Dublin-Rückführungen : Wo sind die 27 aus Berlin abgeschobenen Afghanen?

Das Land Berlin steht direkten Rückführungen nach Afghanistan skeptisch gegenüber. Deshalb werden Afghanen in Drittstaaten abgeschoben. Was dann passiert, ist aber unklar.

Eine Gruppe abgeschobener Asylbewerber am Flughafen in Kabul.
Eine Gruppe abgeschobener Asylbewerber am Flughafen in Kabul.Foto: Mohammad Jawad/dpa

"Berlin schiebt nicht ab nach Afghanistan", sagte Innensenator Andreas Geisel (SPD) vor einem halben Jahr. Ein Abschiebestopp wurde jedoch nicht erlassen. Man möchte es sich offenhalten, "Straftäter und Gefährder" zurückzuschicken, wie auch Geisel betonte.

Dies ist letzte Woche zum ersten Mal geschehen. Unter den 69 von München aus abgeschobenen Afghanen saß ein Berliner Asylbewerber. Nach der Ankunft in Kabul hat sich einer der 69 Personen in einer Unterkunft erhängt. Laut Bundesinnenministerium handelt sich um einen Asylbewerber aus Hamburg.

Die Senatsinnenverwaltung sagte auf Anfrage, diese direkte Abschiebung ändere nichts an der generellen Praxis. Man stehe direkten Abschiebungen nach Afghanistan auch weiter skeptisch gegenüber. Deshalb wurden Afghanen bislang in sichere Drittstaaten nach dem Dublin-Verfahren abgeschoben. Dies geschah im vergangenen Jahr 27 Mal. Zu der nun direkten Rückführung unterscheiden sich diese Dublin-Abschiebungen im "Umfang der begangenen Straftaten", sagte der Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres.

Es ist jedoch möglich, dass die 27 in Drittstaaten abgeschobenen Personen von dort aus nach Afghanistan geschickt wurden. Der Sprecher des Senats: "Ob und wie viele Menschen nach der Rückführung auf Dublin-Grundlage nach Afghanistan zurückgeführt wurden, können wir nicht sagen, weil wir es nicht wissen."

Auch wisse man nicht, in welche Dublin-Länder die Asylbewerber überhaupt geschickt wurden. "Das wird leider nicht erfasst." Eine Dublin-Rückführung bedeute aber nicht automatisch eine Abschiebung nach Afghanistan, "weil in den Dublin-Staaten eventuell noch Asylbescheide endgültig beschieden werden und/oder Verwaltungsklagen ausgefochten werden können."

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