr an

Seit April 2021 hat es im Gebiet Heerstraße Nord mindestens 82 Mal gebrannt. Trotz verdeckter Ermittler und Videoüberwachung nimmt die Serie kein Ende.

Ein Jahr hält die Brandstiftungs-Serie in Berlin-Spandau in Bereich Heerstraße Nord inzwischen an und die Polizei bekommt das Problem nicht in den Griff. Am Mittwochabend brannte es erneut im Keller eines der Hochhäuser in der Obstallee im Stadtteil Staaken, wo die meisten Feuer vermutlich von einem oder mehreren Brandstifter:innen gelegt werden.

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Mehrere Kellerverschläge brannten, Kabel und Versorgungsleitungen wurden beschädigt, der Rauch zog durch Flure in angrenzende Häuser, zahlreiche Bewohner:innen mussten ihre Wohnungen verlassen. Zuvor hatte es zuletzt am Sonntag gebrannt, ebenfalls in einem der Keller der großen Mietshäuser an derselben Straße.

Seit April 2021 gebe es eine Zunahme von Bränden, teilte die Polizei mit. Darunter seien viele Kellerbrände in der Großsiedlung Obstallee in Staaken. Betroffen seien auch Häuser in dem benachbarten Straßen der Obstallee, die ebenfalls zu der großen Siedlung gehörten.

Die Polizei geht meistens von Brandstiftungen durch eine:n oder mehrere Täter:innen aus. Inzwischen würde bei 82 Bränden geprüft, ob sie zu der Tatserie gehörten.

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Im Januar hatte die Polizei eine neue Ermittlungsorganisation „Quartier“ beim Landeskriminalamt eingerichtet, die sich mit diesen Brandanschlägen befasst, den oder die Täter:in sucht und auch versucht, weitere Brandstiftungen durch vorbeugende Maßnahmen und Gespräche mit den beunruhigten Bewohner:innen zu verhindern. Die Polizei nahm bereits Verdächtige fest, aber die Brände gingen weiter.

Verdeckte Ermittler:innen, Streifen und Belohnung für Hinweise

Verdeckte Ermittler:innen der Kriminalpolizei, uniformierte Streifen und Teams zur vorbeugenden Beratung sind in dem Gebiet unterwegs. Eine Belohnung von 1000 Euro wurde für Hinweise ausgesetzt.

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Innensenatorin Iris Spranger (SPD) hatte die Wohnungsbaugesellschaften dringend aufgefordert, herumliegenden Müll in den Häusern schneller zu entsorgen, Türschlösser zu reparieren und Hausmeister:innen und Wachleute einzusetzen. Die Bewohner:innen seien inzwischen sehr ängstlich, sagte Spranger im März.

Dann wurde ein Zehn-Punkte-Plan für mehr Sicherheit und Sauberkeit beschlossen, beteiligt waren neben Spranger auch Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel und die zuständige Wohnungsbaugesellschaft.

Unter anderem sollen die Hausmeister:innen besser erreichbar sein, Müllplätze sollen erneuert und Schrottautos entfernt werden, kaputte Klingelanlagen und Lampen sollen repariert werden und Videoüberwachung und Wachdienste sollen die Polizei unterstützen.

Die Obstallee-Siedlung gehört zum Neubaugebiet Heerstraße Nord aus den 60er- und 70er-Jahren mit vielen Hochhäusern. Das Gebiet mit insgesamt etwa 8000 Einwohner:innen gilt als sozialer Brennpunkt und Problemkiez mit hoher Arbeitslosigkeit, niedrigen Einkommen und viel Kriminalität - so wie andere Hochhaussiedlungen - etwa Märkisches Viertel, Gropiusstadt oder Teile von Marzahn-Hellersdorf - auch. (dpa)

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