Bürger in Kreuzberg fordern : Unsere Sportschule soll bleiben!

Die Zukunft der Schule ist unklar, da der Eigentümer die doppelte Miete will. Vor der Bezirksvollversammlung fanden Proteste statt, am Samstag geht es weiter.

Karate-Sportler.
Karate-Sportler.Symbolbild: Imago/Blickwinkel

Die Kreuzberger Sportschule Yayla soll im Kiez bleiben. Das fordern nicht nur die etwa 160 Kinder und 70 Erwachsenen, die in der Schule bei "Meister" Karen Yayla Taekwondo, Karate, Kickboxen und Selbstverteidigung trainieren, sondern auch die Initiative Gloreiche Nachbarschaft, die Abgeordnete Canan Bayram (Grüne) und die Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg.

So traten die Grünen, die Linke, die SPD und die Partei der von Timur Husein (CDU) eingebrachten Resolution bei, die ohne Gegenstimmen (drei Enthaltungen von der AFD) beschlossen wurde. Die Zukunft der Schule ist unklar, denn der Hauseigentümer, Gesellschafter eines Fonds der Minerva Immobilien, will die doppelte Miete kassieren.

Die Flächennutzung soll "optimiert" werden

Der Mietvertrag für die Räumlichkeiten in der Forster Straße 4 lief bereits 2017 aus, wurde aber mit erhöhter Miete verlängert. Kürzlich stellte der Eigentümer die Yaylas vor die Wahl, entweder die doppelte Miete zu zahlen oder eine Nutzungsvertrag zu unterschreiben.

Der Vertrag besage laut einer Pressemitteilung der Gloreichen, die Schule dürfe die Fläche nur noch an vier Tagen pro Woche für jeweils sechs Stunden nutzen und müsse außerhalb dieses Zeitraums alle "persönlichen Gegenstände" entfernen. In der restlichen Zeit würde an andere Nutzerinnen vermietet. Trainer Yayla entschied sich gegen diesen Schwebezustand, die doppelte Miete kann er nicht aufbringen.

Der Eigentümer erklärte dieser Zeitung dagegen, die Nutzungsvereinbarung sehe für die Sportschule „die gleiche Nutzungszeit und keine Erhöhung der Ist-Miete“ vor. Trainer Yayla habe dieser Vereinbarung zunächst zugestimmt. Gleichzeitig solle die Nutzung der Fläche „optimiert“ werden, für eine zeitweise Vermietung gäbe es bereits viele Interessenten. Für die persönlichen Gegenstände gäbe es laut Eigentümer bestimmt eine Lösung, „wobei das sicher nicht im Vordergrund stehen sollte“.

Proteste schon vor der BVV

Viele Kinder protestierten mit Vierkanthölzern schon vor Beginn der BVV, dass sie mit dieser Entscheidung nicht einverstanden sind. Die Schule wurde vor zehn Jahren gegründet, Trainer Yayla hat die 300 Quadratmeter große Fläche selbst renoviert. Seither ist die Schule ein wichtiger Ort für viele Kinder, die sogar kostenlos mittrainieren dürfen, wenn sich Familien die Mitgliedsbeiträge nicht leisten können. "Es kann nicht sein, dass die Sportschule geschlossen werden muss, weil man sich nicht auf einen Mietvertrag einigen kann", sagte Fraktionssprecher Julian Schwarze (Grüne) in der BVV. Eine Einigung sei wichtig, denn die Schule leiste einen Beitrag "zum Zusammenleben aller Menschen der Bevölkerung", ergänzte Oliver Nöll (Linke).

Die Gloreichen haben für den kommenden Samstag ab 14h zu einer Kundgebung vor der Forster Straße 4 eingeladen. Forderung: Die Yayla-Sportschule soll bleiben und einen fairen Vertrag erhalten. Zum Facebook-Event geht es hier entlang.

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