Der neue Opel Corsa-e : Charge my Car!

Kleiner Stromer: Verglichen mit traditionellen Verbrennerautos fühlt sich das Fahren in Opels Elektro-Corsa gar nicht so anders an.

Ab durch die Mitte. Gegenüber seinen früheren Generationen hat der Opel Corsa stark gewonnen. Und nun gibt es ihn auch noch elektrisch.
Ab durch die Mitte. Gegenüber seinen früheren Generationen hat der Opel Corsa stark gewonnen. Und nun gibt es ihn auch noch...Foto: Dani Heyne/Opel

Es ist recht frisch an diesem Frühlingsmorgen. Der Batteriepack aus 16 Einzelzellen, 50 kWh stark, ist fast vollständig aufgeladen. Man sollte also meinen, dass er auch Strom für fast 337 Kilometer liefert, die als maximal mögliche Reichweite des neuen Opel Corsa-e versprochen sind. Aber die Anzeige auf dem Display nennt nun mal nur 260 Kilometer. Auch die Außentemperatur ist ein Faktor, der die Leistungsfähigkeit der Batterie beeinflusst.
Sicher die typische Macke eines Elektro-Novizen, dass er, den eine im tiefsten Rot angekommene Tankanzeige noch nie beunruhigt hat, nun auf die Messdaten seines allein vom Stromfluss angetriebenen Fahrzeugs starrt wie das Kaninchen auf die Schlange. Lediglich 85 Kilometer gefahren, und die Anzeige gibt als Restreichweite nur noch 160 Kilometer an, also 15 weniger als nach Adam Riese berechnet? Ein Anlass zur Sorge?
Eher eine Frage der Gewöhnung – und der Erfahrung. Und die lehrt, dass sich auf längeren Strecken, in diesem Fall einem Rundkurs über 190 Kilometer von Berlin-Moabit ins südliche Brandenburg und zurück, diese Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität doch wieder halbwegs einpendelt, so dass am Ziel sogar 80 Kilometer als mögliche Reststrecke übrig bleiben.

Der Listenpreis für den Corsa-e reduziert sich um 6000 Euro Umweltprämie.
Der Listenpreis für den Corsa-e reduziert sich um 6000 Euro Umweltprämie.Foto: Christian Bittmann/Opel

Bei übrigens insgesamt sehr moderater Fahrweise, über lange Strecken also im Modus „Eco“ statt in „Normal“ oder gar „Sport“. Und dem Elektromotor wurde zudem oft per Automatikhebel die mögliche höhere Rekuperationsstufe verordnet. Dabei wird Bewegungsenergie – man kann es auf einer hübschen Displaygrafik verfolgen – besonders effizient in elektrische Energie umgewandelt und ins Batteriepack eingespeist. Allerdings wirkt das ein wenig so, als fahre man plötzlich mit angezogener Handbremse – ein Gefühl, das in vergleichbarer Fahrsituation auch der, nur mit Plug-in-Technik angetriebene, Opel Grandland X Hybrid4 vermittelt.
Auch dies vielleicht eine Frage der Gewöhnung. Und die fällt selbst einem eingeschworenen Anhänger der Verbrennertechnik im Corsa-e gar nicht mal schwer. Das Fahrgefühl unterscheidet sich, vom anfangs besorgten Blick auf die Reichweite mal abgesehen, kaum von dem im gewohnten Automatik-Benziner. Löst man den Fuß vom Gaspedal oder wie immer dieses Teil in einem E-Mobil jetzt heißt, so bremst der Wagen zwar wie erwartet, aber doch nicht so stark, dass man die Bremse kaum mehr, sondern nur noch ganz zuletzt zum Anhalten benötigte. Das Zusammenspiel der Pedale unterscheidet sich vielmehr nur wenig von gewohnter Technik, andere Hersteller, hört man, sollen dem Fahrer da sehr viel mehr Gewöhnung abverlangen.

Kunterbunt durch Berlin. Maximal 337 Kilometer soll eine Batteriefüllung reichen.
Kunterbunt durch Berlin. Maximal 337 Kilometer soll eine Batteriefüllung reichen.Foto: Christian Bittmann/Opel

Auch an Spritzigkeit lässt der Corsa-e für ein Fahrzeug seiner Klasse nichts zu wünschen übrig. In 2,8 Sekunden von 0 auf 50 und in 8,1 Sekunden auf 100 bei einer maximalen Spitze von 150 km/ – das sollte im Alltag genügen.

Nach 30 Minuten zu 80 Prozent geladen

Sollte so ein Elektromobil allerdings zu lange an der Stromsäule hängen, wäre der Fahrspaß schnell dahin. Die angegebenen Zeiten zum Auffüllen der Batterie variieren stark. Der Wagen wird, je nach Ausstattungsstufe, mit bordeigenen Ladegeräten verschiedener Leistungsstärke für Wechselstrom angeboten, dazu serienmäßig mit einem Schnellladeanschluss für Gleichstrom. An Schnellladesäulen mit bis zu 100 kW ist die Batterie in 30 Minuten zu 80 Prozent geladen. Zu Hause dauert das Laden mittels einer eigens angebotenen „Wall Box“ rund fünf Stunden. Die Lebensdauer der Batterie wird für acht Jahre oder bis zu 160 000 Kilometer Laufleistung garantiert.

Noch 200 Kilometer, spätestens dann muss eine Stromsäule her.
Noch 200 Kilometer, spätestens dann muss eine Stromsäule her.Foto: Christian Bittmann/Opel

Der Reichweite förderlich sind sicher auch die serienmäßige Wärmepumpe, über die vom Elektromotor erzeugte Wärme zum Heizen genutzt wird, sowie die energiesparende LED-Technik der Scheinwerfer, die wie die vielen angebotenen Assistenzsysteme bereits aus den klassischen Verbrennervarianten des neuen Opel Corsa bekannt ist.
Und selbstverständlich werden zu den vielen Vernetzungsmöglichkeiten auch auf die Erfordernisse der E-Mobilität zugeschnittene Spezialfähigkeiten angeboten, so der zu den auf Wunsch erhältlichen „Free2Move Services“ gehörende Fahrtenplaner „Charge my Car“. Er berechnet die stromsparendste Route und zeigt Ladestationen entlang der Fahrtroute an – ein nervenschonendes Hilfsmittel. An der angesteuerten Säule hängt dann hoffentlich nicht schon ein anderer Stromkunde.

Technische Details
Abmessungen: 4,6 m (L), 1,77 m (B, mit eingeklappten Spiegeln), 1,44 m (H)
Kofferraumvolumen: 267 - 1042 Liter
Antrieb: Elektromotor, 136 PS, max. Drehmoment 260 Nm, Höchstgeschwindigkeit 150 km/h, von 0 auf 100 in 8,1 Sekunden
Batterie: 50 KWh, Reichweite 337 km (nach WLTP), Ladezeit ca. 5:15 Stunden (Wallbox), ca. 30 Minuten für 80 % der Batterie (öffentliche Ladestation)
Preis: ab 29.900 Euro (abzüglich 6000 Euro Umweltprämie)

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