Checkpoint-Interview mit BER-Chef : „Jeden Tag mehr Vertrauen in das Gelingen“

BER-Countdown: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup antwortet dem Checkpoint – und hat selbst auch ein paar Fragen.

Der Mann mit dem Bauhelm. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.
Der Mann mit dem Bauhelm. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.Bernd Settnik/dpa

Für die ITB hatte der Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“ mit der Flughafengesellschaft ein ziemlich abgehobenes Live-Interview auf dem Messegelände vereinbart: Erst sollten wir Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup ein paar Fragen stellen – und dann er uns.

Nach der ITB-Absage haben wir uns gesagt: Davon lässt sich weder der Checkpoint, noch der Flughafenchef stoppen – wir machen das trotzdem! Kurz und knackig, virenfrei und Corona-resistent im Ping-Pong per Mail. Es beginnt mit den Fragen des Checkpoints (CP) an den Flughafenchef (ELD):

CP: Sie glauben an die Eröffnung des BER wie der Papst an die Wiederauferstehung – konnten Sie Ihre Jünger in der FBB denn inzwischen auch alle überzeugen?
ELD: Um das Glauben geht es doch gar nicht! Es geht um das strukturierte Fertigwerden. Und das machen wir. Gemeinsam, konzentriert und mit den erwarteten Fortschritten. Dass der Glaube an den BER noch vor der Eröffnung alle erfasst, wäre nach den vielen bitteren Jahren etwas zu viel verlangt. Aber wenn ich in die Augen meiner Leute schaue, sehe ich jeden Tag mehr Vertrauen in das Gelingen.

CP: Haben Sie denn alle Komparsen für den Probetrieb zusammen?
ELD: Wir haben bewusst bis zur ITB noch ein paar Tausend Plätze für vier Probesamstage im Spätsommer und im Frühherbst zurückgehalten. Jetzt planen wir die Vergabe für die kommenden Wochen. Das könnte für den Teil der Leser interessant sein, die nicht immer nur über den BER lesen wollen. Selbst anschauen ist doch etwas ganz Anderes!

CP: Welcher Flug wird denn der erste sein, der vom BER aus startet?
ELD: Höchstwahrscheinlich wird es eine Easyjet-Maschine sein, die am 1. November gegen 6.00 Uhr morgens startet. Am Tag der Eröffnung wird ab Nachmittag am BER gelandet. Dann kommen neben einigen Langstreckenflugzeugen über 30 Easyjet-Maschinen rein.

CP: Welche Jobs sind in der FBB zur Eröffnung des BER dringend zu besetzen?
ELD: Praktisch alle unsere Dienstleister und Partner, die jetzt in Tegel sind, suchen für den BER noch zusätzliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zum Beispiel für den Verkauf, bei der Sicherheit, beim Check-in oder dem Gepäckservice. Wer schon immer am Flughafen arbeiten wollte, hat jetzt die große Chance. Rechtzeitiges Bewerben sichert die besten Arbeitsplätze.

Und jetzt die Fragen des Flughafenchefs an den Checkpoint:

ELD: Wie würde aus Ihrer Sicht die ideale BER-Eröffnung aussehen?
CP: Aus Sicht des Checkpoints? Ungefähr so: Der Flughafenchef stolpert bei der Generalprobe über ein liegengebliebenes Kabel und schießt im Fallen mit dem Korken einer Flasche Dom Perignon eine schlampig festgeschraubte Säule im Terminal um. Unterm schwankenden Dach reißt eine Deckenplatte aus ihren brüchigen Dübeln und platscht in die kofferberghohe Festtagstorte.

Während sich der Prüfingenieur aus dem Landkreis Dahme-Spreewald die Sahne aus den Augen reibt, rennt ein Biber panisch durch den Security-Check und löst einen Großalarm aus. Der Schönefelder Schützenverein marschiert auf. Die Sprinkleranlage versprüht Kölnisch Wasser, aus den Lautsprechen erklingt „Help!“ von den Beatles, auf den Bildschirmen erscheint ein Video der Eröffnungs-Absage-PK von 2012, Klaus Wowereit spricht: „Der BER ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte.“

Ein Wildpferd aus dem Stall der Flughafengesellschaft galoppiert über die Startbahn und versucht abzuheben, der Flughafenpfarrer murmelt betend ein „Hosianna“ und rezitiert die alttestamentarische BER-Genesis, Buch Hartmut Mehdorn: „Wir werden fertiger und fertiger.“ Aus der Brandschutzanlage erklingt ein rasselndes Husten, rosaroter Qualm steigt auf und vernebelt die Einflugschneise. In der Checkpoint-Redaktion springt Punkt Mitternacht der BER Count-up um: 3073 Tage seit Nichteröffnung…

… aber als ein paar Stunden später die Sonne aufgeht, erwacht der modernste Flughafen Europas wie Schneewittchen aus dem Koma, wachgeküsst vom Geburtstagskind. Als wäre in der Nacht Harry Potter mit seinem Zauberstab eingeflogen, ist alles an seinem Platz. Sogar der Getränkeautomat funktioniert.

Die Belegschaft singt dem Flughafenchef zum 64. Geburtstag ein Ständchen, angestoßen wird mit einem halbvollen Glas Mineralwasser Medium. Am Horizont schimmert es wie bei einer Fata Morgana. Ein leichtes Brummen weicht einem Dröhnen, langsam schälen sich die Konturen eines Flugzeugs heraus. Ungläubiges Staunen. Sanft setzt es auf. Dankbarer Beifall erklingt.

ELD: Was wird der Checkpoint am meisten vermissen, wenn der BER auf ist und Tegel zu?
CP: Tegel (und dort besonders die so genannten „Bodendienstleister“ – bis mindestens zum 31.10.2020 ein Quell unfassbarer Geschichten).

ELD: Der Checkpoint ist mit der engen Begleitung des BER groß geworden. Gibt es schon Überlegungen, welchem Projekt sich der Checkpoint nach der Eröffnung des BER mit so viel Häme widmen will?
CP: Nachdem der Checkpoint engagiert und nachhaltig mit konstruktiver Kritik geholfen hat, den BER zu eröffnen, wendet er sich der Fertigstellung des Kölner Doms und der Sagrada Família sowie der Wiederaufrichtung des schiefen Turms von Pisa zu.

ELD: Wie lange wird man den Tagesspiegel als Zeitung (Print) am BER noch kaufen können?
CP: So lange, wie der BER einen Betreiber für den Kiosk findet – also mindestens bis zum Weltuntergang.

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