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Debatte um Eisbär-Name : "Hertha? Mir fiel die Zahnbürste aus der Hand"

Lichtenbergs Bezirksbürgermeister wollte einen anderen Namen für die kleine Eisbärin. Andere finden "Hertha" piefig, Klaus Lederer findet: Hauptsache gesund.

Mit blau-weißem Ball.
Mit blau-weißem Ball.Foto: dpa

Dürfen die das? Einen Eisbären nach "Hertha" benennen, und das im Tierpark? Hier die alte Dame aus dem Westen, da der 1. FC Union im alten Osten? Das Netz tobt, jubelt, diskutiert.

Michael Grunst (Linke), Bezirksbürgermeister in Lichtenberg, wo der Tierpark sitzt, sagte am Vormittag dem Tagesspiegel: „Als ich das gehört habe, habe ich gedacht, die Zahnbürste fällt mir ins Wasser.“ Hinzu komme, dass er Fan des 1. FC Union sei - das ist Herthas Lokalrivale in der Stadt. Er habe dem Tierpark sogar einen anderen Vorschlag gemacht – auch wegen des geografischen Bezugs im Osten Berlins.

Die erste Mannschaft des Eishockey-Clubs habe bereits die Patenschaft für Tonja, die Mutter von Hertha, übernommen, sagte Grunst weiter. Er habe dem Tierpark daher vorgeschlagen, dass nun die Eisbären Juniors die Patenschaft übernehmen. „Das ist aber auch nicht Chefsache des Bezirksbezirksbürgermeisters“, sagte Grunst. Dennoch sei die Entscheidung für Hertha als Name des Eisbärenmädchens ungewöhnlich. Wobei Hertha sicherlich auch Fans im Osten der Stadt habe.

Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sieht das entspannter. Er kommentierte die Namensgebung mit diesen Worten: "Als Eisbärin, mit Ursprungsherkunft Nord-Pol, sollte der kleinen Hertha ein Ost-Senator und ein West-Verein ziemlich egal sein. Wichtig sind Gesundheit und Kraft für die Kleine."

Der FC Union findet Hertha "ganz putzig"

Antje Kapek, Fraktionschefin der Grünen wiederum meinte: "Ist ja eine wirklich schöne Geste von Hertha - aber Greta hätte ich auch ein starkes Zeichen gefunden." Damit spielte Kapek auf die Debatte um die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg an. Wegen des klaren Bezugs zum Klimawandel und dem Leiden der Eisbären, weil es Eis schmilzt, war Greta unter den Namensvorschlägen die populärste Variante.

Doch ganz so politisch wollte es der Tierpark dann doch nicht haben. Carola Bluhm, Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, hat kein Verständnis dafür. Sie sagte dem Tagesspiegel: "Greta ablehnen und Hertha auswählen ist enorm piefig und wenig weltoffen."

Und Hertha? "Der Tierpark und Hertha BSC gehören zu Berlin wie der Alex und die Spree. Das passt einfach zusammen!", sagte Finanzchef Ingo Schiller. Der Klub hat die Patenschaft übernommen.

Der FC Union wollte sich gar nicht erst auf die Debatte einlassen. Der Tagesspiegel fragte im Stadion An der Alten Försterei nach und wollte wissen: Wie findet es der FC Union, dass der Tierpark im Osten Berlins das Eisbärenmädchen nach dem Stadtrivalen Hertha BSC aus dem Westen Berlins benannt hat? Union-Sprecher Christian Arbeit sagte: „Wir finden die kleine Hertha ganz putzig und wünschen ihr, dass sie groß und stark wird.“

Der Name wurde bei der Eisbärentaufe am Dienstagvormittag bekanntgegeben. Mehr als 5000 Namensvorschläge für den Nachwuchs von Eisbärin Tonja (9) waren eingegangen. Auch Checkpoint-Leser haben fleißig mitgegrübelt und Namen wie Greta, Hertha und Rosa vorgeschlagen.

Das Netz ist gespalten. Herrlich knifflige Frage: "Wie hätte die Eisbären geheißen, wenn die Eisbären die Patenschaft übernommen hätten?" Andere sind entsetzt: "Der geplante Besuch im Tierpark fällt aus."

Lesen Sie mehr zum neuen Namen des Eisbären

- Vier Monate ist die kleine Eisbärin alt, heute wurde sie getauft. Die Patenschaft für die Kleine hat der Fußballklub Hertha BSC übernommen. Hier der Bericht von Dienstagvormittag vom Eisbären-Gehege.

- Wie soll Berlins Eisbärenbaby heißen? Lilo, Lucia oder Rosa? Noch hat die kleine Eisbärin im Tierpark keinen Namen. Unsere Checkpoint-Leser hatten schon vorher ein paar Ideen. Hier sind sie.

Mehr zum Thema

- "Es ist ein großes, kräftiges, schweres Mädchen". Der Eisbärnachwuchs ist weiblich - zum ersten Mal haben Tierärzte das Eisbärbaby im Tierpark untersucht. Es bewies dabei auch sein lautes Organ.

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