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Berlin-Spandau: CDU möchte Brücken von Liebesschlössern befreien

Verliebt in Berlin: Sie baumeln an vielen Brücken der Stadt, der Brauch schwappte einst von der Seine an die Spree - und an die Havel. Dort hat man nun eine Idee.

Die Spandauer CDU hat die Liebe entdeckt. Im nüchternen Politikalltag kommt so etwas doch viel zu selten vor. Deshalb an dieser Stelle schon mal ein großes Lob. Gleich zwei „Kunstwerke für die Liebe“ möchten die Christdemokraten vom Bezirksamt in Auftrag geben lassen. Aufgestellt werden sollen sie vorm Standesamt und am Trausaal auf der Zitadelle.

Die Kunstwerke dienen allerdings nicht ausschließlich der Liebesförderung. Die CDU verfolgt handfeste ordnungspolitische Ziele. Es geht um die Liebesschlösser, die überall in der Stadt Brückengeländer beschweren und vor Jahren für illegal erklärt wurden. Der Brauch schwappte einst von der Seine bis an die Spree. In Paris verbiegen sich bereits die Brücken unter der Liebeslast, in Berlin ist das Ausmaß der Verschlösserung noch überschaubar.

Die CDU möchte „den Verliebten auch weiterhin die Möglichkeit geben, diesen schönen Brauch zu pflegen“. Aber bitte nur noch an dafür vorgesehenen, statisch unbedenklichen Tragekonstruktionen, die auch als Kunstwerke zu deuten sind. Und wenn man schon am Standesamt sein Schloss einhängt, kann auch gleich ein Termin für das klassische Treueversprechen anberaumt werden. Die Spandauer CDU handelt also ganz im Sinne ihres familienpolitischen Grundsatzprogramms. Und die SPD? „Der Antrag wurde mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen“, sagt Fraktionschef Christian Haß – er sei aber nicht als Satire abgetan worden. „Wir werden das wohl nicht ablehnen, solange der Haushalt nicht belastet wird.“

Große Koalition in Liebesfragen. Die magische Kraft eines auf ewig geschlossenen Bundes, wie er nur auf einer Brücke besiegelt werden kann, findet aber keinen Widerhall. Die Politiker an der Havel haben die Liebe wohl doch noch nicht verstanden.

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