Coronavirus und die Berliner Wirtschaft : „Das Leben geht hier normal weiter“

Wie wirkt sich die Ausbreitung des Virus auf die Wirtschaft in der Hauptstadt aus? Wirtschaftssenatorin Pop mahnt zu Ruhe und Optimismus.

Das Coronavirus breitet sich weiter aus. (Symbolbild)
Das Coronavirus breitet sich weiter aus. (Symbolbild)Foto: Soeren Stache/dpa

Viele Unternehmen in Berlin leiden schon jetzt unter der Verbreitung des Coronavirus – obwohl die Zahl der bestätigten Infektionen verschwindend gering ist und der finanzielle Schaden sich nur schwer beziffern lässt. Am Dienstagnachmittag hat Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) einige Spitzenvertreter der Berliner Wirtschaft zu einem Gespräch in die Zentrale der Investitionsbank (IBB) in die Bundesallee nach Wilmersdorf geladen, um über die wirtschaftlichen Auswirkungen zu sprechen.

Da sei es um Unterstützungsmöglichkeiten gegangen, um die Auswirkungen auf die Wirtschaft zu ermitteln und so weit wie möglich abzufedern, sagte die Senatorin vor der Veranstaltung.

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Zu dem nicht-öffentlichen Treffen kamen die Chefs der IBB, der Industrie- und Handelskammer (IHK), der Standortförderagentur Berlin Partner, der Tourismusagentur Visit Berlin, des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), der Unternehmensverbände UVB und dem Handelsverband HDE. Sie verständigten sich mit der Senatorin offenbar darauf, das Positive in der Krise zu suchen und jeden Eindruck von Panik zu vermeiden.

„Wir haben eine klare Botschaft. Berlin kann cool bleiben. Die Wirtschaft läuft nach wie vor“, fasste IHK-Chef Jan Eder das Gespräch zusammen – räumte zugleich „Bremsspuren“ im China-Geschäft ein. Zum aktuellen Zeitpunkt halte man bei der Kammer ein Konjunkturprogramm für verfrüht und rate Unternehmen gegebenenfalls die bereits vorhandenen Förderinstrumente in Anspruch zu nehmen.

„Das Leben geht hier normal weiter“, sagte Pop. Man sehe, dass sich die Tourismuszahlen nach unten bewegen. „Das ist aber eine gute Gelegenheit für Berlinerinnen und Berliner Restaurants zu besuchen, die sonst über Monate ausgebucht sind“, erklärte sie. „Vielleicht gibt es da noch gemeinsame Aktionen, damit die Berliner ihre Stadt selber nochmal erkunden“, stellte die Senatorin in Aussicht.

Keine generellen Absagen von Großveranstaltungen

Sie betonte auch, dass die Absage der Tourismusmesse ein Einzelfall gewesen sei, „weil das eine sehr große und sehr internationale Veranstaltung gewesen wäre.“ Generelle Absagen von Veranstaltungen solle es nicht geben. Darauf habe man sich im Senat verständigt.

Pop stellte aber auch fest: „Berlin ist nicht allein auf der Welt. Wir sind nicht handlungsfähig, wenn Bund und die europäische Ebene nicht auch ein Stück weit unterstützend tätig sind und einen Rahmen geben.“ Einen Härtefallfonds zum Beispiel können man als Bundesland nicht allein aufsetzen. Zugleich stellte sie Hilfen durch die Förderbank IBB in Aussicht.

Hotels und Restaurants brauchen Hilfskredite

Auch deren Chef Jürgen Allerkamp übte sich in Optimismus: „Wir gehen davon aus, dass das Thema hoffentlich in den nächsten sechs Wochen erledigt sein müsste.“ Anträge auf Hilfskredite lägen noch nicht vor. Es deute sich aber an, dass es welche aus Hotel und Gastronomie geben könne.

Sven Weickert, Geschäftsführer der Unternehmensverbände (UVB), sagte vor dem Treffen, er halte es für nicht ausgeschlossen, dass in der Industrie Lieferketten unterbrochen werden könnten und Unternehmen ihre Produktion stoppen müssen.

„Für solche Fälle brauchen wir eine schnelle Entscheidung für ein Kurzarbeitergeld, das nicht an Bedingungen wie betriebliche Weiterbildung geknüpft ist“, forderte Weickert. „Der Staat sollte dabei zudem die Sozialversicherungsbeiträge übernehmen. Das wäre ein wichtiger Beitrag zur Sicherung der Beschäftigung.“

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